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Bahnhof Zoo: Die U2 ist völlig überfüllt.

© Jörn Hasselmann

Update

Berliner Bahnhof Nollendorfplatz gesperrt: Überfüllte Bahnsteige und ausgefallene Züge

Die U2 muss während der Sperrung am Nollendorfplatz den Verkehr alleine bewältigen. Der Start ging schief: Züge fielen aus oder waren überfüllt. Und den versprochenen Vier-Minuten-Takt gibt es nur zeitweise.

Stand:

Seit Montagfrüh sind die U-Bahn-Linien U1, U3 und U4 ganz oder teilweise gesperrt. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sanieren bis Mitte Mai eine einsturzgefährdete Decke am Bahnhof Nollendorfplatz. Nur eine Linie fährt noch in Ost-West-Richtung, die U2. Sie muss den gesamten Verkehr bewältigen, die BVG hat einen Vier-Minuten-Takt versprochen.

Der Start ging gründlich schief. Zwischen 8 Uhr und 9 Uhr gab es auf der U2 teilweise Taktlücken von zehn Minuten. Die Züge waren so überfüllt, dass es beim Ein- und Aussteigen Gedränge gab. Am Bahnhof Zoo wurde über Lautsprecher durchgesagt, dass es „wegen technischer Probleme zu längeren Wartezeiten in Richtung Pankow kommt“.

BVG mit Problemen
Nächster Zug in zehn Minuten. Versprochen hatte die BVG einen Vier-Minuten-Takt.

© Jörn Hasselmann

Um 8.45 Uhr gelang es vielen Wartenden nicht, in die bereits überfüllt einfahrende Bahn nach Pankow zu steigen. Tatsächlich gab es in beide Richtungen Probleme. Um 8.15 Uhr mussten Fahrgäste am Bahnhof Bülowstraße ebenfalls zehn Minuten auf die nächste U2 Richtung Zoo/Ruhleben warten.

Probleme gab es auch auf der U9, auch hier fielen Züge aus. Richtung Osloer Straße waren es am Morgen bis zu zwölf Minuten Wartezeit, laut der Anzeige im Bahnhof Zoo. Welche Schwierigkeiten es auf diesen Linien gab, wurde nicht gesagt. Der Montagmorgen war mit minus zehn Grad einer der kältesten dieses Winters. Nach einem Bericht des Senders RBB soll es am Morgen auch auf der U3 zwischen Warschauer Straße und Gleisdreieck Ausfälle und Taktlücken gegeben haben.

Ein BVG-Sprecher sagte auf Anfrage, dass es „vereinzelt Störungen gab, die für die aktuelle Wetterlage typisch sind – vor allem einzelne Türstörungen“.

Bis zum 12. Mai pendelt die U1 nur zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße, dies im unattraktiven 15-Minuten-Takt. Die U3 ist geteilt. Von Krumme Lanke aus enden die Fahrten bereits an der Spichernstraße. Der östliche Abschnitt reicht von Gleisdreieck bis Warschauer Straße. Die U4 (Innsbrucker Platz bis Nollendorfplatz) ist ganz eingestellt.

Nur die am Nollendorfplatz oberirdisch verlaufende U2 ist von der Sperrung im Untergrund nicht betroffen. Die BVG hatte angekündigt, dass die Züge ab Montag wieder alle vier Minuten fahren. Der Takt war im Sommer 2024 wegen Fahrzeugmangels auf fünf Minuten ausgedünnt worden. „Die U2 übernimmt mit dichtem Takt und größtmöglicher Zuglänge die Funktion als Mobilitäts-Rückgrat in der westlichen Innenstadt“, hatte die BVG in einer Mitteilung in der vergangenen Woche angekündigt.

Das war aber nur die halbe Wahrheit. Tagsüber zeigte die App bis 15 Uhr exakt einen Fünf-Minuten-Takt in beide Richtungen an. Nur von 15 Uhr bis etwa 20 Uhr sollen die Züge alle vier Minuten fahren. Der BVG-Sprecher präzisierte auf Nachfrage: „Diese dichteste Taktung gilt morgens und nachmittags in den Zeiten der größten Nachfrage im Berufsverkehr. So ist es auch jetzt wieder.“

Das hatte die BVG bislang verschwiegen. Im November hatte BVG-Chef Henrik Falk den maroden Bahnhof Nollendorfplatz besichtigt. Damals veröffentlichte die BVG eine Presseinformation, in der es hieß: „U2 im Vier-Minuten-Takt als stabile Ost-West-Verbindung“ – ohne irgendeine Einschränkung.

Sperrung des Bahnhofes U-Bahn-Nollendorfplatz von Januar bis Mai 2026
Sperrung des Bahnhofes U-Bahn-Nollendorfplatz von Januar bis Mai 2026.

© BVG, Stand 8. Januar 2026 I Rita Boettcher

Und noch etwas zeigte sich am Montagmorgen: Die in den größeren Stationen montierten Überblicksmonitore zeigen keineswegs die aktuelle Lage an. Die Zugausfälle am Morgen auf U2 und U9 wurden nicht angezeigt. Diese Monitore sollen laut BVG den Kunden quasi im Vorbeilaufen mit einem Blick anzeigen, wie die Lage ist. Dazu gibt es ein System aus wenigen Symbolen wie ein „Alles-Ok-Häkchen“ oder eine Sanduhr.

BVG mit Problemen
Die Störung auf der U2 wird auf dem Monitor nicht angezeigt.

© Jörn Hasselmann

Während der Sperrung fahren zwei Buslinien als Ersatz für die U3 und die U4. Die Busse waren am Montagmorgen auch im Schülerverkehr gegen 7.30 Uhr nur schwach besetzt. Für die U3 fahren die Busse zwischen Wittenbergplatz und Spichernstraße, vorbei am geschlossenen Bahnhof Augsburger Straße. Die alle fünf Minuten fahrenden Busse waren teilweise ziemlich leer, teilweise halb voll.

Weitestgehend ohne Fahrgäste waren die Busse für die U4 unterwegs. Diese nur alle zehn Minuten verkehrende SEV-Linie kann die Zwischenstationen Viktoria-Luise-Platz, Bayerischer Platz und Rathaus Schöneberg nicht direkt anfahren, da es dort Fußgängerzonen gibt. Zudem fährt der Bus den Nollendorfplatz als eigentlichen Startpunkt der U4 gar nicht an, sondern biegt hinter dem Wittenbergplatz direkt in die Martin-Luther-Straße ein zum Innsbrucker Platz.

Letztlich fährt der U4-Bus nur einen einzigen der fünf Bahnhöfe an. Und: Auf den Hauptstraßen fahren parallel mehrere reguläre Linien wie M46, M48 und M85. Diese Busse waren am Montagfrüh teilweise völlig überfüllt. Deshalb erscheint der Ersatzverkehr für die U4 verzichtbar.

Dass der Knoten Nollendorfplatz vier Monate lang gesperrt werden muss, war im Juli durch einen Artikel im Tagesspiegel bekannt geworden. Der Zustand der Tunneldecke ist so katastrophal, dass nicht bis zur ab 2028/29 geplanten Generalsanierung der Ost-West-Strecken gewartet werden kann. Wie berichtet wird es dann viele Jahre Sperrungen vor allem auf U1 und U3 geben, da die völlig verrostete Stahlbrücke über den Gleisdreieckpark wegen Einsturzgefahr abgerissen werden muss. 

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