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Geruch zieht bis nach Leipzig und Dresden : Wind droht Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern weiter anzufachen

Mecklenburg-Vorpommern erlebt den größten Waldbrand seiner Geschichte. Das Feuer ist in weiten Teilen Ostdeutschlands zu riechen.

Rauch steigt bei einem großflächigen Waldbrand in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel aus dem Wald auf.
Rauch steigt bei einem großflächigen Waldbrand in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel aus dem Wald auf.Foto: Jens Büttner/dpa

Der Brandgeruch aus Mecklenburg-Vorpommern ist bis nach Berlin wahrnehmbar: Ein Waldbrand bei Lübtheen, das rund 180 Kilometer von Berlin entfernt liegt, ist am Sonntag erneut aufgeflammt. In der Stadt komme es daher zu einer „massiven Geruchsbelästigung“, sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr am Morgen. Von dem Brandgeruch gehe keine Gefahr aus, er sei nicht gesundheitsgefährdend. Dennoch empfiehlt die Feuerwehr den Berlinern, gegebenenfalls die Fenster zu schließen.

Weitere Brandorte, von denen der Geruch stammen könne, waren am Morgen laut einem weiteren Feuerwehrsprecher nicht bekannt.

Damit die Notrufleitungen nicht unnötig blockiert werden, warnt die Feuerwehr auf Twitter: "Wählen Sie den Notruf 112 bitte nicht für Nachfragen. Der Geruch ist lästig, aber nicht gefährlich!"

Dass der Rauch über eine so lange Wegstrecke bis nach Berlin wahrnehmbar ist, hat einen meteorologischen Grund: „Das liegt an der Windrichtung“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam (DWD). „Wir haben einen Nordwestwind gehabt, das treibt die Rauchwolke bis hierher.“ Auch die Größe des Waldbrandes sei dafür entscheidend. Experten zufolge führt eine sogenannte Inversionswetterlage zu der weiten Ausbreitung.

Wegen der Rauchentwicklung waren auch Menschen in Brandenburg und im Norden Sachsen-Anhalts aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten, wie aus einer amtlichen Warnung der Regional-Leitstelle Nord-West über die Notfall-Informations- und Nachrichten-App „NINA“ hervorging.

In Brandenburg waren demnach die Städte Brandenburg an der Havel und Potsdam betroffen, außerdem Bewohner in den Landkreisen Havelland, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark und Prignitz. Im nördlichen Sachsen-Anhalt sollten die Auswirkungen demnach in der Altmark und im Landkreis Stendal spürbar sein.

Der Brandgeruch ist selbst in Sachsen spürbar gewesen. Bei den Feuerwehren in Leipzig und Dresden gingen am Morgen zahlreiche Anrufe von besorgten Bürgern ein. Sie berichteten, dass es stark nach Rauch rieche, aber nirgends brenne, sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle in Leipzig. Auch in Dresden zog der Geruch von Nord nach Süd über die gesamte Stadt. Die Mitarbeiter der Rettungsleitstellen hätten die Anrufer beruhigt.

Behörden vermuten Brandstiftung

Der Waldbrand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Mecklenburg-Vorpommern dehnte sich in der Nacht zum Montag aus und bedroht weitere Dörfer. Am Morgen waren etwa 430 Hektar Wald bei Lübtheen betroffen, wie ein Sprecher der regionalen Einsatzleitstelle im Landkreis Ludwigslust-Parchim sagte. Durch auffrischenden Wind drohten die Brandherde am Nachmittag weiter angefacht zu werden.

Ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim sagte, die "Gefahr ist noch lange nicht gebannt". Die Einsatzkräfte seien auf die Evakuierung von zwei weiteren Ortschaften vorbereitet, auch wenn dies akut noch nicht geplant sei. Bergungspanzer der Bundeswehr schlugen Brandschneisen rund um die bedrohten Ortschaften. Wasserwerfer und Hubschrauber der Landespolizei und der Bundeswehr unterstützten die Brandbekämpfer.Ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim sagte, die "Gefahr ist noch lange nicht gebannt". Die Einsatzkräfte seien auf die Evakuierung von zwei weiteren Ortschaften vorbereitet, auch wenn dies akut noch nicht geplant sei. Bergungspanzer der Bundeswehr schlugen Brandschneisen rund um die bedrohten Ortschaften. Wasserwerfer und Hubschrauber der Landespolizei und der Bundeswehr unterstützten die Brandbekämpfer.

