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Der deutsche Gesundheitsminister: Karl Lauterbach (SPD).
© Reuters/Lisi Niesner

Produktionsengpässe beim Hersteller: Lauterbach ruft Länder dazu auf, Affenpocken-Impfstoff an Berlin abzugeben

In Berlin gibt es besonders viele Fälle von Affenpocken. Weil der Hersteller nicht liefern kann, appelliert der Gesundheitsminister an andere Bundesländer.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat Bundesländer mit nur wenig Fällen von Affenpocken zur Abgabe von Impfstoff an das Land Berlin aufgerufen. Er würde sich freuen, wenn dieser Impfstoff „in den Brennpunkt Berlin verlagert werden könnte, weil wir hier eine überproportionale Belastung haben“, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Beim Hersteller gebe es Produktionsengpässe.

Deutschland habe 40.000 Impfstoffdosen beim Hersteller direkt gekauft und etwa 5000 Dosen aus EU-Kontingenten erhalten. Man habe damit mehr Dosen bekommen als jedes andere europäische Land. Die Bundesregierung habe zudem weitere 200.000 Dosen für Deutschland bestellt. Diese sollten spätestens Anfang September kommen. Für ganz Europa habe die EU-Kommission nur 70.000 Impfstoffdosen bestellt, berichtete Lauterbach.

Berlin gilt als Hotspot: Die Hälfte aller Infizierten in Deutschland kommt aus der Hauptstadt. Am Freitag waren es nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales 1489 Fälle.

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Ende Juli hatte der Berliner Senat von der Bundesregierung mehr Impfstoff gefordert. „Wir appellieren dringend an den Bund, zusätzlichen Impfstoff zu liefern“, sagte Gesundheitsstaatssekretär Thomas Götz. „Berlin muss bei der Verteilung priorisiert werden. Wenn der Ausbruch in Berlin eingedämmt werden kann, profitieren davon auch die anderen Bundesländer.“

Lesben- und Schwulenverband für mehr Affenpocken-Impfstoff in Berlin

Auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg forderte mehr Affenpocken-Impfstoff für die Hauptstadt. „Die Impfbereitschaft ist hoch, doch das Impfangebot knapp. Berlin braucht dringend mehr Impfstoff“, sagte LSVD-Sprecher Christopher Schreiber.

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Zudem sprach er sich für Verbesserungen bei der Terminvergabe aus: „Sobald mehr Impfstoff zur Verfügung steht, wäre eine zentrale App-gesteuerte Terminvergabe wünschenswert, wie es bei der Corona-Impfkampagne der Fall war.“ Die Gesundheitsverwaltung teilte dazu mit, man lege den Fokus darauf, alle Impfstellen aktuell und vollständig auszuweisen, und bemühe sich stets um eine nutzerfreundliche Darstellung.

Der Klinikdirektor für Infektiologie am Berliner Universitätsklinikum Charité, Leif Erik Sander, sagte am Freitag, betroffen seien vor allem Männer, die Sexualkontakte zu anderen Männern hätten. Es sei noch nicht sicher, wie gut der ursprünglich für Pocken entwickelte Impfstoff auch gegen Affenpocken schütze. Sander riet zur Reduzierung von Kontakten. (Tsp, dpa)

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