Keine Kulanz in Berlin : Abokunden von BVG und S-Bahn bekommen keinen Corona-Rabatt

Andere Länder sind großzügiger, doch bei BVG und S-Bahn wird es keine Kulanz wegen der Coronakrise geben. Und die Fahrgastzahlen steigen wieder deutlich an.

So leer ist es inzwischen nur noch selten auf den Bahnsteigen der Berliner U-Bahn.
So leer ist es inzwischen nur noch selten auf den Bahnsteigen der Berliner U-Bahn.Foto: Christoph Soeder/dpa

Die Lockerungen der Corona-Regelungen spürt die BVG an steigenden Fahrgastzahlen. Am Freitag wurden 54 Prozent der normalen Fahrgastzahlen erreicht, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel.

Zum Höhepunkt der Corona-Pandemie war die Zahl der Fahrgäste auf 25 Prozent gesunken. In dieser Zeit hatten zahlreiche Fahrgäste, aber auch Verbände wie die Verbraucherzentrale eine Kulanz für die Besitzer von Monats-  oder Jahreskarten gefordert. Diese wird es aber nicht geben.

Dies hat jetzt noch einmal die Verkehrsverwaltung in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage bekräftigt. Der AfD-Abgeordnete Gunnar Lindemann hatte gefragt, ob eine finanzielle Entlastung der Abokunden von BVG und S-Bahn geplant ist. Zur Begründung nannte Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese,  dass in der gesamten Zeit ein "flächendeckendes ÖPNV-Angebot sichergestellt" war.

Zwar seien Schülerverkehre eingestellt worden und Takte ausgedünnt worden, letztlich habe das Angebot der BVG noch 85 Prozent betragen, erklärte Streese. Bei der S-Bahn und im Regionalverkehr seien mehr als 90 Prozent des bestellten Fahrplanangebots erbracht worden.

Streese verwies auch darauf, dass sich die Kosten für den ÖPNV in Berlin wenig verändert haben. Auch die BVG hatte immer wieder betont, dass sie kein Geld spart während der Corona-Einschränkungen.

Mehr Kulanz in Hamburg und Nordrhein-Westfalen

Andere Bundesländer waren kulanter, darunter der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und ein Regionalverbund in Nordrhein-Westfalen.

In Hamburg versuchte der HVV, Stammkunden zu halten: „Wir verlieren Sie nur ungern als Kunden, können aber gleichzeitig gut verstehen, dass Sie in diesen besonderen Zeiten den HVV nicht mehr so nutzen wie bisher“, schrieb das Unternehmen und bot an: „Legen Sie mit Ihrem HVV-Abo eine Pause ein, statt zu kündigen.“

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Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr schuf für Abonnenten „ein neues und nur in der aktuellen Phase geltendes Sonderkündigungsrecht, ohne finanzielle Nachteile für Kunden“. Die Deutsche Bahn war im Fernverkehr bei der Nutzung von gebuchten Tickets großzügig.

Einsatz der Verbraucherzentrale war vergeblich

In Berlin-Brandenburg mussten Kunden im öffentlichen Nahverkehr dagegen trotz Corona weiterzahlen. Es gab kein Angebot, das Abo auszusetzen, der VBB hatte nur auf das allgemeine Kündigungsrecht hingewiesen. Viele Pendler in der Region hatten ihre Monatskarten wochenlang wegen der Corona-Pandemie kaum noch oder gar nicht genutzt.

Der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Brandenburg, Christian Rumpke, hatte wie berichtet, in einem Schreiben an die Verkehrsstaatssekretäre beider Länder mehr Entgegenkommen bei Stammkunden gefordert. Vergeblich. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hatte bereits Mitte April jede zusätzliche Kulanz abgelehnt. Bei der BVG ist der Anteil der Abos an den Einnahmen 2019 auf fast 45 Prozent gestiegen.

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