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Stefan Evers beim Neujahrsempfang im Verlagshaus des Tagesspiegels.

© Marie Staggat für den Tagesspiegel

Neujahrsempfang des Tagesspiegels: Finanzsenator Evers muss für Kai Wegner einspringen

Sehr kurzfristig sagte der Regierende Bürgermeister seine Rede beim Tagesspiegel-Neujahrsempfang ab. Sein Stellvertreter verteidigte das Krisenmanagement des Senats. Und indirekt auch Wegners Tennismatch.

Stand:

Berlins Finanzsenator Stefan Evers hat den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (beide CDU) in der Debatte um dessen Tennismatch während des Stromausfalls in Schutz genommen. „So viel Spaß es medial machen kann, in Tagesabläufe zu schauen und sich mit sportlichen Aktivitäten zu beschäftigen, sehe ich bei den Menschen doch eine Sehnsucht, sich auf das Wesentliche zu beschränken“, sagte er am Dienstagabend beim Neujahrsempfang des Tagesspiegels.

„Wenn wir immer nur deutlich machen, was uns an Politik stört, wird das dazu führen, dass die Menschen sich davon abwenden“, fuhr Evers fort. Der Finanzsenator hielt das Grußwort auf dem Empfang in Vertretung von Wegner, der seine Teilnahme sehr kurzfristig abgesagt hatte.

In ernstem Ton schwor der Finanzsenator die Berliner auf die neue Gefährdungslage ein, die der extremistische Anschlag auf das Stromnetz und der folgende mehrtägige Blackout offenbart hätten. „Diese Zeit ist eine, in der die Weltordnung, wie wir sie kennen, zerbricht.“ Berlin werde als Hauptstadt auch weiterhin besonders im Fokus stehen, wenn es darum gehe, Deutschland als wichtigstes Mitgliedsland der EU zu destabilisieren.

Giffey, Evers, Myrrhe
Sehen keinen Grund für schlechte Stimmung: Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) und Finanzsenator Stefan Evers (CDU) im Gespräch mit der stellvertretenden Chefredakteurin Anke Myrrhe.

© Marie Staggat für den Tagesspiegel

Das Krisenmanagement der Behörden und des Senats verteidigte Evers. Trotzdem müsse man Lehren aus der Krise ziehen. „Wir wollen so gut wie möglich vorbereitet sein.“ Der CDU-Politiker äußerte die Hoffnung, dass aus dieser Berliner Krise „alle gestärkt hervorgehen“ werden.

Evers und Giffey pochen auf Harmonie

Evers gab sich zum Abschluss seiner Rede betont optimistisch: „Lasst uns wieder an das Verbindende glauben“, erklärte er. „Ich bin überzeugt, das Jahr 2026 wird ein gutes Jahr, wenn wir uns auf das Wesentliche konzentrieren.“

„Das Wesentliche im Journalismus ist, genau hinzuschauen und Dinge aufzudecken, von denen andere nicht wollen, dass sie öffentlich werden“, gab Anke Myrrhe, stellvertretende Chefredakteurin, beim Schlagabtausch mit dem Finanzsenator mit Blick auf die Äußerungen Wegners rund um sein Tennismatch zu bedenken. „Und es ist auch wesentlich für Politiker, die Wahrheit zu sagen.“

Publikum bei Rede
Volles Haus am Askanischen Platz: Mehrere hundert Gäste sind zum Neujahrsemfpang des Tagesspiegels gekommen.

© Marie Staggat für den Tagesspiegel

Die zuletzt in den Fokus geratenen Streitigkeiten um das Krisenmanagement innerhalb des Senats spielte Evers herunter. „Ich habe in der Senatssitzung nicht erlebt, dass hier gegeneinander gearbeitet wird.“ Auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sah keinen Anlass, die Koalition vor der Wahl im Herbst infrage zu stellen: „Was zählt, ist, was wir hinkriegen“, erklärte sie, als sie spontan auf die Bühne gerufen wurde. „Die Regierung wird in dieser Konstellation noch bis Dezember arbeiten, weil das so lange dauern wird, bis eine neue steht.“ Am 20. September wählen die Berlinerinnen und Berliner ein neues Abgeordnetenhaus.

Fast der gesamte Senat war da

Mehrere Hundert Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur waren am Dienstagabend zum Neujahrsempfang ins Verlagshaus des Tagesspiegels gekommen. „Das Jahr ist journalistisch mit Volldampf gestartet“, hatte Tagesspiegel-Chefredakteur Christian Tretbar zu Beginn erklärt.

Die Stadt stehe vor wichtigen Richtungsentscheidungen. „Es wird ein Wahlkampf, wie wir ihn vielleicht zuletzt in New York erlebt haben, in dem ganz interessante Lager gegeneinander kämpfen.“ Co-Geschäftsführer Stefan Buhr gab einen Ausblick auf das kommende Jahr. „Wir sind stolz darauf, die Nummer eins in Berlin zu sein. Wir wollen 2026 weiter wachsen.“

Tretbar, Maroldt, Myrrhe, Bonde
Geschäftsführer Nicolas Köhn, stellvertretende Chefredakteurin Anke Myrrhe, Chefredakteur Christian Tretbar und Herausgebar Lorenz Maroldt, nehmen Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) in die Mitte.

© Marie Staggat für den Tagesspiegel

Der Berliner Senat war am Abend gut vertreten: Neben Finanzsenator Evers waren auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler, Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (beide SPD), Verkehrssenatorin Ute Bonde, Justizsenatorin Felor Badenberg (beide CDU) und Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) anwesend.

Politikprominenz aus Brandenburg war mit Innenminister René Wilke (SPD) und Finanzminister Robert Crumbach (parteilos, ehemals BSW) vertreten. Unter die Gäste mischten sich auch Mario Tobias, Vorstandsvorsitzender der Messe Berlin, Ex-DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta und Berlins Zoo-Chef Andreas Knieriem.

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