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Zehntausende Autofahrer betroffen : Baustelle auf der Berliner Heerstraße abgesoffen

Auch das noch: Die Technik der Spurwechselanlage der Heerstraße sollte repariert werden – doch jetzt kam der Regen. Es drohen weitere Staus.

Berliner Berühmtheit: die Brücken über der Heerstraße.
Berliner Berühmtheit: die Brücken über der Heerstraße.Foto: André Görke

Das Ding ist ein Dauerbrenner im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau: die Spurwechselanlage auf der Heerstraße. Klar, betrifft 50.000 Autos täglich und etliche BVG-Linien. Doch die Technik ist murks.

Weil die Anlage in die Jahre gekommen ist und sich die Störungen häufen, wird sie seit Wochen repariert. Soweit der Plan. Doch jetzt kam in der Nacht der Regen. Und jetzt heißt es: "Die gestrigen Regenmassen haben auch die Inbetriebnahme der Beeinflussungsanlage Heerstraße in Frage gestellt. Kabelarbeiten verzögern sich. Aktuell kann kein Termin genannt werden."

Zur Dimension: Die Heerstraße ist die wichtigste Ausfallstraße im Westen von Berlin - und chronisch am Limit. Fünf Fahrspuren hat sie, und die in der Mitte ist variabel. Normalerweise sollen die Displays über der Heerstraße dem Berufsverkehr helfen und die dritte Fahrspur freigeben, wenn sie benötigt wird, also: morgens drei Spuren stadteinwärts, abends drei Spuren stadtauswärts. Macht sie aber nicht.

Folge: Stau, in dem jeden Tag zehntausende Leute stecken – auch die in den aufgeheizten BVG-Bussen, die dort lang müssen. Es ist eine Qual (und der Radweg keine Alternative, der ist eng, rumpelig und verzögert sich ebenfalls um Monat, wie die Leserschaft des Spandau-Newsletters als erste erfahren hat).

Eigentlich hätte die Baustelle, die jetzt abgesoffen ist, bereits am 7. Juni fertig sein sollen; doch schon der Termin wurde gerissen. Autofahrer und BVG-Fahrgäste schimpfen: "Ich brauche 30 Minuten länger, wenn morgens nur zwei statt drei Spuren freigegeben sind."

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„Fernsehturm? Funkturm? Brandenburger Tor? Das eigentliche Wahrzeichen Berlins ist die ‚Beeinflussungsanlage Heerstraße'“, wird bereits drüben bei Twitter gescherzt.

Und als wir im Frühsommer für den Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel im Büro von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) nachfragten, hörten wir: „Ist leider kompliziert“ – „Viele unterschiedliche Stellen involviert“ – „… jetzt war zwei Wochen Ruhe“.

Allerdings: Im Herbst 2018 hieß es im Herbst zur Begründung: „Stromausfall“ – „Kabelstörung“ – „Datenprobleme“ – „Ausfall fast aller Portale nach Stromausfall …“ Das erfuhr Paul Fresdorf, FDP, wiederum drüben im Abgeordnetenhaus - hier die Meldung.

Wir haben die Wartezeit im Stau mal für einen Blick ins Tagesspiegel-Archiv genutzt. Hier die Meldung neulich aus dem Spandau-Newsletter: Die Anlage gibt es seit September 1970, eröffnet wurde sie von Bausenator Rolf Schwedler, SPD. Die 15 Brücken mit den dynamischen Anzeigetafeln waren ein Forschungsprojekt des Verkehrsministeriums in Bonn.

Die Anlage wurde 1970 aufgestellt

Es waren offenbar abenteuerliche Zeiten, wie man im Tagesspiegel lesen kann. Für den Spandau-Newsletter haben wir weiter im Archiv geblättert: Fußgängerampeln über die Heerstraße wurden erst 1969 (!) aufgestellt. Tolle Idee, denn: Auf der Heerstraße galt damals Tempo 70 und selbst auf der parallel verlaufenden, kleinen Heerstraße Tempo 50. Autofahrer hat man damals offenbar für ziemlich doof gehalten, anders ist die Betriebsanleitung im Tagesspiegel nicht zu verstehen: „Rotes Kreuz über der Straße bedeutet: gesperrt; grüner Pfeil heißt: Sie dürfen fahren.“

Allerdings hieß es 1971 nach ersten Erfahrungen: „Die Fülle von Schildern und Lichtsignalen bei Tempo 70 können vom Kraftfahrer nicht überblickt und in richtiges Fahrverhalten umgesetzt werden.“ Bei Heimspielen von Hertha BSC war übrigens geplant, im Verhältnis 4:1 fahren zu lassen – heißt: Vier Fahrspuren in die Stadt und nur eine nach Spandau. Es blieb bei dieser wilden Idee.

Fortsetzung folgt im Spandau-Newsletter, versprochen.

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