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Silvester 2025 in Berlin im Liveblog: 400 Festnahmen, 24 verletzte Polizisten – Ringbahn nach Feuer unterbrochen
Jahreswechsel mit Party und Großeinsatz: Am S-Bahnhof Wedding brannte es auf dem Bahnsteig, die Polizei löscht per Wasserwerfer E-Scooter in Moabit. Tausende feiern bei „Yeah 26!“. Der Silvester-Blog für Berlin.
Stand:
Berlin feiert und feuert ins Jahr 2026: Nach Mitternacht stieg die Zahl der Alarme bei der Feuerwehr deutlich an. Die Polizei nahm mehrere Hundert Menschen vorübergehend fest, überwiegend wegen gefährlicher Aktionen mit Böllern und Raketen – die ersten schon am Silvestertag. Tausende feierten bei der Party „Yeah 26!“ am Brandenburger Tor – mit neuem Konzept.
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Polizei und Feuerwehr mit vorläufig positiver Bilanz – aber 25 Bölleropfer in Klinik
Die Silvesternacht in Berlin ist nach ersten Einschätzungen der Einsatzkräfte nicht ganz so problematisch verlaufen wie in den vergangenen Jahren. „Wir haben keine schweren Verletzungen bei Kollegen und auch nicht bei feiernden Menschen. Und wir haben auch nicht so schwere Vorkommnisse und Sachbeschädigungen wie im letzten Jahr“, sagte Polizeisprecher Florian Nath in einer ersten vorläufigen Bilanz gegen 3.30 Uhr.
Allerdings sei die Polizei immer wieder mit Böllern und Raketen angegriffen worden. 24 Polizisten seien verletzt worden, die meisten leicht, zwei mussten jedoch ihren Dienst beenden. Die Polizei nahm rund 400 Verdächtige kurzzeitig fest. Und am Abend und in der Nacht sei noch kiloweise illegale Pyrotechnik beschlagnahmt worden. 14 Menschen wurden in sogenannten Unterbindungsgewahrsam genommen, damit sie keine weiteren Delikte begehen. Gegen sieben Menschen wurde ein Haftbefehl beantragt, unter anderem wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung.
Die Polizei habe zum Teil erfolgreich gegen die Dynamik von kriminellen Tätern, die sich in der Deckung friedlich feiernder Menschen bewegten, gearbeitet. Gerade am Alexanderplatz habe das Konzept einer großen Böllerverbotszone gut gegriffen, sagte Nath. „Ich habe den Alex noch nie so friedlich gesehen an Silvester wie in diesem Jahr.“
Die Demonstration und Party an der Siegessäule sei friedlich verlaufen. Statt der angemeldeten 16.000 Teilnehmer seien nur ein paar Hundert gekommen, so der Sprecher. Auch am Brandenburger Tor sei die Feier mit vielen tausend Besuchern ohne besondere Vorkommnisse verlaufen.
Ähnlich fiel das Zwischenfazit der Feuerwehr aus: Die Lage sei „aktuell relativ ruhig und entspannt“, sagte Dominik Pretz vom Pressedienst der Feuerwehr um kurz nach 4 Uhr dem Tagesspiegel. Es seien weder sehr große Brände noch ein Massenanfall an Verletzten zu verzeichnen gewesen. Damit sei es eine ruhigere Silvesternacht als noch vor einem Jahr gewesen.
Viel zu tun war dennoch: Bis kurz nach 4 Uhr zählte die Feuerwehr im neuen Jahr 442 Brandeinsätze, 30 technische Hilfeleistungen und 510 Alarmierungen für den Rettungsdienst. Ein großes Feuer im Keller eines Mietshauses am Britzer Damm in Neukölln löste einen Einsatz mit rund 100 Feuerwehrleuten aus. Ein Mensch wurde leicht verletzt. Ansonsten gab es sehr viele kleinere Brände. Einige Wohnungen standen in Flammen, das Feuer sprang öfter von Balkonen über. Grund waren demnach Raketen, die auf Balkonen landeten. In der Leipziger Straße in Mitte brannte deshalb eine Wohnung im 13. Stock aus – ohne dass jemand verletzt worden wäre.
