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Deutsche Bahn will Grundstück räumen : Besetzer in Berlin-Marzahn fordern Verhandlungen

Eine Wagengruppe hat ein Grundstück der Deutschen Bahn besetzt. Diese will das Gelände räumen lassen. Auch Die Linke fordert Verhandlungen und eine Duldung.

Besetzer haben auf dem Betriebsgelände der Deutschen Bahn Zur Börse 1 eine Wagenburg errichtet, die geräumt werden soll.
Besetzer haben auf dem Betriebsgelände der Deutschen Bahn Zur Börse 1 eine Wagenburg errichtet, die geräumt werden soll.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Besetzer haben den Eingang zum Gelände mit Stacheldraht und Brettern verbarrikadiert. Seit Freitag hat die Wagengruppe "DieseA_2.0" ein Betriebsgelände der Deutschen Bahn, Adresse Zur Alten Börse 1, Berlin-Marzahn, besetzt. Der Presse wird der Zugang verweigert, das habe man kollektiv beschlossen. Wie viele Leute und Wagen auf dem Gebiet sind, ist daher unklar. Die Besetzer und auch die Bahn sprechen von rund 40 Personen.

Die Deutsche Bahn hatte die Besetzer aufgefordert, den Platz bis Donnerstag um 12 Uhr zu räumen. "Wir werden nicht gehen", sagt Paula, die Pressesprecherin der Gruppe. Die Bahn kündigte an, nun von der Polizei räumen zu lassen. Diese war am Donnerstag zum High Noon noch nicht vor Ort. Vereinzelte Sympathisanten der Wagengruppe kamen an den Stadtrand. Auf diversen Kanälen im Internet hatte es Aufrufe gegeben, nach Marzahn zu kommen um die drohende Räumung zu verhindern.

Die Besetzer hoffen auf eine politische Lösung und wünschen sich eine Duldung, könnten sich auch eine Pacht vorstellen. Regina Kittler, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus und Sprecherin für Kultur, schrieb auf Twitter einen Offenen Brief an die Bahn: "Ich forderte Sie auf, die Androhung einer Räumung an die Wagenburggruppe DieselA zurückzunehmen und statt dessen Verhandlungen aufzunehmen." Das Gelände unter einem Strommasten liege seit den 70er Jahren brach und es sei keine vorgesehene Nutzung bekannt. Die Bahn sagte, das Gelände wird teilweise als Baustellen-Einrichtungsfläche für die Errichtung eines elektronischen Stellwerks genutzt. Darüber hinaus sei man jederzeit zugänglich für Nutzungsüberlegungen der Bahn-Grundstücke - "sicherlich aber nicht im Rahmen einer rechtswidrigen Besetzung."

Kaum noch freie Plätze für alternatives Leben

"Wagenplätze sind Teil von Berlin", sagen die Besetzer. Es sei ja auch so, dass die Stadt Berlin mit alternativen Plätzen und Projekten für sich werbe - allerdings nicht ausreichend Platz in der Stadt anbiete für Leute, die dieses Leben führen wollen. Es sei schon krass, dass solche Standorte in einen Außenbezirk gedrängt würden - in der Innenstadt gebe es kaum noch freie Räume. Teile der Gruppe hatten zuvor auch ein Gelände an der Rummelsburger Bucht Nahe Ostkreuz besetzt - und sind immer noch dort. Die dortige Besetzung richtete sich konkret gegen die Bebauungspläne - an der Rummelsburger Bucht soll "Coral World" entstehen, eine Touristenattraktion.

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Die Aktion in Marzahn sei natürlich auch politisch, aber hier wolle man tatsächlich bleiben, denn auf dem Gebiet sei ja sonst nichts weiter geplant. Anwohner scheinen sich durch die neuen Nachbarn kaum bedrängt zu fühlen. Nur eine Frau sagt, sie habe etwas Angst. Sie wisse ja nicht, wer dort hause. Ihr Mann winkt ab: "Ach, die machen ja nichts. Wenn die nichts besseres zu tun haben, mir ist das egal."

Die Bahn blieb auf Nachfrage zunächst strickt: "Das ist unser Gelände und wir möchten, dass das so bleibt", sagte die Pressestelle. Man werde noch am Donnerstag eine Strafanzeige stellen.

Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter für das Land Berlin, bat Politiker in einem Schreiben darum, ihren Einfluss geltend zu machen, dass das Gelände freiwillig geräumt werde. "Ich hoffe auf Ihr Verständnis, dass die beliebige Besetzung von Bahngrundstücken für uns kein hinnehmbarer Zustand sein kann, egal welche Gründe dafür angeführt werden."

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