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Die U5 wird zur „Museumslinie“ : U-Bahn-Verlängerung soll Tourismus im Osten der Stadt ankurbeln

Mit der neuen Linie vom Hauptbahnhof will der Senat mehr Touristen nach Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf locken. „Visit Berlin“ erstellt dafür ein Konzept.

Soll zum Motor für die touristische Entwicklung im Osten werden: die neue U5.
Soll zum Motor für die touristische Entwicklung im Osten werden: die neue U5.Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin kennt viele prägende U-Bahnlinien: Allen voran natürlich die vom Grips-Theater besungene „Linie 1“, die von Ruhleben bis zum Schlesischen Tor fuhr. Wegen Bauarbeiten erlebt sie derzeit als Linie 12 ein kurzes Comeback. Seit der Wende ist auch die U8 berühmt-berüchtigt – als Party-Express zwischen Mitte, Kreuzberg und Neukölln sowie als Anlaufstelle für Dealer und Junkies. Doch wenn es nach dem Senat geht, wird zukünftig in der ganzen Welt die U5 prototypisch für Berlin stehen.

Nach der Verlängerung zum Hauptbahnhof will der Senat die Linie als Paradebeispiel für die Berliner Vielfalt präsentieren. Bis Ende des Jahres soll die städtische Marketingagentur „Visit Berlin“ dafür ein Konzept entwickeln. Die U5 soll damit zum Motor für mehr Tourismus am östlichen Stadtrand werden.

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Das zeigt die Antwort der Kulturverwaltung auf eine Anfrage des Biesdorfer Abgeordneten Stefan Ziller (Grüne), die dem Tagesspiegel vorliegt. „Entlang der U5 – Schnell Mittendrin – 4 Bezirke von unverwechselbar historisch über hip nach facettenreich zu grün“ lautet der sperrige Arbeitstitel. Ziller formuliert es prägnanter. Für ihn wird die U5 fortan zur „Museumslinie“.


Ende 2020 sollen hier die Züge rollen: Der zukünftige U-Bahnhof Rotes Rathaus bei einer Baustellenbesichtigung im August 2019.
Ende 2020 sollen hier die Züge rollen: Der zukünftige U-Bahnhof Rotes Rathaus bei einer Baustellenbesichtigung im August 2019.Foto: Carsten Koall/dpa

Die U-Bahn verbindet auf ihrem Weg vom Hauptbahnhof bis nach Brandenburg zukünftig ganz unterschiedliche Quartiere. Ab Ende 2020 liegen auf der Linie das Brandenburger Tor und das Regierungsviertel, Berlins historisches Zentrum mit Stadtschloss und Museumsinsel, das urbane Friedrichshain und Lichtenberg, das mit der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Normannenstraße für zeitgeschichtlich interessierte Touristen eine wichtige Destination ist.

Die U5 hält zudem vor dem Tierpark Berlin und den Gärten der Welt in Marzahn und bietet sich somit für Ausflüge ins Grüne an.

Zusammen mit den anliegenden Bezirken soll „Visit Berlin“ die touristischen Highlights entlang der Route bald als Gesamtpaket vermarkten. Dafür gibt es Fördermittel von der Wirtschaftsverwaltung des Senats. Ende dieses Jahres – und damit pünktlich zur Eröffnung der Strecke – sollen Besucher Online- und Offline-Angebote finden.

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Zielgruppe sind laut Senat „New Urban Tourists“, die Berlin abseits der touristischen Hot-Spots erleben wollen. Die dafür nötigen „Geheimtipps“ will in den sozialen Medien ironischerweise nun ausgerechnet „Visit Berlin“ geben.

Von den „Insidertipps“ sollen aber auch die Berliner profitieren. Die Stadtbevölkerung suche häufig ebenfalls Orte des „New Urban Tourism“ auf, heißt es in der Antwort von Kultur-Staatssekretär Torsten Wöhlert (Linke).

Touristisches Highlight auf der Route: Die ehemalige Stasi-Zentrale in Lichtenberg
Touristisches Highlight auf der Route: Die ehemalige Stasi-Zentrale in LichtenbergFoto: Kitty Kleist-Heinrich

Mit der neuen Kampagne möchte der Senat auch das neue „Tourismuskonzept 2018+“ umsetzen. Es sieht vor, Touristen zukünftig verstärkt an den Stadtrand zu locken, um die Kieze in der Innenstadt zu entlasten.

Profitieren sollen insbesondere Kultureinrichtungen in den Außenbezirken. In der U5-Kampagne könnten etwa das „Theater an der Parkaue“ in Lichtenberg und das Kulturforum Hellersdorf beworben werden, schreibt Wöhlert.

Der Senat sieht in der U-Bahn-Verlängerung aber auch einen Nutzen für die Tourismuswirtschaft – traditionell eine der wichtigsten Branchen in Berlin.

In Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf tun sich Hotels und Gaststätten jedoch häufig eher schwer. Hier könnte eine direkte Verbindung zu den Hauptattraktionen in der Innenstadt für einen Aufschwung sorgen.

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