Gedenkstätte in Berlin : Bundestag rettet Parlament der Bäume

Das Parlament der Bäume erinnert an die Weltkriege, Deutschlands Teilung und die Mauertoten. Nun soll der Erinnerungsort dauerhaft in Landeseigentum übergehen.

Der Künstler und sein Werk. Ben Wagin im " Parlament der Bäume".
Der Künstler und sein Werk. Ben Wagin im " Parlament der Bäume".Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Mit einem  weitreichenden Beschluss hat die Baukommission des Ältestenrates des Bundestages das „Parlament der Bäume“ gesichert. Das Nutzungsrecht für das Gelände neben dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus am Spreebogen läuft Ende 2018 aus. Das Parlament der Bäume mit dem einzig verbliebenen DDR-Mauerresten im Regierungsviertel erinnert an die Weltkriege, die Teilung Deutschlands und die Mauertoten. Die neun Parlamentarier aus allen im Bundestag vertretenen Parteien unter Vorsitz von Wolfgang Kubicki (FDP) waren sich einig, die Gedenkstätte dauerhaft zu erhalten und nicht  als Baulandreserve für die Erweiterungspläne des Bundestages zu reservieren.

In der Beratungsvorlage hatte die Verwaltung des Bundestages noch vorgeschlagen, das Nutzungsrecht lediglich zu verlängern und zugleich eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen, bei der das Parlament der Bäume in die künftigen Bauvorhaben des Bundestags integriert werden soll. Ein solches Vorgehen hat bereits einmal der Gedenkstätte schweren Schaden zugefügt. Bei früheren Bauarbeiten wurden Bäume gefällt und ein Teil des Geländes abgetrennt. Die damals entfernten Mauerteile stehen heute teilweise in Bundestagsbauten.

Künstler Ben Wagin freut sich über "positive Nachricht"

In der Sitzung der Baukommission am späten Mittwochabend änderten die Parlamentarier die Vorlage und „erteilten einen klaren Auftrag an die Bundesgesellschaft für Immobilienaufgaben, in Verhandlungen für eine Grundstücksübertragung an das Land Berlin zu treten“, sagte das Kommissionsmitglied Steffi Lemke (Grüne). Auch der Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki hatte sich im Vorfeld der Sitzung für eine dauerhafte Sicherung der Gedenkstätte ausgesprochen.

Der 89-jährige Künstler Ben Wagin, Der das Gelände im März 1990 sicherte und mit Bäumen bepflanzte, freute sich über die „positive Nachricht“ nach der langen Unsicherheit über die Zukunft des einzigartigen Erinnerungsortes. Zufrieden könne er aber erst sein, wenn das Land Berlin das Grundstück übernommen habe. Erst dies sei für ihn „die umfassende Botschaft, dass das Parlament der Bäume für die nächsten 999 Jahre gesichert ist“.

Denkmalschutz - aber sonst kaum Unterstützung

Der 89-jährige Bildhauer und Maler kümmert sich mit großer Energie um die Pflege und die Erhaltung des Geländes mit den 58 Mauersegmenten, Granitplatten mit den Namen von Maueropfern, Kunstwerken, Gemälden, Texttafeln und den von vielen Internationalen Politikern gepflanzten Bäumen - darunter ein Karree mit 16 Bäumen, die 16 gesamtdeutsche Ministerpräsidenten setzten. Das Land Berlin hat zwar 2017 die Gedenkstätte unter Denkmalschutz gestellt, eine weitergehende Unterstützung gibt es aber nicht.

Nach Einschätzung der Parlamentarier könnten die Verhandlungen mit dem Land Berlin über die Übertragung des Geländes im Frühjahr 2019 beginnen. Nach dem Beschluss der Baukommission muss noch der Ältestenrat zustimmen; diese Zustimmung gilt aber als sicher.

Ben Wagin lädt Unterstützter und Freunde an diesem Freitag, ab 17:00 Uhr, ins „Parlament der Bäume“ neben dem Marie -Elisabeth -Lüders-Haus ein. Anwesend sein wird unter anderem Hermann Treusch, Schauspieler und früherer Intendant der Freien Volksbühne in Berlin.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben