Polizei geht von Neonazi-Attacke aus : Auto von Cottbusser Grünen-Politikerin zerstört

Bei dem Wagen von Barbara Domke wurden die Reifen zerstochen und die Scheiben eingeschlagen. Cottbus gilt als Zentrum der rechtsextremen Szene in Brandenburg.

Der Staatsschutz ermittelt in dem Fall.
Der Staatsschutz ermittelt in dem Fall.Foto: Barbara Domke/Twitter

Sie ist Stadtverordnete für die Grünen und engagiert sich gegen Rechtsextremismus. Auch bedroht wurde Barbara Domke schon – in den sozialen Medien. Doch jetzt haben Unbekannte das Auto der Kommunalpolitikerin in Cottbus attackiert. „Heute Nacht haben sie die Scheiben an unserem Familienauto eingeschlagen und alle Reifen zerstochen“, schrieb sie in der Nacht zu Montag auf Twitter.

So sah die Heckscheibe des Wagens aus.
So sah die Heckscheibe des Wagens aus.Foto: Barbara Domke/Twitter

Auf Fotos ist das demolierte Auto zu sehen. Eine Nachbarin hatte gegen 23.30 Uhr das Klirren gehört und Domke angerufen. Die alarmierte Polizei war schnell am Tatort. Eine Nachbarin sah zwei schwarz gekleidete Personen mit Fahrrädern flüchten. Die Fahndung im Umfeld brachte jedoch keinen Erfolg.

Domke und die Polizei gehen davon aus, dass die Täter aus der rechtsextremistischen Szene kommen. Wie brisant die Ermittler den Fall einstufen, zeigt der Einsatz von Sven Bogacz. Der Leiter der Polizeidirektion Süd meldete sich persönlich bei Domke. Der Fall hat nun oberste Priorität, der Staatsschutz ermittelt.

Diese direkten Angriffe von Rechtsextremisten auf das Privatleben von Menschen, die sich gegen Rechts engagieren, habe es lange nicht mehr gegeben. Rechte Strukturen hätten sich in den letzten Jahren immer mehr in Cottbus verfestigt, erklärte Domke.

Die Rechtsextremisten haben in Cottbus Firmen aufgebaut

Jetzt sei es „umso wichtiger, den Kampf gegen Neonazis und die Neuen Rechten zu intensivieren und noch aktiver fortzuführen“. In den vergangenen Monaten war sie mehrfach in den sozialen Medien verbal angegriffen und bedroht worden.

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Einschüchtern lässt sich die Grünen-Politikerin nicht – auch nicht durch die Attacke auf ihr Auto. „Ich habe keine Angst“, sagte sie am Montag.

Cottbus und die Lausitz sind das Zentrum der rechtsextremistischen Szene in Brandenburg. Der Verfassungsschutz spricht von einer toxischen Mischung aus Hooligans, Neonazis, rechten Rockern, Kampfsportlern und Unternehmern.

Anlegen wollte sich niemand offen mit ihnen – und das hat Folgen. Denn die Rechtsextremisten haben sich im Raum Cottbus eigene wirtschaftliche Grundlagen geschaffen – mit Sicherheitsfirmen, Tattoostudios, Kleidungsmarken, Labels für rechtsextremistische Musik, mit Reinigungsunternehmen, zuletzt sogar mit dem Kauf von Gasthäusern.