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Brennpunktschule in Berlin-Schöneberg : Spreewald-Schule bekommt doch einen Wachschutz spendiert

Überraschende Wende: Das Bezirksamt gibt nach und will den Sicherheitsdienst an der Schöneberger Spreewald-Schule nun doch bezahlen. Vorausgegangen waren neue Übergriffe.

Das Grundstück der Spreewald-Schule ist dicht bewachsen und nur durch einen niedrigen Zaun geschützt.
Das Grundstück der Spreewald-Schule ist dicht bewachsen und nur durch einen niedrigen Zaun geschützt.Foto: Susanne Vieth-Entus

Nach den neuerlichen Gewaltvorfällen im Umfeld der Berliner Spreewald-Schule hat das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg am Dienstag beschlossen, einen Wachschutz an der Grundschule zu finanzieren. Dies teilte Bildungsstadtrat Oliver Schworck (SPD) am Dienstagabend im Schulausschuss mit. Der Wachschutz solle an diesem Mittwoch seinen Dienst antreten und bis zu den Sommerferien bleiben. Der Einsatz ist werktags bis 18 Uhr beauftragt.

Von einer „vernünftigen Entscheidung“, sprach die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Martina Zander-Rade. Der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion in der BVV, Juso-Chef Kevin Kühnert, kündigte gegenüber dem Tagesspiegel an, dass die Situation der Schule im nächsten Schulausschuss am 3. Juli ausführlich behandelt werden solle. Sie sei „froh, dass wir in den letzten Wochen vor den Ferien ruhig arbeiten können“, sagte Schulleiterin Doris Unzeitig.

Der Bezirk wollte zunächst nicht zahlen

Wie berichtet, hatte die Schulkonferenz der Schule im Winter entschieden, dass ein Wachschutz nötig. Vorausgegangen waren Probleme mit Schulfremden, aber auch mit Eltern, die handgreiflich wurde. Die Situation hatte sich so zugespitzt, dass die Schule sogar bereit war, die Sicherheitsleute mit eigenem Geld aus dem Brennpunktprogramm zu finanzieren, was sie allerdings nicht durfte, weshalb der Wachschutz nur im März und April da war. Anders als Neukölln und - in einem Einzelfall auch Spandau - war Tempelhof-Schöneberg nicht bereit, den Wachschutz aus eigenen Bezirksmitteln zu bezahlen, so dass die Schule seit Anfang Mai wieder ungeschützt war.

Zugewachsen: Die Spreewald-Schule - hier die Turnhalle mit der gesperrten Hortetage - befindet sich auf unübersichtlichem Gelände.
Zugewachsen: Die Spreewald-Schule - hier die Turnhalle mit der gesperrten Hortetage - befindet sich auf unübersichtlichem Gelände.Foto: Susanne Vieth-Entus

Mitte Mai ereignete sich dann ein Vorfall mit einem Exhibitionisten: Er entblößte sich vor einer Mitarbeiterin der Schule nur zwei Meter neben dem - niedrigen - Zaun der Schule: Entlang der Gleditschstraße ist das Schulgrundstück teilweise zugewuchert und völlig unübersichtlich. Ähnlich stellt sich die Lage auf dem Schulgelände hinter Turnhalle und Mensa dar: Hier gab es einst eine attraktive Außenanlage mit Holztreppen, die nicht nur als Fluchtweg vorgesehen war, sondern bis heute von nächtlichen Besuchern frequentiert wird.

Die Holzstufen sind so marode, dass sie nicht mehr als Fluchtweg taugen, so dass die Mensa nicht genutzt werden darf: Die Schüler essen schon seit 2017 provisorisch im Hauptgebäude.

Ein Bauzaun als provisorischer Schutz

Nun soll es aber voran gehen. "Wir wollen der Schule so schnell es geht helfen", betonte Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) gegenüber dem Tagesspiegel. Zunächst werde jetzt der Rettungsweg über dem Dach der Turnhalle zu Ende gebaut. Das soll Ende August abgeschlossen sein. Der Bauzaun zur Errichtung dieses Rettungsweges soll so um das Grundstück gezogen und verschraubt werden, dass er übergangsweise als provisorischer Schutz dient, bis anschließend der innenliegende neue Zaun gezogen werden kann, erläuterte Oltmann.

Die Verzögerungen bei der Sanierung der Anlage haben mehrere Gründe: Zunächst die jahrelangen Sparhaushalte, dann die verschiedenen Zuständigkeiten - Grünflächen-, Bau- und Schulamt -, dazu die besonderen Probleme, die mit der anspruchsvollen Konstruktion des Turnhallen- und Mensagebäudes sowie der Außenanlagen zu tun haben.

"Die Schule ist gestraft durch eine Verkettung von Problemen", sagte der SPD-Verordnete Kühnert. Die Sommerpause müsse genutzt werden, um bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Der jetzige Zustand sei "so nicht haltbar", hatte er am Montag auf Anfrage gesagt. Am Dienstag dann gab es den Beschluss im Bezirksamt.

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