Dass Polizei und Feuerwehr sich insgesamt zufrieden zeigten, heißt nicht, dass der Jahreswechsel im Einzelfall nicht auch gravierende persönliche Konsequenzen hatte. Besonders deutlich wurde das bei den Meldungen aus dem Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Biesdorf, das die besonders schweren Böllerverletzungen versorgt. Bis 3.30 Uhr seien 25 Patienten mit zum Teil schweren Handverletzungen in der Rettungsstelle vorstellig geworden, teilte die Klinik mit. Die Folge seien Amputationen von Fingern oder Teilen der Hand gewesen.
Unter den Opfern waren auch acht Kinder, „deren Leben sich durch diese schweren Verletzungen für immer verändert hat“, wie das UKB schrieb. Auch Verbrennungen, Gesichts- und Augenverletzungen traten auf. „Das OP-Team hat viel Arbeit in dieser Nacht.“ (mit dpa)
Brand am S-Bahnhof Wedding: Bus-Ersatzverkehr auf der Ringbahn
Die Feuerwehr löschte schnell, doch die Auswirkungen dauern an: Nachdem kurz nach Mitternacht ein Dienstraum auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Wedding in Flammen aufgegangen war, konnte die Feuerwehr den Brand nach einer halben Stunde ersticken. Zwar gab es eine starke Rauchentwicklung und einen Übergriff auf das Dach, doch konnten die Einsatzkräfte eine weitere Ausbreitung verhindern. Doch auch Stunden später bleibt die Ringbahn zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Westhafen in beiden Richtungen unterbrochen.
Mittlerweile hat die S-Bahn einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Die Haltestellen befinden sich für den Bahnhof Gesundbrunnen am Hanne-Sobek-Platz (wie die Buslinien 247 und N8), für den Bahnhof Wedding in der Müllerstraße (wie die Buslinien 120, N6 und N20), für den Bahnhof Westhafen an der Putlitzbrücke (wie die Linie N9). Zur weiträumigen Umfahrung empfiehlt die S-Bahn zwischen Gesundbrunnen, Wedding und Westhafen die U-Bahn-Linien U8, U6 und U9 zu verwenden.
Kreuzberger Späti-Verkäufer: „Letztes Jahr war's gut, dieses Jahr tot“
Silvester-Resümee beim Späti: Im Kiosk im U-Bahnhof Schlesisches Tor herrscht um 3 Uhr noch reger Betrieb. An der Theke steht heute Yasin, kleiner Bruder des Ladenchefs, und versorgt die Kundschaft. Sein Fazit: „Vor Corona war Silvester anders, letztes Jahr war's gut, dieses Jahr tot.“ Das macht die Arbeit für ihn natürlich entspannter: „Besoffene gibt's immer, aber heute war's echt in Ordnung“, sagt er.Ein Betrunkener kommt herein und fragt, ob ihm jemand ein Taxi rufen kann, sein Handyakku ist leer. Yasin zückt sein eigenes, ruft ein Uber: „In vier Minuten, Bruder.“ Der Betrunkene wankt hinaus, draußen jault noch eine Rakete – die Silvesternacht neigt sich dem Ende.
Polizei löscht mit Wasserwerfer brennende E-Scooter
Mit einem Wasserwerfer hat die Berliner Polizei brennende E-Scooter und andere Gegenstände in Moabit gelöscht. Mutmaßlich Randalierer hatten das Feuer auf der Beusselstraße angezündet. Weil die Feuerwehr aggressiv bedroht wurde, musste der nicht weit entfernt stationierte Wasserwerfer der Polizei anrücken, wie ein Polizeisprecher sagte. (dpa)555 Feuerwehr-Einsätze von Mitternacht bis 1.45 Uhr
Die Feuerwehr zieht auch weit nach Mitternacht eine eher positive Zwischenbilanz des Jahreswechsels. Zwischen 0 und 1.45 Uhr habe es 555 Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst gegeben, sagte Feuerwehrsprecher Dominik Pretz, aktuell gebe es 300 Einsätze parallel – vielfach weiterhin Kleinstbrände, Autobrände, Balkonbrände. Einen Massenanfall an Verletzten habe man bisher nicht verzeichnet. Auch zu einer zwischenzeitlich von der Polizei gemeldeten Kugelbombenexplosion in Spandau war dem Feuerwehrsprecher nichts bekannt. Wie die "B.Z." berichtet, soll es dabei lediglich einen Leichtverletzten gegeben haben, die Polizei habe ihre frühere Meldung korrigiert.
Feuerwehrsprecher Pretz sprach von einer „überschaubaren Lage“, man habe noch genug freie Kräfte, allerdings dank einer verdreifachten Besetzung. Auch die Angriffe auf Einsatzkräfte hielten sich bisher eher im Rahmen.
