Olympiastadion : Debatte um Stadionhymne: Frank Zander kritisiert Hertha

Pfiffe, Unmut, Ratlosigkeit. Es gibt bei Hertha mal wieder Ärger zwischen Fans und Chefetage. Grund: das Vorprogramm.

Erster Reihe: Frank Zander.
Erster Reihe: Frank Zander.Foto: Imago

Das Spiel war vorbei, Hertha BSC hatte 1:0 gegen Nürnberg gewonnen, das Stadion war ziemlich voll, und doch gab es an vielen Tresen noch ein anderes Thema, das so schön die Gemüter bis tief in die Nacht erregte: Es ging um Frank Zander und dessen Liedchen "Nur nach Hause gehen wir nicht".

Das gehört wie berichtet zum Folklore-Inventar bei Spielen bei Hertha BSC, seit 25 Jahren schon. Jetzt hat der Klub aber das Vorprogramm im Olympiastadion durcheinandergewirbelt. Zum Einlaufen der Mannschaften erklingt nicht mehr Zanders Hymne, sondern der wummernde Beat von Seeed - "Dickes B". Folge: Unmut, Irritation, Pfiffe, aber auch Ratlosigkeit, worum es eigentlich geht.

Auch schön: Kritik mit Witz.
Auch schön: Kritik mit Witz.Foto: Imago

Die Nachricht kam per Mail

Zanders Lied ist nicht weg. Es läuft jetzt etwa eine Viertelstunde vor Anpfiff - das sind allerdings jene Minuten, in denen sich die Fans eigentlich "warmsingen". Da stört vorgesetzte Kost aus dem Lautsprecher. Um Seeed geht es beim Fan-Ärger weniger, sondern darum, wie der Verein das kommuniziert. Die Fans wollen gern ein Wort mitreden, ihnen ist diese Tradition des Mitsingens wichtig. Hertha hat die Entscheidung via Rundmail verkündet. Das ärgert viele Fans, die die Chefetage mit all ihren Ideen eh kritisch beäugen.

Hertha-Fans richten schöne Grüße an die Chefetage aus.
Hertha-Fans richten schöne Grüße an die Chefetage aus.Foto: Imago

Frank Zander hatte gegen Nürnberg selbst vor der Ostkurve gestanden und das Lied gesungen. Es gab viel Applaus und später Pfiffe nach der Seeed-Hymne, gerichtet gen Chefabteilung. Als "Dickes B" lief, sang die Kurve ihr vertrautes Lied: "Nur nach Hause gehen wir nicht."

"Die Fans werden schon zeigen, dass es eine falsche Entscheidung war"

Angesprochen auf den Ärger sagte Frank Zander dem RBB: „Ich bin da ziemlich cool. Die Fans werden schon zeigen, dass es eine falsche Entscheidung war." Das sei "eine Entscheidung, die ein bisschen weh tut. Die Fans wollen diese Hymne am Anfang haben. Das ist wie ein Gebet.“

Alles gut nach dem geglückten Saisonstart? Naja.
Alles gut nach dem geglückten Saisonstart? Naja.Foto: Imago

Kritik kam auch vom "Förderkreis Ostkurve", der so etwas ist wie ein Sprachrohr vieler Fans: "Aus unserer Sicht ist das ein herber Einschnitt in das Stadionerlebnis aller Herthaner. Dieser kleine Freiraum, der uns noch geblieben ist, wurde uns jetzt genommen. Der Zeitpunkt der Bekanntmachung tut sein übriges dazu. Innerhalb weniger Tage wurde hier die unermüdliche Arbeit der aktiven Fans zunichte gemacht. Das können und dürfen wir als Herthaner nicht akzeptieren. Daher lasst uns gemeinsam dafür einstehen, dass wir uns diesen kleinen Freiraum nicht nehmen lassen und bei allen Heimspielen an UNSERER Einsingphase festhalten und die Herren der Geschäftsführung somit davon überzeugen, dass uns dieser Freiraum zurück gegeben werden muss." Unterzeichnet wurde die Vereinbarung von den "Harlekins". Das ist stets leidenschaftlich-kritische Ultraszene des Vereins und wurde vor genau 20 Jahren gegründet. Die gibt es nun auch schon fast so lange wie Zanders Lied.

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