Berlin-Friedrichshain : Kult-Café Sibylle eröffnet wieder

Im Frühjahr meldete der Betreiber Insolvenz an, das Café Sibylle in Friedrichshain musste schließen. Nun hat der geschichtsträchtige Ort einen neuen Besitzer.

Seit 1953 tafelte man hier bei Kaffee und Kuchen: im Café Sibylle.
Seit 1953 tafelte man hier bei Kaffee und Kuchen: im Café Sibylle.Foto: Kai-Uwe Heinrich

In der Karl-Marx-Allee 72 wird in diesen Tagen kräftig gewerkelt, damit am 17. November alles im neuen Glanz erstrahlt. Dann nämlich soll das Café Sibylle auferstehen und wieder zu dem traditionsreichen Kulturort werden, das es für den Friedrichshainer Kiez von 1953 bis zum Frühjahr 2018 war. Kurze Rückblende: Der damalige Betreiber meldete Insolvenz an, konnte die Miete nicht länger bezahlen.

Nun kündigt ein Zettel am Eingang den Neustart an, auf der Rückseite ist schon das künftige Frühstücksmenü nachzulesen: Eierspeisen, selbstgemachtes Schokomüsli oder Kürbis-Zimt-Vanille- Orangen-Marmelade. „Die Küche ist gesichert“, sagt der zukünftige Chef derselben, Andreas Schneider. „Berliner Küche, etwas aufgewertet“, so nüchtern beschreibt er sein kulinarisches Programm: Da wird die Blutwurst mit einem Thymian-Majoran-Dressing und die Rote Grütze mit Vanille-Rosmarin-Soße garniert. Außerdem soll es einen Mittagstisch bis 14 Uhr und am Nachmittag wie gewohnt Kaffee und Kuchen geben. Bis es so weit ist, werden Parkett, Küche und Tresen saniert, außerdem 60 neue Stühle besorgt, erzählt Schneider. Er arbeitet für „Puk a Malta“, den neuen Betreiber des Cafés, der seit 23 Jahren als Bildungsträger in Wedding aktiv ist und nun auch das Café Sibylle in Friedrichshain übernimmt.

Mehr als Kaffee. Im Gastraum bleiben Infotafeln zur Kiezgeschichte erhalten.
Mehr als Kaffee. Im Gastraum bleiben Infotafeln zur Kiezgeschichte erhalten.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Vom Bezirksamt gibt's 2000 Euro monatlich

Mit der Schließung des Cafés Anfang April war auch die Ausstellung zur Geschichte und Architektur des einstigen DDR-Prachtboulevards nicht mehr zugänglich. Um die will sich künftig das Bezirksamt selbst kümmern. Die Schau mit den 39 Infotafeln und anderen Objekten wird wie zuvor etwa ein Drittel des Raumes einnehmen.

Das alles geht aus dem Nutzungsvertrag hervor, den der Bezirk mit dem neuen Betreiber abgeschlossen hat, erklärte Stadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) auf eine Anfrage von Michael Heihsel (FDP) Ende September in der Bezirksverordnetenversammlung. Zusätzlich sollen die Räumlichkeiten für Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung im Rahmen des Förderprogramms Stadtumbau Ost genutzt werden.

Das Bezirksamt beteiligt sich mit 2000 Euro monatlich an den anfallenden Nebenkosten. Die Mittel kommen aber eigentlich von der Senatsverwaltung, sagt Mildner-Spindler. Für FDP-Mann Heihsel ist das ein Fall von Subventionierung: „Das historische Café im Herzen Friedrichshains ist Anziehungspunkt und Attraktion, das keiner Subvention von jährlich 24.000 Euro bedarf.“ Andere Cafés würden schließlich auch nicht gefördert, das Geld hätte lieber in soziale Einrichtungen investiert werden sollen, argumentiert Heihsel.

Mein Friedrichshain
Spuren von Zerstörung und Teilung der Stadt waren 1993 noch Gegenwart an der Oberbaumbrücke. Zwei Jahre später fuhr die U-Bahn wieder über die restaurierte Brücke zwischen Friedrichshain und Kreuzberg. - Foto: Gerd Danigel, ddr-fotograf.de (CC: BY-SA 4.0)Weitere Bilder anzeigen
1 von 100Gerd Danigel
22.11.2018 14:50Spuren von Zerstörung und Teilung der Stadt waren 1993 noch Gegenwart an der Oberbaumbrücke. Zwei Jahre später fuhr die U-Bahn...

Für den Kiez

„Es ist nicht nur irgendein Café in der Straße, wir machen auch Gemeinwesenarbeit, beispielsweise mit Veranstaltungen“, widerspricht Angelika Zachau, Geschäftsführerin des Trägers, der seinen Ansatz schon im Namen trage. „A malta“ ist portugiesisch und bedeute so viel wie „für die Bande“, also für die Menschen aus dem Kiez.

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Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) schaute am Dienstag schon mal vorbei: „Ich bin optimistisch, dass das Café wieder ein wichtiger und guter Raum für den Kiez sein wird“, twitterte sie. Michael Heihsel hingegen will nun die Akten einsehen. Es sei nicht nur unklar, wie der Betrag von 2000 Euro überhaupt festgelegt wurde, kritisiert er, sondern stellt auch eine wichtige Frage. „Was passiert, wenn der Zuschuss aufgebraucht ist, kündigt der Bezirk dann den Vertrag?“

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