Hier blüht der Schimmel : Berliner Feuerwehr muss marode Wache vorerst schließen

Das Dach ist undicht, eine Belüftungsanlage fehlt, jetzt schimmelt es in der Fahrzeughalle der Mahlsdorfer Feuerwache. Dabei könnte ein Neubau längst stehen.

"Betreten verboten!" So sagt man nicht-amtlich, dass die Feuerwache Mahlsdorf geschlossen ist.
"Betreten verboten!" So sagt man nicht-amtlich, dass die Feuerwache Mahlsdorf geschlossen ist.Foto: Alexander J. Herrmann

Alarm in Mahlsdorf. Im fernen Osten Berlins, kurz vor Brandenburg, steht eine fast vergessene Feuerwache. Am Mittwoch drang von dort die Nachricht durch: Schimmelbefall. Auf Twitter verbreitete der CDU-Politiker Alexander J. Herrmann ein Bild mit dem Zettel "Betreten verboten!".

Das sah zwar wenig offiziell aus, und auch beim Bezirksamt waren alle ahnungslos. Doch der Sprecher der Berliner Feuerwehr, Thomas Kirstein, bestätigte: Arbeitsschutz und Gebäudemanagement haben die Fahrzeughalle bei einer Begehung gesperrt, nachdem ein Gutachter im Auftrag der Berliner Immobilienmanagement GmbH eine hohe Sporenkonzentration festgestellt hatte.

Die Freiwillige Feuerwehr Mahlsdorf hat einen eigenen Ausrückbereich, sie wird zuerst alarmiert, wenn es in der Nachbarschaft brennt oder sich ein Unfall ereignet hat. 335 Einsätze gab es 2019. Die Berufsfeuerwehr stößt immer nur hinzu.

Ab sofort ist das anders: Umliegende Wehren übernehmen auf unbestimmte Zeit die Einsätze der Mahlsdorfer. Von dort ist zu hören, dass Material, Fahrzeuge, Schutzkleidung und dergleichen mehr erst mal von Profis dekontaminiert werden müssen.

Die BIM teilt mit: "Die Ursache der erhöhten Schimmelsporenkonzentration ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt." Ein Gutachter sei beauftragt. Die Feuerwehr hätte da allerdings eine Idee: Das Dach ist schon länger undicht, die nötige Be- und Entlüftungsanlage für die Fahrzeughalle gibt es bis heute nicht, wie der Vorsitzende des Fördervereins, Torsten Kiesner, berichtet. Ohnehin ist die Wache seit Jahren marode und zu klein und hätte längst durch eine neue ersetzt werden sollen.

Bezirk und Land kommen einfach nicht zusammen

Doch da gibt es wieder das typische Berliner Problem: Bezirk und Land kommen einfach nicht zusammen. Die Feuerwehr hat ein Wunschgrundstück in einem Gewerbegebiet. Es gehört der TLG Immobilien AG, einer Nachfolgegesellschaft der Treuhand, die nur zum Verkauf bereit ist, wenn gleich noch der Bebauungsplan geändert wird.

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Sie will auf dem Rest des Geländes lieber lukrativere Wohnhäuser bauen als Gewerbeimmobilien. Das lehnt Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) allerdings ab - und hat deshalb auch schon mal eine mögliche Enteignung ins Spiel gebracht. Im Bezirk steht sie unter Druck, endlich einzulenken. Sie müsse ihre "Blockadehaltung" aufgeben, forderte die CDU gleich nach der Schließung der Wache - und die Senatsinnenverwaltung zudem "kurzfristig" Geld für einen Neubau bereitstellen.

Die Senatsverwaltung ist auf der Seite der Feuerwehr

Pohle hat der Feuerwehr ein anderes Grundstück vorgeschlagen. Es liegt südlich der B1/B5, während die meisten Feuerwehrleute im Norden wohnen, sodass sie nicht schnell genug zu Bränden und Unfällen ausrücken könnten. Das Überqueren der vielbefahrenen Bundesstraße auf dem Weg zur Wache würde zu lange dauern, sagt die Feuerwehr.

Was sie nicht sagt: warum nicht auch irgendwann mal Feuerwehrleute eine Wohnung im Süden haben können. Die Senatsinnenverwaltung ist jedoch auf ihrer Seite: Das TLG-Grundstück werde "präferiert", auch wenn noch weitere Prüfungen erforderlich seien, teilte sie im Dezember mit.

Sanierung? Es soll doch eine neue Wache geben

Die ganze Debatte zieht sich nun seit Jahren hin – zum Leidwesen der Freiwilligen Feuerwehr. Ihre kleine Wache in der Donizettistraße ist schon immer ein Kuriosum. Sie liegt zum Teil auf einem Schulgrundstück und befindet sich im Eigentum des Bezirks, obwohl die BIM 2007 eigentlich alle Immobilien der Berliner Feuerwehr übernommen hat. Trotzdem verwaltet sie auch die Mahlsdorfer Wache, es gibt da eine uralte Nutzungsvereinbarung aus den 90er-Jahren, derzufolge der Bezirk nur noch für die Straßenreinigung zuständig ist.

"Wir kümmern uns um diese Feuerwache genauso wie um alle anderen Feuerwachen", beteuert BIM-Sprecherin Johanna Steinke, auch wenn die Kameraden in der Vergangenheit vieles in Eigenleistung erledigen mussten. "Die Kollegen machen da keinen Unterschied." Das Problem: Der Sanierungsstau ist bei der gesamten Berliner Feuerwehr groß. Und weil doch die neue Wache längst kommen sollte, will niemand mehr in die alte investieren. Ganz schnell ging's nur mit der Sperrung wegen Schimmelbefalls: nämlich sofort, unverzüglich.

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