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Entscheidung gefallen : Berliner Flughafen Tegel bleibt trotz Coronakrise geöffnet

Nur noch 2500 Passagiere werden in Tegel und Schönefeld täglich abgefertigt. Trotzdem soll der City-Airport geöffnet bleiben. Das liegt offenbar am Bund.

Tegel airport is not fully closed, however, it does look like it was.
Tegel airport is not fully closed, however, it does look like it was.Foto: Paul Zinken/dpa


Der Flughafen Tegel bleibt weiter geöffnet, obwohl dort wegen der Corona-Pandemie kaum noch Flugzeuge starten oder landen. Nach Tagesspiegel-Informationen haben sich Berlin, Brandenburg und der Bund als Eigentümer der Flughafengesellschaft (FBB) geeinigt, dass der Berliner City-Airport doch nicht vorüberziehend für zwei Monate stillgelegt und der aktuell minimale Flugverkehr allein in Schönefeld abgewickelt wird.

Tegel ist zum Geisterflughafen geworden. Kaum ein Flieger hebt ab, oder landet, gähnende Leere im Terminal. Mit der Corona-Epidemie ist der Flugverkehr auch in der Hauptstadtregion Deutschlands, in Tegel und am alten Airport in Schönefeld, weitgehend zusammengebrochen. Am Sonntag wurden an beiden Berliner Airports zusammen nur 2500 Passagiere abgefertigt. Sonst sind es allein in Tegel an einem Tag zwischen 55 000 und 75 000 Fluggäste.

In Paris wird einer der beiden Flughäfen geschlossen

Trotzdem wird der Berliner City-Airport auch nicht vorübergehend für zwei Monate stillgelegt, bleiben in der Hauptstadtregion Deutschlands beide Flughäfen die nächsten Wochen in Betrieb, während etwa in Paris einer der beiden Airports zum 1.April geschlossen wird. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, der mit der temporären Stilllegung für zwei Monate einige Millionen Euro sparen wollte, ist damit bei den Eignern der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes abgeblitzt.

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Das Thema sei erst einmal vertagt, bis Ende April, hieß am Sonntag aus FBB-Gesellschafterkreisen. Dann werde man erneut beraten. Auf der FBB-Gesellschafterversammlung, die am Montag tagt, steht das Thema nun doch nicht auf der Tagesordnung. Allein in Tegel falle auch ohne Flugbetrieb jeden Monat Fixkosten von rund sieben Millionen Euro an. Mit der temporären Stilllegung und der Abwicklung des minimalen Restflugverkehrs in Schönefeld hatte Lütke Daldrup, um kein Geld zu verbrennen, die Tegel-Stillstandskosten auf 1,5 Millionen Euro pro Monat drücken wollen. Bei einer zeitweisen Befreiung von der „Betriebspflicht“ hätten beispielsweise rund 100 Feuerwehrleute der Tegel-Betriebsfeuerwehr anderweitig eingesetzt werden können.

"Kritische Infrastruktur" nicht vom Betrieb nehmen

Doch vor allem der Bund war strikt dagegen, in Krisenzeiten „kritische Infrastruktur“ Deutschlands selbst zeitweise außer Betrieb zu nehmen und den Regierungsflughafen von Tegel nach Schönefeld zu verlagern, obwohl dort ein neues Terminal bereitsteht. Auch Brandenburg hatte Bedenken, Berlin war dafür. Doch einig waren sich die drei öffentlichen Eigentümer, dass ein solcher Schritt, wenn überhaupt, ohnehin nur einvernehmlich möglich gewesen wäre und Berlin, Brandenburg und der Bund sich keine Konfrontation leisten sollten.

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Mit der Entscheidung der Gesellschafter, Lütke Daldrup zu bremsen, wird das Defizit in den Kassen der schon wegen der Baustelle des neuen BER-Hauptstadtairports tiefrote Zahlen Unternehmens allerdings noch größer. Nach Tagesspiegel-Informationen kalkuliert die FBB intern wegen der dramatischen Einbrüche in den Kassen inzwischen nötige Nothilfen der Eigentümer von 100 bis 300 Millionen Euro ein, wobei die Worst-Case-Summe neun Monaten ohne den früher üblichen Flugbetrieb entspräche. Die Flughafengesellschaft stellt sich also darauf ein, dass es länger dauern wird, bis wieder an frühere Zahlen angeknüpft werden kann. 2019 hatte die FBB 35 Millionen Passagiere abgefertigt. In diesen Tagen sind es etwa fünf Prozent des damaligen Niveaus.

Der SPD-Politiker Daniel Buchholz, Sprecher für Stadtentwicklung der SPD-Fraktion und stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsausschusses, hatte dafür geworben, den Flughafen TXL schnell zu schließen, weil dort in der Corona-Krise eh kaum einer fliegt: Dem Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel hatte er gesagt - "Kräfte in Schönefeld bündeln, Geld sparen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Tegel zu schließen."

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