"Heillos überlastet" : Kriminaldauerdienst der Polizei arbeitet am Limit

Die Zahl der Straftaten in Berlin sinkt zwar – doch der Kriminaldauerdienst der Polizei hat immer mehr zu tun. Das hat Folgen.

Ein Kriminalkommisar von der Kriminalpolizei der Direktion 1 sichert Spuren nach einem Einbruch.
Ein Kriminalkommisar von der Kriminalpolizei der Direktion 1 sichert Spuren nach einem Einbruch.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Sie sind nach den Streifenwagen die ersten Kripobeamten am Tatort und entscheiden über erste Ermittlungsschritte: die Mitarbeiter des Kriminaldauerdienstes der Berliner Polizei. Rund um die Uhr bearbeitet der Kriminaldauerdienst schwere Straftaten wie Raub, Wohnungseinbruch oder Autodiebstahl, sichert am Tatort Spuren und vernimmt erste Zeugen.

Die Zahl der Mannstunden ist gestiegen

Doch trotz rückläufiger Kriminalitätszahlen hat der Kriminaldauerdienst in den sechs örtlichen Direktionen immer mehr zu tun. Das geht aus der Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Innenexperten Marcel Luthe hervor. Demnach ist die Zahl der Mannstunden beim Kriminaldauerdienst um ein Siebtel gestiegen. 2017 waren noch 736.491 Mannstunden nötig, um alle Einsätze zu bewältigen. Im Jahr 2018 stieg die Zahl auf 842.352 Mannstunden.

Im Klartext heißt das: Die Beamten beim Kriminaldauerdienst mussten Überstunden schieben. Und der Arbeitsaufwand ist gestiegen, obwohl die Zahl der Stellen sogar leicht angehoben worden ist. 2017 waren es 1654 Stellen bei den sogenannten Referaten „Kriminalitätsbekämpfung“ der Direktionen, im vergangenen Jahr dann 1669 Stellen.

"Ob bei dem Vandalismus an Polizistengräbern oder den zahlreichen Einbruchsdiebstählen an Autos - der Kriminaldauerdienst ist heillos überlastet“, sagte Luthe dem Tagesspiegel zu den neuen Zahlen. „Die geringe Aufklärungsquote bei der Polizei Berlin rührt aus diesem Personalmangel und ist vom Senat hausgemacht."

Geisels Nachbarin und geschändete Gräber

Eine Reihe von prominenten Fällen zeigt auch, wie viel der Kriminaldauerdienst zu tun hat. Zu Jahresbeginn hatten Trickbetrüger, die sich als Polizisten ausgaben, bei einer 90-jährigen Frau in Karlshorst Bargeld in Höhe von 94.000 Euro erbeutet. Die Teams des Kriminaldauerdienstes der Direktion 6 konnten zunächst nicht zum Tatort eilen, weil sie andere, wichtigere Fälle zu bearbeiten hatten. Schließlich hatte sich sogar Innensenator Andreas Geisel (SPD) für das Opfer, eine Frau aus seiner Nachbarschaft, eingesetzt.

Anfang April waren dann die Gräber zweier im Einsatz getöteter Polizisten in Neukölln mit Hakenkreuzen geschändet worden. Auch in diesem Fall konnte der Kriminaldauerdienst erst vier Stunde nach dem ersten Notruf anrücken, weil er mit Einbrüchen, Todesfällen und Diebstahl zu tun hatte.

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