Sicherheit in Berlin : S-Bahn richtet eigene Bahnwachen ein

Die S-Bahn richtet in Berlin feste Wachen für den Sicherheitsdienst ein - die erste eröffnet am Montag auf dem Bahnhof Gesundbrunnen.

Präsent. Die Sicherheitsmitarbeiter sollen in Wachen feste Plätze bekommen.
Präsent. Die Sicherheitsmitarbeiter sollen in Wachen feste Plätze bekommen.Foto: M Wolff

„Sicher ist sicher“ heißt es jetzt bei der S-Bahn. Damit gewährleistet ist, dass die Mitarbeiter des konzerneigenen Sicherheitsdienstes auf zentralen Knotenpunkten ständig zu erreichen sind, richtet das Unternehmen Bahnwachen ein. Die Premiere findet am Montag im Bahnhof Gesundbrunnen statt. Weitere Bahnhöfe sollen folgen, vor allem Umsteigestationen. Ob es auch mehr Personal geben wird, wollte die Bahn noch nicht verraten

Wichtig sei, dass Fahrgäste im Fall eines Falles wissen, wo sie Hilfe bekommen, heißt es bei der Bahn: Nämlich bei der Bahnwache. Sie soll an die schon vorhandenen Informationsschalter angegliedert werden. Wenn die Mitarbeiter unterwegs auf Streife sind, sind sie telefonisch erreichbar. Die Nummer gibt’s am Schalter.

Die S-Bahn habe im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg ihr Sicherheitskonzept weiterentwickelt und die Sicherheitsleistungen erheblich ausgedehnt, heißt es in einer Mitteilung. Die Details will die Bahn am Montag nennen.

Das subjektive Sicherheitsgefühl soll verbessert werden

Schon heute seien Bahnhöfe sicherer als der Aufenthalt auf den Straßen, betonen die Bahn und die BVG. Durch die Bahnwachen solle sich vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl verbessern.

Sicherheit versprechen sich die Verkehrsunternehmen auch durch den Einsatz von Kameras. Die BVG lässt in allen U-Bahnhöfen filmen; auch in den Gängen und Zwischengeschossen. Alte Technik wird nach und nach durch moderne ersetzt. Auch die S-Bahn baut ihr System aus. Aufnahmen in hoher Qualität haben bereits mehrfach dazu geführt, dass Täter festgenommen werden konnten. Entweder waren sie erkannt worden oder sie hatten sich nach dem Veröffentlichen der Aufnahmen gestellt, weil ihnen klar war, dass man ihnen auf die Spur kommen wird.

Messbar ist für die BVG der Kameraeinsatz beim Vandalismus. Seit in den Bussen und Bahnen sowie in den Stationen systematisch aufgezeichnet wird, hat die Zahl der Schäden abgenommen.

Die Unternehmen setzen aber auch auf Technik, weil sie das früher vorhandene Personal von den Bahnsteigen abgezogen haben – die BVG schon seit langem und die S-Bahn seit zwei Jahren. Für die 166 Stationen gibt es nur noch 21 mit so genannten Stammaufsichten. Zum Personalabbau bei der S-Bahn hatte nach 2004 sogar der damalige Senat geraten.

Die S-Bahn wird von der Bundespolizei unterstützt

Die BVG hat inzwischen auf einigen Bahnhöfen wieder Personal stationiert. Die Mitarbeiter sollen aber vor allem Auskünfte geben. Häufig sitzen sie allerdings tatenlos in ihren Räumen, statt über den Bahnsteig zu schlendern

Sicherheit sollen auch Streifen vermitteln. Die S-Bahn wird dabei von der Bundespolizei unterstützt, die bei der Bahn die Rolle der früheren Bahnpolizei übernommen hat. Beide Seiten haben eine „Sicherheitspartnerschaft“ vereinbart. Stark präsent ist die Bundespolizei unter anderem auf den Bahnhöfen und in den Zügen, wenn im Olympiastadion Fußball viele Zuschauer anlockt.

Auch bei der BVG gehen inzwischen wieder Polizisten gemeinsam mit Mitarbeitern des Ordnungsdienstes auf Streife. Das gemeinsame Patrouillieren war 2003 aufgegeben worden, um Geld zu sparen. Jahrelang hatte die BVG darum gebeten, die Doppelstreifen wieder einzuführen. Vor knapp einem Jahr kehrten sie zurück – und sind auch nachts unterwegs.

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Gewalttat zu werden, ist gering

Auch hier geht es vorwiegend darum, das subjektive Sicherheitsgefühl zu verbessern. Denn die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Gewalttat zu werden, ist gering. Statistisch müsste ein Fahrgast, der täglich unterwegs ist, rund 900 Jahre fahren, bis es ihn erwischt, hat BVG-Chefin Sigrid Nikutta ausrechnen lassen. Es kann aber auch schnell passieren.

Anders als in einigen anderen Städten gibt es in Berlin keine Pflicht, Sicherheitspersonal auch in den Zügen einzusetzen. In Frankfurt (Main) fährt täglich nach 21 Uhr in den S-Bahnen ein Sicherheitsmitarbeiter mit, der sich stets im ersten Wagen aufhält. Der Vorschlag des damaligen Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler (CSU), grundsätzlich in den Bahnen Wachleute mitfahren zu lassen, und dafür einen „Sicherheitsaufschlag“ von zehn Cent auf jedes Ticket zu erheben, war 2008 verpufft.

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Und die Bahnwache bei der S-Bahn kommt jetzt sogar gratis – zumindest für den Fahrgast.

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