Die anfangs drei Brandherde dehnten sich zu einem durchgehenden langgezogenen Brandteppich mit einer Fläche von rund 430 Hektar aus. Offenbar frass sich das Feuer an vielen Stellen vom Boden in die Baumkronen, wodurch sich noch mehr Hitze entwickelt. Über 400 Feuerwehrleute haben nach Angaben des Landkreises vor allem die Aufgabe, die Dörfer zu schützen. Vier Orte nördlich beziehungsweise südlich des Brandgebietes wurde seit Sonntagabend evakuiert.

Bereits in der Nacht und am Morgen wurden drei Ortschaften, die unmittelbar an den Brandherd grenzen, vorsorglich evakuiert, so Landrat Stefan Sernberg (SPD). Betroffen waren insgesamt 650 Menschen. Zudem sei ein Ferienlager mit 100 Kindern geräumt worden.

Wegen drehender Winde und der Gefahr der Ausdehnung des großen Waldbrandes bei Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ist am Montagabend ein viertes Dorf evakuiert worden. Wie die Pressesprecherin des Landkreises Ludwigslust-Parchim mitteilte, wurde nach Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs nun der mit mehr als 100 Einwohner kleine Ort Volzrade geräumt.

Feuer brach Sonntag erneut aus

Lübtheen liegt rund 50 Kilometer südwestlich von Schwerin. Am Freitag war in einem Wald auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz ein Feuer ausgebrochen. Die Behörden hatten zunächst Entwarnung gegeben und mitgeteilt, das Feuer sei gelöscht. Am Sonntag brach das Feuer erneut aus – als Ursache vermuten die Behörden Brandstiftung.

Die Flammen hätten sich vor allem am Boden ausgebreitet, aber nur vereinzelt auch Baumkronen erreicht. An einzelnen Orten sei das Feuer erloschen, an anderen Stellen neu entflammt. Landrat Stefan Sternberg (SPD) kündigte an, dass von Dienstag an acht statt der bisher vier Löschhubschrauber eingesetzt werden sollten.
Backhaus und auch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) warnten Schaulustige dringend davor, sich dem Brandgebiet zu näher. Es komme immer wieder zu Explosionen. „In diesem Gebiet hat niemand etwas zu suchen. Dort besteht höchste Lebensgefahr“, sagte Backhaus.

Im Boden lagert Munition

Wegen der im Boden lagernden Munition müssen Einsatzkräfte tausend Meter Abstand zum Brand halten. Das betreffe Löschfahrzeuge genauso wie Löschflugzeuge, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Bedroht von dem Feuer wurde auch ein Munitionszerlegebetrieb des Munitionsbergungsdienstes auf dem ehemaligen militärischen Schießplatz. Die Flammen seien nur 50 Meter entfernt, so Backhaus.

„Die Lage ist weiterhin angespannt. Es geht im Moment nicht um das Löschen des Brandes. Es geht um die Sicherung der Ortschaften, um Leib und Leben“, sagte Sternberg, der schon am Sonntagabend Katastrophenalarm ausgelöst hatte. Weitere Evakuierungen seien nicht ausgeschlossen. Ein in der Nähe des Brandes befindliches Werk für Deodorants habe aus Sicherheitsgründen die Produktion eingestellt, die Gasleitungen dorthin seien abgeriegelt worden. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sprach den Einsatzkräften ihren Dank aus und sicherte alle Hilfe des Landes zu.
Im Laufe des Tages wurden laut Caffier auch Bergepanzer der Bundeswehr eingesetzt, die gegen die Ausbreitung des Feuers Schneisen in den Wald gezogen hätten. Auch der Löschpanzer einer privaten Firma war weiterhin vor Ort.

Größter Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes

Backhaus forderte Unterstützung von der Bundesregierung. "Wir brauchen Taktik und Technologie." Sonst sei das Land nicht in der Lage, ein Feuer dieses Ausmaßes "unter Kontrolle zu bringen". Der Landkreis hatte am Sonntag Katastrophenalarm ausgelöst.

Laut Backhaus handelt es sich um den größten Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns. Auch zu DDR-Zeiten habe es keinen mit ähnlichem Ausmaß gegeben. Erste Feuer waren vor sechs Tagen ausgebrochen. Sie schienen am Freitag unter Kontrolle. Die Polizei geht inzwischen von Brandstiftung aus.

Zusätzlich zu 350 im Einsatz befindlichen Feuerwehrleuten wurden dem Sprecher zufolge weitere Kräfte aus Mecklenburg-Vorpommern und dem benachbarten Niedersachsen angefordert. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch im Boden liegende Munition, die die Löschkräfte zwingt, einen Sicherheitsabstand von etwa 1000 Metern einzuhalten. Auch ein Löschpanzer aus Brandenburg kam zum Einsatz.

(Tsp/dpa)

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