Mobilität in Berlin : So ungleich ist die Verteilung von E-Scootern in den Bezirken

Während die Leihanbieter in Bezirken, in denen sich Touristen aufhalten, besonders viele Roller platzieren, ist das Angebot am Stadtrand mau.

Nur auf dem Radweg ist es erlaubt, mit den E-Scootern zu fahren.
Nur auf dem Radweg ist es erlaubt, mit den E-Scootern zu fahren.Foto: dpa

Nur drei Wochen nach dem Start der ersten Anbieter haben die E-Scooter die Straßen Berlins gefüllt: Wie der RBB und das Portal "radforschung.org" in einer Datenanalyse herausgefunden haben, waren zwischen dem 1. und dem 7. Juli rund 4800 elektrische Tretroller in der Hauptstadt unterwegs.

Allein etwa 2200 Scooter parkten demnach im Bezirk Mitte, weitere 1500 in Friedrichshain-Kreuzberg und in Pankow. Während die Leihanbieter offenbar in Gegenden, in denen sich viele Touristen aufhalten, besonders viele Tretroller platzieren, ist das Angebot in den Randbezirken mau. Etwa in Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf, Marzahn-Hellersdorf und Spandau standen im genannten Zeitraum insgesamt nur 22 Gefährte.

Die Zahlen wurden durch eine Auswertung der größten Anbieter-Apps erhoben. Viele Verleiher halten sich bedeckt, was die Größenordnung ihres Angebots anbelangt. Die Firmen Circ, Lime, Voi und Tier sind im Stadtbild am häufigsten vertreten, bis zu acht Anbieter hatten zum Start angekündigt, ihre Dienste in Berlin offerieren zu wollen.

Fahrbereit. Vor allem an Touristenorten wie dem Potsdamer Platz stehen viele E-Roller.
Fahrbereit. Vor allem an Touristenorten wie dem Potsdamer Platz stehen viele E-Roller.Foto: Lars von Törne

Eine Erhebung des Hamburger Beratungsinstituts Civity ergab Anfang Juli ebenfalls, dass die Scooter hauptsächlich in der Innenstadt genutzt werden, vielfach durch Touristen, die die Fahrzeuge bereits aus anderen Ländern kennen. Aus der Politik kommt Kritik am Innenstadtfokus der Anbieter.

Mobilitätshubs in den Randbezirken

"Der Senat sollte in den Außenbezirken Anreize für den Aufbau von Mobilitätshubs setzen, bei denen unter anderem der öffentliche Nahverkehr, E-Scooter, Leihfahrräder und Carsharing an einem Ort verbunden werden können", sagt etwa Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Neue Mobilitätsangebote wie E-Scooter seien besonders am Stadtrand interessant, wo sie gut mit Bus und Bahn kombiniert werden könnten.

Vor allem im Osten Berlins hat sich in den vergangenen Wochen ein Bündnis für Sharing-Angebote am Stadtrand formiert. Der Linken-Abgeordnete Kristian Ronneburg, zugleich Bezirksvorsitzender in Marzahn-Hellersdorf, schlägt vor, Leihangebote für Autos, Fahrräder und E-Scooter künftig per Konzession zu regeln. Das Land sollte Anbieter, die ihre Fahrzeuge im lukrativen Innenstadtbereich aufstellen worden, dazu verpflichten, immer auch eine Mindestanzahl an Fahrzeugen in den Außenbezirken aufzustellen.

Kritik gibt es auch an den Sicherheitsstandards für die neuen Fahrzeuge. Vor dem Hintergrund der ersten Unfälle nach der Einführung der E-Tretroller raten Unfallmediziner und Polizei Fahrern dringend, einen Helm zu tragen. Eine Helmpflicht gibt es auf Bundesebene zwar nicht, dennoch denken Politiker über weitere Auflagen für Fahrer und vor allem Anbieter nach. 

Wiederholt hat die Polizei Menschen auf E-Scootern gestoppt, die damit nicht auf den erlaubten Radwegen, sondern auch auf den Gehwegen oder gar auf Busspuren fuhren. Die sind eigentlich tabu für sie. Wer mit dem E-Roller auf Fußgängerwegen fährt, muss mit einem Bußgeld von 15 Euro rechnen, gefährdet er jemanden, kostet es 25 Euro. (mit sib, isa)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!