Mehr als 300 Festnahmen, 15 leicht verletzte Polizisten
Die Zahl der kurzzeitigen Festnahmen wegen gefährlicher Böllerei und Abschießens von Raketen ist in der Silvesternacht in Berlin auf mehr als 300 gestiegen. Diese Zahl nannte die Polizei um kurz nach 1.00 Uhr. Meistens sei es um Missbrauch von Feuerwerkskörpern gegangen.
Acht Verdächtige seien von der Polizei in sogenannten Unterbindungsgewahrsam genommen worden, um zu verhindern, dass sie weitere Delikte begehen. Etwa 15 Polizisten seien leicht verletzt worden. Viele davon erlitten laut Polizei Knalltraumata durch Böllerexplosionen.
Um kurz nach 3 Uhr meldete die Polizei, dass gegen sechs Menschen ein Haftbefehl beantragt worden sei. Dabei sei es etwa um den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung durch Pyrotechnik gegangen, die auch gegen Einsatzkräfte gerichtet wurde. (mit dpa)
Am Zionskirchplatz mag man es lieber bunt als laut
Ein subjektiver Eindruck von der Grenze zwischen Mitte und Prenzlauer Berg: Rund um den Zionskirchplatz scheinen sich die meisten Menschen an das bezirkliche Böller-Verbot aus Pankow zu halten, berichtet unsere Kollegin Julia Schmitz. Zu sehen seien zwar eine Menge Raketen, aber bombenähnliche Explosionen seien weit weniger zu hören als noch vor einem Jahr.Friedliches neues Jahr auf der Sonnenallee
Verhältnismäßige Ruhe in der Neuköllner Sonnenallee: An das Böllerverbot um Teile der Neuköllner Straße halten sich offenbar die meisten Leute – das Knallen hört man hier nur aus der Ferne, abgesehen von wenigen Ausnahmen. An den meisten Kreuzungen der Sonnenallee haben sich Polizeikräfte positioniert, manche Bereiche werden mit Strahlern ausgeleuchtet.
Offenbar Kugelbombe in Spandau explodiert
In Spandau sollen Menschen durch die Explosion einer Kugelbombe verletzt worden sein. Genaueres war nach Angaben der Polizei zunächst nicht bekannt.
Polizeisprecher Florian Nath berichtete zudem von Angriffen auf Polizisten und Sanitäter. In Neukölln in der Hermannstraße und in Moabit hätten Menschen mit Feuerwerksraketen und Böllern auf Einsatzkräfte geschossen und geworfen. Bei Festnahmen von mutmaßlichen Tätern habe es weitere Angriffe gegeben. (dpa)
Ein Moment der Stille – dann wildes Böllern am Hermannplatz
Noch um Mitternacht herrscht auf dem Hermannplatz in Neukölln einen kurzen Moment, man könnte fast sagen: der Ruhe. Am Himmel Feuerwerk, eine Gruppe junger Leute wedelt mit Leucht-Pyrotechnik und ein Team BVG-Mitarbeiter macht Pause und filmt das Ganze.
Wenige Minuten später bricht zwar nicht das Chaos aus, aber es wird ungemütlicher: An der Ecke zum Kottbusser Damm, also direkt außerhalb der Böllerverbotszone rund um die Sonnenallee, schießt eine Gruppe erst Raketen in die Luft, dann gegen die Häuserwände – unklar bleibt, ob es Absicht oder Trunkenheit ist.
Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr, die die Kreuzung passieren, halten sie nicht davon ab, einmal wird auch ein Knaller auf eine Gruppe geworfen, die die Straße überquert. Auf einer Verkehrsinsel halten zwei behelmte Polizisten Position, ein paar Teenager fahren auf E-Scootern durch den Rauch.
Brand am S-Bahnhof Wedding – Ringbahn unterbrochen
Seit Mitternacht ist die Feuerwehr im Dauereinsatz. Innerhalb der ersten Stunde gab es 300 Brandmeldungen aus dem gesamten Stadtgebiet.
Besonders gravierend war ein Feuer im S-Bahnhof Wedding. Dort stand ein Aufsichtshäuschen auf dem Bahnsteig lichterloh in Flammen. Die Feuerwehr konnte es nach einer halben Stunde löschen.
Die Ringbahn ist jedoch weiterhin zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Westhafen in beiden Richtungen unterbrochen. Die S-Bahn empfiehlt, zur Umfahrung zwischen Gesundbrunnen, Wedding und Westhafen die U-Bahn-Linien U8, U6 und U9 zu verwenden.
Es handele sich bei den übrigen Alarmen überwiegend um Kleinbrände, Autobrände und Fassadenbrände, sagte Feuerwehrsprecher Vinzenz Kasch. Gut die Hälfte der Löschfahrzeuge sei inzwischen im Einsatz, mit steigender Tendenz. Im Rettungsdienst gebe es immer noch viele freie Rettungswagen. Kasch ordnete das Einsatzgeschehen nach Mitternacht als „erwartungsgemäß“ und „silvestertypisch“ ein. Nach einer Stunde hatte es das Ausmaß des vergangenen Jahres erreicht. „Wir haben noch genug Reserven“, sagte der Feuerwehrsprecher jedoch zugleich.
Mittlerweile habe es auch ein paar Angriffe auf Einsatzkräfte gegeben, wenn auch wenige – insbesondere Raketen, die auf vorbeifahrende Fahrzeuge der Feuerwehr geschossen worden seien. Kenntnisse über direkt betroffene Feuerwehrleute oder gar Verletzte habe er aber noch nicht, sagte der Sprecher.
Neujahr in Kreuzberg: Raketenbeschuss und Schreckschusswaffen
Am Mariannenplatz beschießen sich zwei Gruppen von Jugendlichen mit Raketen. Auf dem Gehweg feiern Familien. Ein Paar mittleren Alters nimmt ein Selfie auf. Vor einem Spätkauf feiert ein Mann mit einer Schreckschusspistole in die Luft, bis das Magazin leer ist. (Christoph M. Kluge)
Sieben Minuten Feuerwerk aus Berlin
Viel ist in den vergangenen Monaten auch darüber diskutiert worden, wie viel Publicity Berlin einbüßt, wenn es die ZDF-Silvesteshow an Hamburg verliert. Immerhin sieben Minuten Feuerwerk hat die ARD um Mitternacht live vom Brandenburger Tor übertragen – immer wieder mit Luftaufnahmen, die nicht nur das professionelle Großfeuerwerk über dem Wahrzeichen zeigten, sondern auch die Silvesterraketen andernorts erkennen ließen. Danach schaltete der Sender wieder zurück zum „Silvester-Schlagerbooom“ nach München – wo der gebürtige Berliner Roland Kaiser ein Hit-Medley anstimmte: "Ich glaub', es geht schon wieder los!". Das darf doch wohl nicht wahr sein. Wir wünschen ein frohes und gesundes 2026!
„Alle Leute sind nett, alle sind gut drauf“
Daniela ist mit ihrer Schwester Nina und Tochter Nora für die Silvesterparty aus Lippe nach Berlin gekommen. „Alle Leute sind nett, alle sind gut drauf und die Musik ist gut“, sagt die 49-Jährige bei "Yeah 26!" vorm Brandenburger Tor. Eigentlich sind sie für das Konzert der Sängerin Zahide in die Hauptstadt gekommen und für Silvester ein paar Tage früher angereist.
Einige Gäste sind auch überrascht, dass es dieses Jahr keine Live-Musik gibt. Manasi, Bibhuti und Amrit hatten sich auf Konzerte wie in den vergangenen Jahren gefreut. In den vergangenen Jahren seien deutlich mehr Leute da gewesen, sagt Manasi.
Viele Leute, die kein Ticket haben, stehen auch vor den Gittern und schauen sich die Party aus der Ferne an. 25.000 kostenlose Eintrittskarten wurden vergeben. Mehr Menschen sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen. Privates Feuerwerk und Glasflaschen sind verboten. (dpa)
Schöneberger Jugendliche bewerfen sich mit Böllern
Böller-Kampf in Schöneberg: Auf der Dominicusstraße in der Nähe des S-Bahnhofs stehen zwei Gruppen Jugendlicher auf unterschiedlichen Straßenseiten und bewerfen sich mit Feuerwerkskörpern -- über die Straße hinweg, trotz der fahrenden Autos. Eine andere Gruppe Teenager traut sich wegen der Böllerwürfe nicht weiter zum S-Bahnhof, also warten sie, bis sich die Werfer vielleicht mal beruhigen. „Richtig rücksichtslos“, beschwert sich ein Mädchen. Kaum ist der Rauch verflogen, fliegt der nächste Knaller.
