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S-Bahn in Lichtenberg entgleist : Einschränkungen bis Montag bei S5, S7 und S75

Bis Montag gibt es starke Einschränkungen bei der S-Bahn. Am Mittwochabend war ein Zug  am Bahnhof Lichtenberg entgleist. Dabei wurde die Strecke beschädigt.

Eine Schiene hat sich von innen durch den Boden der S-Bahn gebohrt und ist dann durch die Scheibe gestoßen.
Eine Schiene hat sich von innen durch den Boden der S-Bahn gebohrt und ist dann durch die Scheibe gestoßen.Foto: Fabian Sommer/dpa

Am Mittwochabend ist ein Zug der S-Bahnlinie S75 am Bahnhof Lichtenberg entgleist, verletzt wurde niemand. Bis Montag kommt es aber zu erheblichen Einschränkungen auf der Stadtbahn, der Schaden an Gleisen, Weichen und Oberbau ist erheblich ist, auch nach Abtransport des entgleisten Waggons werden die Reparaturarbeiten einige Zeit in Anspruch nehmen.

So fahren die S5, S7 und S75 jetzt

Bis auf weiteres passiert nur die S7 auf dem freien Gleis die Unfallstelle im 20-Minuten-Takt. Die Linie S75 fährt nur zwischen Wartenberg und Lichtenberg (alle 20 Minuten). Die Linie S5 fährt von Mahlsdorf bis Wuhletal sowie zwischen Ostbahnhof und Westkreuz. Zwischen Wuhletal und Biesdorf verkehren Busse, dieser Abschnitt ist wegen einer anderen Baustelle gesperrt. Die Linie S7 fährt alle 20 Minuten zwischen Ahrensfelde und Potsdam Hauptbahnhof. Zwischen Ostkreuz und Potsdam  ist der Takt auf 10 Minuten verdichtet.

Fahrgäste mit den Zielen Wuhletal, Lichtenberg, Frankfurter Allee und Alexanderplatz könnten auf die U-Bahn-Linie 5 ausweichen. Der Sprecher des Fahrgastverbands Igeb, Jens Wieseke, forderte die BVG auf, auf der U5 mehr Züge fahren zu lassen, damit es einen 5-Minuten-Takt gibt. Derzeit fahren wegen Corona die Züge dort nur alle 10 Minuten.

Wie es zu dem Unfall kommen konnte

Der Unfall wirft einige Fragen auf: Wieso entgleist der hinterste Wagen eines Zuges bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Lichtenberg? Wieso steckt ein Stück Stromschiene in der Frontscheibe des Führerstands?

Möglich ist, dass eine Weiche unter dem fahrenden Zug aus dem Stellwerk heraus fälschlich gestellt wurde, wie bereits 2012 bei der Entgleisung einer S-Bahn in Tegel. Dafür spricht, dass es nur den letzten Waggon getroffen hat. Westlich des S-Bahnsteigs in Lichtenberg ist Richtung Nöldnerplatz ein Weichentrapez und ein Kehrgleis angeordnet. Hier geschah der Unfall.

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Klar ist aber auch: Es gibt derzeit Bauarbeiten im Bahnhof. Auf Fotos sind gestapelte Betonblöcke neben den Gleisen zu sehen. Als wahrscheinlich gilt, dass der Waggon die seitliche Stromschiene bei der Entgleisung aus der Verankerung riss.

Das Stück Schiene soll sich von unten durch den Wagenboden gebohrt haben und die Frontscheibe des hinteren Führerstandes von innen durchschlagen haben. Die Plastikabdeckung der seitlichen Stromschiene ist auf Fotos vom Unglücksort ebenfalls noch zu sehen.  Die Bundespolizei und das Eisenbahnbundesamt haben die Ermittlungen aufgenommen. Ein Anschlag gilt als ausgeschlossen. In der vergangenen Woche hatte eine gebrochene Fahrschiene in Lichtenberg den Betrieb stark behindert.  Zum Glück ist den etwa 30 Fahrgästen im Zug nichts passiert. Sie wurden nach Angaben der Feuerwehr in Sicherheit gebracht. Eine Kontrolle durch Sanitäter und Notärzte ergab, dass niemand verletzt wurde.

Bundespolizei ermittelt, ob Straftat vorliegt

Bei einem anderen gravierenden Unfall hatte 2001 ein Bagger eine fahrende S-Bahn bei Bauarbeiten nahe Südkreuz auf dem Ring aufgeschlitzt.

Im Fall der entgleisten S-Bahn in Lichtenberg sprang der letzte Waggon aus den Schienen und kippte seitlich weg. Der entgleiste Waggon sollte nach Abschluss der Ermittlungen mit einem Kran wieder in die Schienen gesetzt werden. Die Bundespolizei ermittelt, ob eine Straftat vorliegt.

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