Franck Ribéry und Esskultur : Berliner Hotel Adlon serviert Currywurst mit Blattgold

Blattgold schmeckt – auf Desserts oder zu Currywurst. Und es ist billiger als Ribérys Steak in Dubai. In der Spitzenküche wird es variantenreich eingesetzt.

Für Genießer. Currywurst gibt's jetzt auch mit echtem Gold.
Für Genießer. Currywurst gibt's jetzt auch mit echtem Gold.Foto: Getty Images/iStockphoto

100 Blatt reines Gold, sieben mal sieben Zentimeter, kosten gegenwärtig bei Amazon 13 Euro, Lieferung gern zum nächsten Tag. Diese Menge dürfte ausreichen, um ein Rib-Eye-Steak glitzernd zu beschichten – und daraus folgt, dass jeder, der in Dubai für ein solches Steak 1200 Euro zahlt, damit nach allen Regeln der Kunst über den Tisch gezogen wird.

Franck Ribéry allerdings war eingeladen, soweit wir wissen, und möglicherweise hat er dem Wirt durch seine Schimpfkanonade im Netz noch einen schönen PR-Effekt obendrauf beschert. Gold essen in dieser Form – das ist reiner Protz. Die Methode, Gold zu hauchdünnen Blättern auszuwalzen, geht vermutlich auf die alten Ägypter zurück, allerdings war es bei ihnen noch nicht so dünn wie heute, wo ein Gramm Gold etwa einen Quadratmeter Blattgold ergibt.

Das Gold zergeht auf der Zunge

In der Luxusküche wird Blattgold sowieso eher sparsam eingesetzt, weiß Stefan Athmann, der Direktor des Hotels Regent. „Wir verwenden es nur auf Desserts, als besonderen Hingucker.“ Bei den Gästen kommt das aber gut an, weil Gold eben immer noch etwas Besonderes empfunden wird. Die Frage nach der Verträglichkeit kommt eher selten. Das Blattgold als dekorativer Tupfer ist sowieso hauchdünn und zergeht sofort auf der Zunge – und wird unverdaut wieder ausgeschieden.

Eher augenzwinkernd wird Blattgold im Zusammenhang mit der Currywurst eingesetzt. Der alte Spruch „Adlon oblige“ gilt im Hotelrestaurant Quarré für die Currywurst, die dort für 17 Euro mit einem Puder aus Blattgold angeboten wird. Das wisse gerade auch die internationale Klientel sehr zu schätzen, die etwas typisch Berlinisches probieren möchte, sagt die Sprecherin des Hotels, Sabina Held. Hin und wieder werde Blattgold bei Desserts verwendet, aber nicht mehr so viel wie früher.

Glitzereffekte sind Trend

Auch beim Essen sind Glitzereffekte offenbar Modeströmungen unterworfen. Zander-Catering bietet auf verschiedenen Märkten, unter anderem auf dem Kollwitzplatz, Currywurst „mit 22 Karat Blattgold und Schrippe“ an – für fünf Euro. Dort die vergoldete Currywurst auch Bestandteil des „Yuppie-Menüs“ mit Trüffel-Pommes gehören. Letztere dürften unter Gourmets wohl umstrittener sein als das geschmacksneutrale Edelmetall.

Gold hat unter der Nummer E 175 die Zulassung als Lebensmittel-Zusatzstoff. Es schmeckt nach nichts, ist im Mund nicht einmal klar zu spüren, aber es waren auch eher ästhetische als geschmacklichen Gründe, die den italienischen Küchenchef Gualtiero Marchesi zur Schöpfung seines Safran-Risottos mit Blattgold inspirierten.

Um faules Fleisch zu kaschieren

In Venedig soll gar lange vor der Erfindung des Kühlschranks Blattgold dazu verwendet worden sein, beim Festessen faulendes Fleisch zu kaschieren. Dem Verbot dieser vor allem als Verschwendung empfundenen unappetitlichen Verwendung des Goldes soll letztlich sogar die Erfindung der Panade zu verdanken sein.

Eine richtige Mode wurde nie draus, wenngleich ehrgeizige Köche immer mal wieder versuchten, damit optischen Eindruck zu schinden. Der Drei-Sterne-Koch Thomas Bühner erinnert sich an einen weit zurückliegenden James-Bond-Abend, zu dem er Gänseleber mit Blattgold als Goldfinger auftischte. Aktuell bietet beispielsweise die Westerwälder Fischmanufaktur „Vidal“ Räucherlachs mit Blattgoldpuder.

Keine Geheimwissenschaft

Wesentlich unspektakulärer, geradezu normal ist der Einsatz von winzigen Blattgoldstücken bei den Petits fours, die in Gourmet-Restaurants zum Kaffee gereicht werden. Sie bieten dafür immer mal wieder eine gute Spielfläche, der Kontrast von tiefdunkler Schokolade und leuchtendem Gold drängt sich geradezu auf.

Aber auch dies ist alles andere als alchimistische Geheimwissenschaft: Im Internet schafft es jeder mit zwei oder drei Klicks zu Rezepten wie den Schokomuffins mit Blattgold oder den gleichermaßen verzierten Anisplätzchen. Jeder kann es nachkochen, sollte aber lieber darauf verzichten, die Fotos davon an Facebook oder Instagram zu schicken.

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