zum Hauptinhalt
Der Berliner Alexanderplatz mit dem Kaufhaus Galeria Kaufhof und dem im Bau befindlichen Hochhaus «The Berlinian».

© dpa/Sebastian Gollnow

Galeria am Berliner Alexanderplatz: Filiale darf einige Monate länger bleiben – nur wie lange?

Der Eigentümer will den Fortbestand der Galeria-Filiale am Alex daran knüpfen, dass die Zentral- und Landesbibliothek ebenfalls ins Gebäude zieht. Über die Bedingungen sind Senat und Eigentümer sich aber längst nicht einig.

Stand:

Die Galeria-Filiale am Berliner Alexanderplatz darf zunächst für einige weitere Monate geöffnet bleiben. Das ist das Ergebnis von Gesprächen, die der Berliner Senat und die Gebäude-Eigentümerin Commerz Real am Mittwochnachmittag geführt haben. Das teilten die Wirtschafts- und die Kulturverwaltung am Mittwochabend in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Der bisherige, aktuell geltende Mietvertrag des Galeria-Kaufhauses läuft nur noch bis zum 31. August. Wäre es bei dem Gespräch am Mittwoch zu keiner Einigung gekommen, hätte den Mitarbeitenden – 244 Personen mit einer durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit von durchschnittlich 24,6 Jahren – Ende Januar die Kündigung ausgesprochen werden müssen. Um wie viel länger das Warenhaus nun in den Räumlichkeiten am Alexanderplatz bleiben darf, kommunizierte der Berliner Senat am Mittwoch nicht.

Einigung bis Sommer 2026 vereinbart

Klar ist aber, dass die Verlängerung des Mietvertrags mit Galeria daran gekoppelt ist, die Verhandlungen für einen Kombi-Standort aus Warenhaus und Bibliothek fortzuführen: Als Ziel steht weiter im Raum, dass die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) in Teile des Warenhaus-Gebäudes einzieht und dieses dann gemeinsam mit einer geschrumpften Galeria-Filiale bespielt.

Bislang hatte die Commerz Real eine Verlängerung des Mietvertrags mit Galeria an die Bedingung geknüpft, dass der Senat den Einzug der ZLB zusagt. Seit September 2025 hatte die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) im Auftrag des Berliner Senats mit der Commerz Real über eine mögliche Nutzung von Teilen des Warenhauses durch die ZLB verhandelt.

Es sei nun vereinbart worden, die Verhandlungen bis zum Sommer 2026, also noch vor der Abgeordnetenhauswahl, abzuschließen, heißt es in der Pressemitteilung. Schlägt man als Zeitraum noch die Kündigungsfristen für die Galeria-Mitarbeitenden auf, falls der Deal doch nicht zustande kommen sollte, müsste die Verlängerung des Mietvertrags irgendwo in der ersten Jahreshälfte 2027 landen.

Aktuelles Angebot „nicht einlassungsfähig“

Um zu einer Einigung zu kommen, muss sich offenbar noch einiges bewegen: „Klar ist: Das Angebot der CommerzReal AG an das Land Berlin für eine Nutzung des Standortes für die ZLB ist in der vorliegenden Form nicht einlassungsfähig“, heißt es in der Pressemitteilung in ungewöhnlicher Deutlichkeit. „Es sind noch veritable Verhandlungsschritte erforderlich, um zu klären, ob es einen Weg für eine für alle Seiten tragbare Lösung geben kann.“

Der Erhalt des Warenhausstandortes ist für mich Bedingung für alle weiteren Schritte.

Franziska Giffey (SPD), Wirtschaftssenatorin

Daran geknüpft sei, dass in der Zeit der Verhandlungen keine Unklarheit über den Fortbestand der Nutzungsvereinbarung mit dem Galeria-Warenhaus im Raum stehen dürfe. „Die Galeria am Alexanderplatz ist die umsatzstärkste und am meisten frequentierte Filiale Berlins und das letzte Warenhaus im Ostteil der Stadt. Der Erhalt des Warenhausstandortes ist für mich Bedingung für alle weiteren Schritte“, so Franziska Giffey, Wirtschaftssenatorin der SPD.

Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, für CDU) teilte mit, sie werde all ihre Kraft in ein gut erreichbares Haus und eine finanzierbare Lösung investieren: „Als Kultursenatorin ist es meine Verantwortung, die Zukunft der ZLB zu sichern. Wir haben uns heute mit der Commerz Real darauf verständigt, die Verhandlungsgespräche zu intensivieren und sie zu einem guten Ende für die Stadt zu bringen.“

Das Gespräch zwischen Senat und Commerz Real fand am Mittwochnachmittag, im Anschluss an das Richtfest für das neue Hochhaus „The Berlinian“ auf dem gleichen Grundstück, statt. Im Anschluss sagte Commerz-Real-Sprecher Gerd Johannsen dem Tagesspiegel am Telefon, man habe sich auf eine Fortführung des Gesprächs geeinigt: „Es sieht aber nicht schlecht aus – es gibt keine Absage vom Senat für den Einzug der ZLB.“

Zur Frage, was mit Galeria passieren würde, falls der Senat sich doch gegen einen Umzug der ZLB in die Räumlichkeiten des Warenhauses entscheiden sollte, sagte Johannsen: „Wir haben Galeria immer mitgedacht, Galeria ist für uns Teil dieses Standorts.“ Sollte der Senat sich nicht für die Commerz-Real-Liegenschaft als ZLB-Standort durchringen, werde man „als zweite Option das Warenhaus mit einem neuen Konzept gemeinsam mit Galeria weiterentwickeln“. Das würde dann in Richtung einer Mischnutzung mit vielen Einzelmietern gehen, Galeria würde wohl mit deutlich weniger Fläche vertreten sein als bisher.

Ex-Staatssekretär mischt als Berater mit

Beim Treffen zwischen Senat und Commerz Real am Mittwochnachmittag war auch der ehemalige Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) dabei, als kultureller Berater des Teams von Commerz Real. Dem Tagesspiegel sagte er am Nachmittag am Rande des Richtfests von „The Berlinian“: „Die Suche nach einem neuen, gemeinsamen Standort für die ZLB beschäftigt die Stadt ja schon seit 35 Jahren. Sie an den Alexanderplatz zu konsolidieren, wäre für den zentralsten Ort der Stadt und die meistbesuchte Kultureinrichtung Berlins ein Gewinn.“

Commerz Real hatte den Gebäudekomplex im Juni 2023 vom Signa erworben, dem Immobilienkonzern des Österreichers René Benko, der Ende 2023 mit immer mehr Unternehmensteilen in die Zahlungsunfähigkeit rutschte. Da der Verkauf wenige Monate vor den Signa-Insolvenzen stattfand, dürfte für das Grundstück am Alexanderplatz noch ein relativ stolzer Preis erzielt worden sein, den die Commerz Real nun mutmaßlich über teure Nutzungen wieder hereinholen muss.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })