Coronavirus und Flugscham : Passagierzahlen der Berliner Flughäfen brechen ein

Auf den Berliner Flughäfen wurden im Februar zehn Prozent weniger Passagier gezählt. Im Januar lag das Minus bei sieben Prozent.

Der Andrang an den Flughäfen, wie etwa Tegel, machte sich mitunter auch bei den Wartezeiten bemerkbar.
Der Andrang an den Flughäfen, wie etwa Tegel, machte sich mitunter auch bei den Wartezeiten bemerkbar.Foto: imago images / A. Friedrichs

Nach dem Rekord des Jahres 2019 geht es in Tegel und Schönefeld bergab. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres sank die Zahl der Passagiere im Vergleich zu 2019 deutlich um 8,6 Prozent. Statt knapp fünf Millionen waren es in den beiden Monaten nur noch 4,5 Millionen Passagiere.

In Tegel lag der Rückgang moderat bei sieben Prozent, in Schönefeld bei deutlichen 11,6 Prozent. Für den Januar hatte die Flughafengesellschaft den Rückgang noch als „erwartet“ eingestuft: „Nach dem noch hohen Wachstum im Jahr 2019 kommt für uns der Rückgang der Passagierzahlen in Tegel und Schönefeld nicht überraschend“, hatte Engelbert Lütke Daldrup mitgeteilt und „weltweit verschlechterte Konjunkturaussichten in der Luftfahrtbranche und eine gestiegenen Kostendruck bei den Airlines“ genannt.

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Dann kam der Februar, und mit ihm das Coronavirus. Der Stopp von Chinaflügen und die Absage der ITB habe sich in den letzten Tagen des Monats zusätzlich bemerkbar gemacht, hieß es. Lütke Daldrup ist für die nächste Zeit pessimistisch: „Ausgefallene Großveranstaltungen wie die ITB, aber auch Streichungen von Flügen werden die Entwicklung in den kommenden Wochen und Monaten beeinflussen.“

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Für das Jahr 2019 hatten die beiden Berliner Flughäfen einen absoluten Passagierrekord verzeichnet: In Schönefeld und Tegel wurden 35,6 Millionen Passagiere abgefertigt, 2,6 Prozent mehr als 2018. Am Ende der Sommerferien dieses Rekordjahres hatte der Flughafenchef noch gesagt, dass von „Flugscham“ wegen des Klimawandels nichts zu spüren sei.

Studie nennt Flugscham als Ursache

Am Mittwoch hat der Tüv eine Mobilitäts-Studie veröffentlicht, die sehr wohl eine Flugscham erkennt. Von 1000 befragten Deutschen gaben 17 Prozent an, aus Umweltgründen bereits auf mindestens einen Flug bewusst verzichtet zu haben.

13 Prozent verzichteten auf einen Flug, vier Prozent sogar auf mehrere. 27 Prozent gaben an, weiter zu fliegen wie gehabt, 45 Prozent fliegen angeblich nie.

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Vor einer Woche hatte der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) eine Mitteilung über eine Geschäftsreisen-Studie so überschrieben: "Deutlicher 'Greta-Effekt' bei Reisenden spürbar". Demnach setzen deutsche Unternehmen bei der Organisation ihrer Geschäftsreisen zunehmend auf klimafreundliche Verkehrsmittel und nachhaltige Mobilitätskonzepte. 64 Prozent der befragten großen Unternehmen wollen die Zahl ihrer Flüge reduzieren. Als Ersatz werden zum Beispiel Videokonferenzen genannt.

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Der Begriff "Flugscham" kam mit Greta Thunberg aus Schweden nach Deutschland. Er soll das Unwohlsein über eine schlechte persönliche CO2-Bilanz ausdrücken.

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