Bald 2000 Feuerwehr-Einsätze – aber alles „völlig unter Kontrolle“
Die Brandmeldungen häufen sich jetzt bei der Berliner Feuerwehr, aber alles sei „völlig unter Kontrolle“, sagt Pressesprecher Vinzenz Kasch. Vor allem gehe es um Balkonbrände und viele Kleinbrände, ausgelöst durch Silvesterfeuerwerk. Den gravierendsten Vorfall gab es demnach bisher in Mahlsdorf, wo kurz vor 22 Uhr in der Wolfsberger Straße der Dachstuhl eines Einfamilienhauses in Flammen aufging. Zwei Menschen wurden leicht verletzt. Ob auch in diesem Fall ein Feuerwerkskörper die Ursache war, konnte Kasch nicht sagen. Der Brand sei aber ebenso schnell bekämpft worden wie ein Feuer in einem Kellerverschlag in der Kreuzberger Böcklerstraße. Bis 23.33 Uhr rückte die Feuerwehr zu 241 Brandbekämpfungen, 101 technischen Hilfeleistungen und 1550 Rettungsdiensteinsätzen aus.So sieht das Berliner „Yeah 26“ aus
Trotz der nächtlichen Kälte sind auch schon Tausende im Partybereich am Brandenburger Tor, wo die landeseigene Kulturprojekte-Gesellschaft die amtliche Party zum Jahreswechsel ausrichtet – diesmal ohne ZDF-Beteiligung und mit anderem Konzept. Mehrere DJs wechseln sich auf einer Bühne ab, Showacts entfallen, es geht ums Tanzen. Menschen jeden Alters sind gekommen, auch viele Familien und Paare.
Um Mitternacht soll auf dem Pariser Platz ein siebenminütiges Großfeuerwerk gezündet werden, das dann über dem Brandenburger Tor zu sehen sein wird – auch für den Rest der Republik, denn zumindest das Feuerwerk wird von der ARD übertragen. (mit dpa)
Aus Brasilien über Irland zum Brandenburger Tor
Rund um das Brandenburger Tor drängen sich die Menschenmassen. Der Grund: die Silvesterparty vor dem Berliner Wahrzeichen. Mitten im Gedränge stehen Monica und Joao in der Schlange. Das Pärchen aus Brasilien ist nach Irland gezogen, jetzt besuchen sie jedes Jahr zu Silvester eine andere europäische Großstadt. „Das Feuerwerk über dem Brandenburger Tor wollten wir unbedingt sehen“, sagt Joao.
Polizei: Mehr als 100 Festnahmen wegen gefährlicher Böllerei
Die Berliner Polizei hat am Silvestertag bis anderthalb Stunden vor Mitternacht schon mehr als 100 Menschen festgenommen. Das sagte Polizeisprecher Florian Nath dem Tagesspiegel. Hauptsächlich seien Verstöße gegen die Pyrotechnik-Regeln der Grund dafür gewesen: Teilweise seien Menschen, die vor 18 Uhr Feuerwerk gezündet hätten, festgenommen worden, teilweise hätten sich Personen in den Verbotszonen mit Pyrotechnik bewegt und seien bei Kontrollen aufgefallen. Immer wieder habe es aber auch gefährliche Aktionen mit Böllern und Raketen gegeben. Manche Menschen würden Raketen waagerecht durch die Gegend schießen und Böller auf andere werfen, sagte Nath.
Die Böllerei und das Geschehen auf den Straßen seien besonders in Schöneberg, Kreuzberg, Neukölln und Wedding ziemlich heftig. Der Alexanderplatz sei hingegen sehr ruhig, weil Feuerwerk dort verboten und der Bereich weiträumig abgesperrt sei. Auch die anderen drei großen Pyro-Verbotsbereiche in Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg würden sich bewähren. Die Exzesse spielten sich aber nicht in deren direktem Umfeld ab, sondern weiter abseits.
Insgesamt habe sich der Abend zunächst positiver und weniger problematisch entwickelt als in den vergangenen Jahren, sagte Nath. „Wir sind in einem extrem niedrigen Bereich“, ordnete er die Zahl der vorübergehenden Festnahmen ein. „Wir befinden uns auf einem weitaus entspannteren Level als in den letzten Jahren.“ Kurz zuvor hatte schon Feuerwehrsprecher Vinzenz Kasch die Situation als „gerade sehr entspannt“ bezeichnet. Nath führte die umfangreiche Prävention, inklusive Gefährderansprachen, öffentliche Appelle, aber auch das konsequente Einschreiten als mögliche Gründe an. Erst nach Mitternacht aber wird sich zeigen, wie der Jahreswechsel insgesamt zu bewerten sein wird.
