Rettungsplan für Berliner Traditionskino : Senat prüft Kauf von Colosseum-Komplex

Die Finanzverwaltung prüft den Erwerb des insolventen Kinos in Prenzlauer Berg durch das Land. Pankows Bezirksamt hofft auf Verhandlungen mit den Brauner-Erben.

Das Filmtheater Colosseum in Prenzlauer Berg ist derzeit für den Kinobetrieb geschlossen. 
Das Filmtheater Colosseum in Prenzlauer Berg ist derzeit für den Kinobetrieb geschlossen. Foto: Robert Klages

Der Berliner Senat prüft den Ankauf des Traditionskinos Colosseum. Dies teilte Pankows Bezirksamt in einer offiziellen Stellungnahme von Bürgermeister Sören Benn (Linke) und Wirtschaftsstadträtin Rona Tietje (SPD) mit.

Demnach habe sich das Bezirksamt am 2. Oktober an Wirtschaftssenatorin Ramon Pop (Grüne) gewandt und darum geworben, "sich gemeinsam mit dem Bezirksamt für die Rettung des Colosseums als langfristigen Kulturstandort einzusetzen und eine langfristige Perspektive für die kulturelle und öffentliche Nutzung des denkmalgeschützten Kinosaales sicherzustellen".

Die "behutsame und denkmalgerechte Weiterentwicklung" des Gebäudeensembles und die notwendige Schaffung von Büro- und Gewerbeflächen solle "auf jeden Fall den Erhalt des Colosseums beinhalten".

Das Colosseum an der Schönhauser Allee ist eines der ältesten Kinos Deutschlands. Es gehört der Erbengemeinschaft des Kino-Mäzens Artur Brauner. Im Frühjahr meldete diese Insolvenz für die Kino-Betreibergesellschaft an und stellte den Filmbetrieb ein. Danach wurde bekannt, dass schon seit Anfang 2019 Pläne für die Umgestaltung des Areals in Prenzlauer Berg zu einem Bürokomplex existieren. Ein entsprechender Bauvorbescheid wurde durch das Bezirksamt bereits ausgestellt.

Offenbar wollen die Erben das Grundstück weiterverkaufen, im Bezirksamt geht man von einem Wert im zweistelligen Millionenbereich aus. Der Bezirk Pankow will dies verhindern und den "Kulturstandort" Colosseum erhalten. Eine entsprechende Online-Petition fordert dies ebenfalls, sie hat inzwischen mehr als 10.000 Unterstützer gefunden.

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Laut Bezirksamt teilte Pops Büro nun mit, dass die  Senatsfinanzverwaltung derzeit "die bezirkliche Anfrage nach Mitteln für den Erwerb des Gebäudeensembles" prüfe. "Im Falle einer positiven Bescheidung sichert die für Wirtschaft zuständige Senatsverwaltung dem Bezirk ihre Unterstützung bei einer rechtskonformen Umsetzung des Vorhabens zu", so das Bezirksamt weiter.

Auf Tagesspiegel-Anfrage präzisierte Bürgermeister Benn: "Es gibt kein Vorkaufsrecht. Die Aufgabe ist, Optionen zu prüfen für den Fall, dass es eine Verkaufsbereitschaft an das Land zu einem realen Preis geben sollte." Das sei aber zunächst "rein theoretisch". Es gebe bisher keine Signale seitens der Eigentümer in diese Richtung.

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"Dennoch halten wir es für richtig, entsprechende Bereitschaften und Möglichkeiten des Landes Berlins zu eruieren", so Benn. Er hofft, dass die Pandemie dem Bezirk dabei in die Karten spielt: "Ich halte es für denkbar, dass ursprüngliche Interessenten jetzt gerade nicht oder nicht zum damals avisierten Preis oder für die avisierte Nutzung kaufen wollen, weil unklar ist, wohin sich der Markt entwickelt."

Darüber hinaus teilte das Bezirksamt mit, dass es am 29. September Gespräche "mit einem Beauftragten der Eigentümer" geführt habe. In dem Gespräch seien "die bezirklichen Interessen platziert" worden. Gleichfalls bat der Bezirk um baldige Gespräche zur inhaltlichen Gestaltung des Areals. Die Gesprächspartner sagten zu, dies den Eigentümern übermitteln zu wollen. Darüber seien "weder Festlegungen noch Vereinbarungen getroffen" worden. Weitere Gespräche haben seither laut Benn nicht stattgefunden.

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