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Foto aus dem Chat „Totenwaffen“, in dem der Potsdamer Jugendliche als Neonazi aktiv war.
© privat

Brandenburger Polizei vereitelt Anschlagpläne: Jugendlicher Neonazi aus Potsdam soll Sprengsätze gebaut haben

Die Polizei in Potsdam hat einen Minderjährigen verhaftet, der einen rechtsterroristischen Anschlag geplant haben soll.

Die Brandenburger Polizei hat am Freitag in Potsdam einen jugendlichen Neonazi gefasst, der rechtsterroristische Anschläge vorbereitet haben soll. Der Jugendliche unter 18 Jahren war nach Tagesspiegel-Informationen in einem Chat namens „Totenwaffen“ aktiv.

Hinweise auf das rechtsterroristische Netzwerk „Atomwaffen Division“ bestätigten sich nicht. Experten weisen jedoch auf Parallelen zu der aus den USA stammenden Gruppe hin. Auch die „Totenwaffen Division“ ist in den USA aktiv, wie Fotos aus dem Chat zeigen, und bezieht sich ebenso auf die Idee des „Einsamer Wolf“-Terrorismus.

Ermittler des Staatsschutzes des Landeskriminalamtes Brandenburg (LKA) rückten am Freitagmorgen mit einem Haftbefehl bei dem Neonazi an. Auch Spezialeinsatzkräfte der Polizei waren im Einsatz, weil bei dem Jugendlichen Waffen vermutet worden waren. Er wurde festgenommen.

Die Ermittler durchsuchten Wohn-, Geschäfts- und Nebenräumen, die der jugendliche Neonazi genutzt hatte. Was sie dort fanden, habe den Verdacht der Sicherheitsbehörden bestätigt, hieß es. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Neonazi kurz davor gewesen sein könnte, einen Anschlag zu begehen.

Seit Monaten im Visier der Ermittlungen

Seit Monaten haben die Behörden den Angaben zufolge den Jugendlichen im Visier gehabt. Es gab umfangreiche Einsätze zur Observation des Neonazis. Es ist davon auszugehen, dass auch der Verfassungsschutz involviert war.

Die Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg hatte ein Verfahren  eingeleitet. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, wegen des Verstoßes gegen das Sprenggesetz sowie des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Zudem wird der Jugendlichen verdächtigt, sich nicht nur Anleitungen zum Bau von Waffen, Munition und Sprengkörpern verschafft, sondern auch schon Chemikalien zum Bau von Sprengsätzen besorgt zu haben. Er soll bereits Spreng- und Brandsätze selbst gebaut und erste Sprengversuche durchgeführt haben.

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Die Generalstaatsanwaltschaft hat dann beim Amtsgericht Brandenburg/Havel den Haftbefehl und einen Durchsuchungsbeschluss erwirkt. Die Ermittler stellten am Freitag den Angaben zufolge diverse Datenträger und Anleitungen zum Bau von Sprengvorrichtungen sicher. Ein Richter verkündete dem Neonazi am Freitagnachmittag den Haftbefehl.

Sorge vor rechtsextremen Einzeltätern wächst

Auf einem Foto aus der „Totenwaffen“-Chatgruppe ist ein Mann in einer offenbar deutschen Bundeswehr-Jacke und mit Schutzausrüstung zu sehen. Am Arm trägt er ein Patch der „Totenwaffen Division“, auf der Mütze ein SS-Patch. Hinter ihm sind Fahnen mit der „Schwarzen Sonne“ und Hakenkreuz. Auch die Totenschädel-Maske ist für diese rechtsterroristische Szene üblich, ebenso der martialische Auftritt mit Kampfmesser und Galgenstrick in den Händen.

Bei den Sicherheitsbehörden wächst die Sorge vor rechtsextremistischen Einzeltätern, die durch Chats zu  Fanatikern werden und Anschläge verüben könnten. Mehrfach waren die Behörden in den vergangenen Wochen gegen Neonazis mit Razzien vorgegangen, wie etwa Anfang April das Bundeskriminalamt in elf Bundesländern gegen Mitglieder der „Atomwaffen Division“ und weiterer Gruppierungen.

Die „Atomwaffen Division“ entstand 2015 in den USA. Dort töteten Mitglieder seit 2017 insgesamt fünf Menschen. Anhänger der Gruppierung sind seit 2018 in Deutschland aktiv. In dem von dem Netzwerk geplanten „Rassen- und Bürgerkrieg“ sollten alle in der westlichen Welt lebenden Juden, Muslime sowie Personen, die nicht ins Weltbild der Neonazis passen, getötet werden. Durch Terror – Anschläge und Morde, auch auf Politiker, Amtsträger und staatliche Einrichtungen – wollen die Neonazis den Umsturz erzwingen.

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