Corona-Regeln in Berlin gelockert : Kontrolle ist gut, Vertrauen tut besser

Endlich sind wieder mehr Kontakte erlaubt, und sogar Schulen und Gaststätten haben bald wieder geöffnet – wie geht es nun im Alltag weiter? Ein Kommentar.

Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einer Pressekonferenz, 6.5.2020
Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einer Pressekonferenz, 6.5.2020Foto: Michael Sohn/AFP

Wird jetzt jeder Tag wieder alltäglicher? Auf jeden Fall macht sich das Land nach dem Lockdown und dem Locke-down beim Friseur erneut ein wenig lockerer – ohne dass sich jetzt alle flockig vor Freude um die Hälse fallen könnten. Denn die Gefahr eines unsichtbaren Virus auf Kontaktsuche bleibt, gerade in einer dichten Stadt wie Berlin, in der die Parks und Bürgersteige (und manche Bürger in der Frühlingssonne) schnell zu voll werden. 

Bald immerhin darf man sich auch mit Personen eines weiteren Haushalts auf einer Caféterrasse treffen (in Bayern gilt: Kännchen erstmal nur draußen) oder zu einem Berliner Fußpils verabreden – in Sachsen-Anhalt könnte man sogar mit fünf Begleitern unterwegs sein; aber so viele muss man da erst mal auftreiben. 

Freigelände eines Restaurants am Walter-Benjamin-Platz
Freigelände eines Restaurants am Walter-Benjamin-PlatzFoto: Promo

Die Prüfung für alle wird nun, trotz gelockerter Regeln und gelösterer Stimmung, nicht in die Laune zu geraten, die weiter gültigen Abstands- und Anstandsregeln zu vergessen. Damit wir wenigstens unsere neue Alltäglichkeit nicht bald schon wieder vergessen können.

Und hier zum Auswendiglernen noch einmal die von der Bundesregierung und den Bundesländern in föderaler Flickenvielfalt beschlossenen und vom Berliner Senat für die Hauptstadt präzisierten Regeln:

– Kontakte: Treffen eines Hausstandes mit einem anderen sind drinnen und draußen erlaubt, ebenso der Besuch von Angehörigen in Pflege- und Altersheimen durch jeweils eine Person. Weitere persönliche Kontakte sind bis zum 5. Juni untersagt – außer in der Fußball-Bundesliga.

– Kinder: Bis Ende Mai sollen alle Schülerinnen und Schüler wieder Unterricht erhalten, allerdings in kleineren Klassen und nur in den wichtigsten Fächern. Ab kommenden Montag starten in Berlin die ersten, fünften und siebten Klassen wieder. Auch die Kita-Betreuung soll weiter erweitert werden; wie genau, wollen die Erwachsenen noch bereden.

– Konsum: Sämtliche Geschäfte dürfen, Mundschutz und Hygiene vorausgesetzt, ab Sonnabend wieder öffnen; Kosmetikstudios ab nächsten Montag. Ob die Kunden dafür offen sind, muss sich zeigen.

– Speisen: In Berlin und Brandenburg öffnen Restaurants und Kneipen ab nächsten Freitag, den 15. Mai, zunächst nur bis 22 Uhr. Die Anzahl der Tische ist begrenzt, ebenso die Anzahl der Stühle an den Tischen. Bars und Diskotheken haben weiterhin Sperrstunde, obwohl die Grünen den anderen am Senatstisch gern schon einen Aperitif eingeschenkt hätten. Und obwohl in manchen Berliner Clubs sowieso immer Maskenpflicht herrscht.

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– Sightseeing: Ab 25. Mai dürfen Hotels wieder öffnen, jedoch ohne böses Erwachen am Frühstücksbuffet. Auch Stadtrundfahrten sind wieder erlaubt, mit Bus, Schiff oder – wie bisher – mit dem Rad. Ab 15. Mai darf man in Brandenburg campen. Zelte für Zirkusse bleiben aber verboten. Auch Theater, Opern und Konzerthäuser schließen bis Ende Juli eisern den Vorhang.

– Sport: Vereine dürfen ab 15. Mai wieder im Freien trainieren – in kleinen Gruppen und kontaktlos, aber immerhin mit Ball. Freibäder könnten auch bald wieder öffnen, über deren Rettung berät der Senat am heutigen Donnerstag. Vielleicht fällt also der Sommer nicht ganz ins Wasser.

Damit uns nach der Badesaison nicht das Virus mit der zweiten Welle erwischt (Forschungen dazu hier), wurde in die Lockerungen ein Wellenbrecher eingebaut: eine Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche. Derzeit liegt die abflachende Kurve der Neuinfektionen in Deutschland beim Wert 9,1 – in Berlin bei 9,8.

Fünfe grade sein sollte jetzt keiner lassen; erst recht nicht die Kontrolleure in den Kreisen und Kiezen, die im Zweifel lokale Lockdowns anordnen müssten. Es kommentiert die Vorsitzende der Föderalismus-Kommission Angela Merkel: „Wenn wir dieses Vertrauen nicht mehr haben, dass Landräte, Bürgermeister, Gesundheitsämter gut arbeiten, dann können wir einpacken.“ Kontrolle ist gut, Vertrauen tut besser.
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