Krebsmedikamente : Berliner FDP: Jens Spahn soll Lunapharm-Skandal aufklären

Allein in Berlin und Brandenburg erhielten mindestens 220 Patienten möglicherweise unwirksame Krebsmittel. Die Berliner Liberalen fordert nun den Bundesgesundheitsminister auf, sich einzuschalten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).Foto: Roland Weihrauch/dpa

Während sich der Brandenburger Landtag an diesem Donnerstag erneut mit dem Lunapharm-Fall befasst, fordert die Berliner FDP die Bundesregierung auf, sich des Skandals anzunehmen. „Mehr als 220 Menschen in Berlin und Brandenburg wurden mit den wirkungslosen Krebsmedikamenten behandelt - die Dunkelziffer könnte noch weitaus höher liegen", sagte Sebastian Czaja, Chef der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin. "Obwohl das gesamte Bundesgebiet betroffen sein könnte, hört man von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bisher überhaupt nichts. Herr Spahn muss jetzt einen Runden Tisch mit allen Gesundheitsminister der Länder einberufen und die Sorgen der betroffenen Patienten ausräumen."

Tatsächlich wurde kürzlich bekannt, dass die Brandenburger Firma Lunapharm die umstrittenen Krebspräparate in insgesamt elf Bundesländer lieferte, was einen Einsatz von Bundesminister Spahn (CDU) rechtfertigen könnte. "Die Aufklärung dieses Pharmaskandals muss von oberster Stelle geleitet werden", fordert Czaja, "alles andere ist unterlassene Hilfeleistung."

Zahl der Betroffenen in anderen Bundesländern weiter unklar

Am Mittwoch wurde erstmals eine konkrete Zahl betroffener Patienten bekannt: laut Berliner Gesundheitsverwaltung mindestens 220 Berliner und Brandenburger. Wegen der noch laufenden Ermittlungen in Brandenburg sei aber nicht auszuschließen, dass die Betroffenenzahl dort weiter steigt. Wie viele Patienten in anderen Bundesländern die Medikamente erhielten, ist weiter unklar.

Das brandenburgische Pharmaunternehmen Lunapharm soll jahrelang in Griechenland und wohl auch in Italien gestohlene Krebsmedikamente an deutsche Apotheken ausgeliefert haben. Bei einigen davon waren möglicherweise Kühlung und Lagerung falsch - weswegen die Mittel unwirksam sein könnten. Hinweise dazu führten lange nicht zu einem Medikamentenrückruf oder einem Widerruf der Betriebserlaubnis. Inzwischen ist allerdings beides erfolgt.

Die zuständige Brandenburger Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) lehnt einen Rücktritt ab.

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