Infektionsgefahr vermeiden : BVG schickt ab Dienstag wieder mehr U-Bahnen los

Erst wurde wegen sinkender Fahrgastzahlen die Taktung des Nahverkehrs reduziert – dann waren die Bahnen wieder voll. Jetzt sollen Sonderzüge fahren.

Weil wegen der Coronakrise weniger Menschen mitfahren, dünnte die BVG den Takt aus.
Weil wegen der Coronakrise weniger Menschen mitfahren, dünnte die BVG den Takt aus.Christoph Soeder/dpa

Die BVG will am Dienstag wieder mehr Züge einsetzen, um Gedränge in der U-Bahn zu verhindern. „Wir werden zwischen sieben und acht Uhr Einsetzerfahrzeuge losschicken“, sagte Sprecherin Petra Nelken. Das sei auch kurzfristig möglich und werde anhand der Kamerabilder von den Bahnsteigen entschieden: Wenn es voll wird, soll aus der nächstgelegenen Abstellanlage ein Zug starten.

Montagfrüh hätten BVG-Leute systematisch den Andrang beobachtet: Auf den Kleinprofillinien U1 bis U3 hätten meist nur zwei bis sechs Personen gewartet, in den Zügen seien 30 bis 40 Prozent der Sitzplätze belegt gewesen. Auf den Großprofillinien sei der Andrang größer gewesen, insbesondere bei der U5 und der U6. Auf der U5, wo wegen des Fahrzeugmangels teils umgebaute Kleinprofilzüge mit weniger Platz fahren, müsse die Flotte wohl verstärkt werden, sagte Nelken.

Sie bat die Fahrgäste, wenn möglich nicht genau zur gewohnten Zeit zur Arbeit zu fahren: Nach der Rushhour leere es sich sehr schnell. Und mehr als unbedingt nötig wolle man nicht fahren, um die Ressourcen zu schonen, „wenn wir noch eine Weile durchhalten wollen“. Fahrgäste berichteten allerdings, dass es an einigen Stellen am Montag bedenklich voll war, weil alle Linien nur noch im Zehnminutentakt bedient wurden.

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Bisher sind laut Nelken alle Betriebsbereiche der BVG regulär besetzt, also auch die Werkstätten. Von den 15 000 Mitarbeitern seien zwei nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Einer habe sich im Urlaub angesteckt, einer in der Familie. Der Krankenstand entspreche dem in der Grippesaison üblichen Ausmaß.

Auch bei den Bussen setzt die BVG auf Eigenverantwortung von Personal und Passagieren: Wenn es mal voller werde, sollten die Leute möglichst zehn Minuten warten – und die Fahrer sie notfalls dazu auffordern. Es gebe aber keine entsprechende Dienstanweisung.

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Verkauf von Obdachlosenzeitungen nicht mehr geduldet

Kritik von Fahrgästen kam auch an den zahlreich durch die Bahnen ziehenden Musikern und Bettlern, die die Ansteckungsgefahr für alle erhöhen. Dazu hieß es von der BVG, dass der sonst tolerierte Verkauf von Obdachlosenzeitungen nicht mehr geduldet werde: Verkäufer würden zum Aussteigen aufgefordert. „Das ist menschlich eine Katastrophe, aber es geht im Moment nicht anders.“ Ihren Sicherheitsdienst hat die BVG nach Angaben von Nelken noch verstärkt, „das ist auch nötig“: Mitunter seien Bahnhöfe als Kneipenersatz genutzt worden.

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Die S-Bahn meldet trotz ausgedünnter Takte kein Gedränge. Das Fahrpersonal sei angewiesen, die Türen automatisch zu öffnen – was nach Schilderungen von Fahrgästen oft nicht passiert. Laut der Bahn „kann das technische Gründe haben.“ Zum Krankenstand des Personals äußere man sich nicht.

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