Bislang habe es auch keine wirklich großen Vorkommnisse oder Gewalttaten gegeben. Neun Polizisten seien leicht verletzt worden. Meistens seien es Knalltraumata von Böllern, die nahe dem Kopf explodiert seien. In einem Fall seien bei einer Kontrolle in der Dircksenstraße, nahe dem Alexanderplatz, aus den hinteren Reihen Einsatzkräfte beschossen worden – Zivilkräfte hätten die Tatverdächtigen jedoch sofort ausgemacht und festgenommen, berichtete Nath, der sich gerade selbst in der mobilen Wache am Alexanderplatz befand. „Hier ist es so ruhig wie seit Jahren nicht mehr.“
Rave-Demo: Schon Kundgebungen für nächstes und übernächstes Silvester angemeldet
Was das Raven etwas schwierig macht: Es gibt weder Essens- noch Getränkestände auf der Straße des 17. Juni. Diese hatte das Berliner Verwaltungsgericht untersagt.
„Wir sind gerade froh, dass wir überhaupt stattfinden, aber glücklich sind wir nicht“, sagt Max Ventker von „We are Berlin“, dem Organisationsteam hinter der Rave-Demo. „Dass die Versorgungsstände abgesagt wurden, ist natürlich eine Zumutung für die Menschen“, sagt er. Sogar Toilettenwagen habe man heute wegfahren müssen. „Was ist da Sinn und Zweck der Geschichte?“
„Wir haben den Eindruck, der Berliner Senat hat uns nicht gewollt“, sagt er. Abwimmeln lassen will sich „We are Berlin“ aber nicht: „Für nächstes und übernächstes Silvester haben wir schon Kundgebungen angemeldet“, so Ventker.
Feuerwehr: „Sehr entspannte Situation gerade“
Die Berliner Feuerwehr kann die Silvesternacht bisher gut bewältigen. Es gebe eine „sehr entspannte Situation gerade“, sagte Pressesprecher Vinzenz Kasch soeben dem Tagesspiegel. Zwar gebe es viele Brände in der Stadt, aber bei weitem nicht so viele wie im vergangenen Jahr. Auch seien ihm bisher keine nennenswerten Übergriffe auf Einsatzkräfte bekannt geworden.
In Zahlen stellte sich das Einsatzgeschehen so dar: Bis 21.56 Uhr gab es an diesem 31. Dezember 192 Brandbekämpfungen, 93 technische Hilfeleistungen (etwa bei Verkehrsunfällen) und 1410 Rettungsdiensteinsätze. Zum Vergleich: An normalen Tagen kommt die Berliner Feuerwehr in 24 Stunden auf rund 1500 Alarme. Eine abschließende Bewertung des Jahreswechsels ist allerdings noch lange nicht möglich: Erfahrungsgemäß gibt es die meisten Probleme nach Mitternacht.
Zu den größten Einsätzen bislang: Gegen 18.30 Uhr brannte ein Balkon im ersten Obergeschoss eines Hochhauses in der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf. Das Feuer griff auf die Wohnung und auch auf einen Balkon in der zweiten Etage über. Allerdings wurde niemand verletzt. Etwa zur selben Zeit schlugen Flammen aus dem Motorraum eines geparkten Linienbusses in der Bundesallee in Wilmersdorf. Auch hier war niemand gefährdet. Bereits gegen 17.45 Uhr brannte ein Taxi in der Hermannstraße in Neukölln aus, ohne dass jemand zu Schaden gekommen wäre. Ob Pyrotechnik jeweils eine Rolle spielte, konnte der Feuerwehrsprecher nicht sagen.
Dass die Feuerwehr die Lage bislang gut bewältigen konnte, führte Kasch auch auf die neue Einsatztaktik zurück: In diesem Jahr wurden Tanklöschfahrzeuge, die selbst viel Wasser mitführen und sonst am Stadtrand stationiert sind, in den Innenstadt-Wachen postiert. Sie sind nur mit zwei bis drei statt sechs Feuerwehrleuten besetzt und können mit geringem Aufwand schnell Kleinbrände löschen, ehe diese sich ausweiten. Außerdem hilft der Schneefall vom Morgen den Einsatzkräften: „Der nasse Boden führt dazu, dass, wenn es zu Bränden kommt, nicht viel um sich greift.“
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