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Eine erste Plan-Skizze zum Ernst-Thälmann-Park sieht 1978 den Erhalt der drei Gasometer und ein neues Riesenrad vor.

© Magistrat von Berlin, Büro für Städtebau, 1978 (IRS Erkner/Wiss. Samml., Bestand Hubert Matthes)

Der Riesenrad-Plan von Prenzlauer Berg: So sollte der Thälmann-Park eigentlich aussehen

Der neue Ernst-Thälmann-Park war 1986 der ganze Stolz der DDR. Dabei war dort statt der Wohntürme zunächst ein reiner Freizeitpark geplant.

Von Christian Hönicke

Er war das letzte DDR-Großprojekt im heutigen Berliner Bezirk Pankow: der Ernst-Thälmann-Park. 1986 entstand er auf dem Gelände des früheren Gaswerks in Prenzlauer Berg, seit 2014 steht das Hochhaus-Ensemble unter Denkmalschutz.

Die Ausstellung „Der Ernst-Thälmann-Park. Komplexe Planungen für ein Prestigeobjekt“ widmet sich der wechselvollen Entstehungsgeschichte. Beleuchtet wird insbesondere die bewusste Verbindung von Thälmann-Denkmal, Wohnungsbau, Parklandschaft und Gesellschaftsbauten wie dem Planetarium zu einem ideologisch eingefärbten Gesamtbild.

Dabei waren die markanten Hochhäuser zunächst gar nicht eingeplant. Zwar verkündete Erich Honecker schon 1976, dass das stinkende Gaswerk zwischen Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße nach mehr als 100 Jahren stillgelegt werden sollte.

Doch erste Überlegungen für die Nachnutzung des Geländes sahen statt eines Wohnviertels lediglich einen großzügigen „Freizeit-, Spiel- und Erholungspark“ vor. Der sollte die Lebensbedingungen im dicht besiedelten Prenzlauer Berg dauerhaft verbessern.

Die drei Gasometer an der Ringbahn im Nordosten sollten dabei als Planetarium oder Badelandschaft umgenutzt werden. Auf den ersten Skizzen von 1978 ist in der Mitte des neuen Parks zudem ein Riesenrad zu sehen.

Die Planskizze zum Ernst-Thälmann-Park von 1978 mit den drei Gasometern (oben links) und Riesenrad in der Mitte.
Die Planskizze zum Ernst-Thälmann-Park von 1978 mit den drei Gasometern (oben links) und Riesenrad in der Mitte.

© Magistrat von Berlin, Büro für Städtebau, 1978 (IRS Erkner/Wiss. Samml., Bestand Hubert Matthes)

Die erste offizielle „Lagestudie“ des Ost-Berliner Magistrats von 1978 verortete die "Thälmann-Ehrung" samt Kundgebungsplatz noch an der Prenzlauer Allee, auf dem Areal des heutigen Fröbel-Platzes. Dazu wurde vorgeschlagen, das Revolutionsdenkmal von Ludwig Mies van der Rohe zu rekonstruieren, welches sich bis zu seiner Zerstörung 1935 auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde befunden hatte.

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Im überarbeiteten Plan von 1979 wurde das Thälmann-Denkmal an den heutigen Standort an der Greifswalder Straße verlegt. Dabei wurde die Dimension der Denkmalanlage stark erweitert und der Grünanteil deutlich reduziert.

Erst im Jahr 1981, in dem das Gaswerk endgültig stillgelegt wurde, tauchten angesichts der Wohnraumknappheit in Ost-Berlin erstmals Pläne für eine Bebauung des Geländes mit etwa 1300 Wohnungen auf. Der sowjetische Bildhauer Lew Kerbel bekam von Honecker persönlich den Auftrag zur Gestaltung des Thälmann-Denkmals. Die Hochhäuser sollten als imposante Kulisse im Hintergrund dessen Wirkung noch verstärken.

Lagestudie zum Ernst-Thälmann-Park von 1978. Die "Thälmann-Ehrung" war da noch an der Prenzlauer Alle geplant, auf dem Arel des heutigen Fröbel-Platzes.
Lagestudie zum Ernst-Thälmann-Park von 1978. Die "Thälmann-Ehrung" war da noch an der Prenzlauer Alle geplant, auf dem Arel des heutigen Fröbel-Platzes.

© Magistrat von Berlin, Büro für Städtebau, 1978 (IRS Erkner/Wiss. Samml., Bestand Hubert Matthes)

Der Bau des Ensembles begann 1983, drei Jahre später wurde die Anlage samt der Hochhäuser zum 100. Geburtstags Thälmanns schließlich fertiggestellt. Trotz Protesten wurden die markanten Gasometer abgerissen, an ihrer Stelle wurde dafür das Planetarium gebaut – und weiter östlich eine neue Schwimmhalle.

Die Ausstellung zeichnet diese Wendungen im Detail nach. Sie wurde gemeinsam von mehreren Stiftungen, Kultureinrichtungen und Vereinen zum 100. Geburtstag Groß-Berlin realisiert. Die Ausstellung ist online unter www.thaelmann-park.berlin und nach der Wiedereröffnung auch im Zeiss-Großplanetarium zu sehen.

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