Beisetzung von Wolfgang Völz in Berlin : „Ist doch genug, war doch schön“

Letzter Weg eines „herzlichen Eisbrechers“: Volksschauspieler Wolfgang Völz wurde auf dem Friedhof Wilmersdorf beigesetzt.

Eine absolut linke Socke. Wolfgang Völz war viele Jahre seines Lebens SPD-Mitglied.
Eine absolut linke Socke. Wolfgang Völz war viele Jahre seines Lebens SPD-Mitglied.Foto: Thomas Schulze/picture-alliance/dpa/dpaweb

War ein kerniger Typ, dieser Wolfgang Völz. Sein Sohn Benjamin beschreibt ihn aus der Nähe: Ein Flaneur, unterwegs im Maßanzug mit Zigarre, „stolz mit gesunder Bugwelle, ein herzlicher Eisbrecher“, der allen Menschen freundlich und offen gegenübertrat. Merkte er aber, dass ihm jemand an den Karren fahren wollte, dann konnte er auch austeilen, „scharf wie ein Schneidbrenner“.

Wolfgang Völz ist tot, gestorben Anfang Mai im Alter von 87 Jahren; am Mittwoch fand die Urnenbeisetzung des großen, populären Schauspielers auf dem Friedhof Wilmersdorf statt, familiär, im weltlichen Rahmen, ohne Medienrummel.

Etwa 150 Menschen waren gekommen an diesem strahlenden Sommertag, um Abschied zu nehmen - ein eher kleiner Kreis angesichts der Bekanntheit des Verstorbenen. Man sah Judy Winter, Oliver Kalkofe, Wilhelm von Boddien; Petra Pau war da, die Bundestagsvizepräsidentin und Kulturpolitikerin, neben ihr in der ersten Reihe saß Klaus Wowereit. Senat und Abgeordnetenhaus hatten Kränze geschickt.

Benjamin Völz berichtete sehr persönlich, sehr traurig aus den letzten Monaten seines Vaters. Der kraftvolle, extrovertierte Mann sei durch die Krankheit - er erlitt 2016 einen Schlaganfall - sehr verändert worden, sagte er, er habe verletzt, reduziert, gebückt gewirkt und gespürt, dass es nicht mehr lange gehen werde, „wie ein alter Elefant, der sich zum Sterben hinlegt“.

Aber auch das geschah mit versöhnlichen Worten – so wurde seine Frau Roswitha zitiert: „Ist doch genug, war doch schön“, soll er gesagt haben. Beide waren seit 1955 verheiratet und wohnten seitdem in Wilmersdorf.

Eine "absolut linke Socke"

Klaus Wowereit war Völz und dessen Frau durch die gemeinsame Arbeit in der AIDS-Hilfe verbunden, ein Engagement, das dem Schauspieler auch das Bundesverdienstkreuz einbrachte. Völz habe angepackt und mitgeholfen in Zeiten, „wo das noch nicht so selbstverständlich war“, er habe schon in seiner Zeit bei den „Stachelschweinen“ eine scharfe Zunge gehabt, „aber nie bösartig, immer dem Leben zugewandt“.

Eine „absolut linke Socke“ habe sich Völz genannt, betonte sein Parteifreund Wowereit, das habe ihm als Sozialdemokraten natürlich gefallen. Und obwohl er selbst nur noch ehemaliger Bürgermeister sei, maße er sich an, zu sagen: „Berlin nimmt Abschied von einem großen Schauspieler.“

Die Familie steuerte Erinnerungen, Assoziationen bei. Enkel Daniel rezitierte Rilkes „Herbsttag“ mit der Anfangszeile „Herr, es ist Zeit, der Sommer war sehr groß“ - ein Lieblingsgedicht seines Großvaters. Seine Schwiegertochter Heike Speckter brachte eine leere Flasche mit: Darin sei ein Rest Wasser gewesen, und ihr Sohn habe gesagt: Das ist Opas Lebenselixier. Die Flasche sei daraufhin ins Regal gestellt worden - und Anfang Mai war ihr Inhalt verdunstet, „Opas Lebenselixier war verbraucht“.

"What A Wonderful World"

Die Trauerfeier wurde unterbrochen von einem in diesem Rahmen unüblichen Musikstück: „What A Wonderful World“, gespielt als Duett von Orgel und Klarinette. Und da Völz, wie seine Tochter betonte, immer gern das letzte Wort hatte, überließ die Familie ihm dieses letzte Wort, ein Lied aus der Konserve: „Ich möchte hundert Jahre werden, das wird das größte Fest auf Erden, ohne Beschwerden hundert werden, das wär was für mich“.

Diesen Wunsch hat ihm das Leben nun nicht erfüllen können. Aber dennoch gab es für diesen letzten Auftritt noch einmal kurzen, leisen Beifall. Die Urne des großen Volksschauspielers wurde im Anschluss an die Trauerfeier im Kolumbarium des Städtischen Friedhofs Wilmersdorf beigesetzt.

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