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Bis zum 10. Januar heißt es in Berlin für Schülerinnen und Schüler: Homeschooling.
© imago images/HMB-Media

Notbetreuung und „präsenzfreier Unterricht“: So soll es nach den Weihnachtsferien an Schulen und Kitas in Berlin weitergehen

Kinder sollen bis 10. Januar zu Hause lernen. Für Grundschüler soll eine Notbetreuung eingerichtet werden. Kitas zu schließen, ist zurzeit nicht geplant.

Berlin bereitet sich auf einen harten Lockdown vor, und davon bleiben auch die Schulen nicht unberührt. Bis zum 10. Januar sollen die Kinder und Jugendlichen nicht regulär in die Schulen gehen.

Von einer Verlängerung der Weihnachtsferien ist allerdings nicht mehr die Rede. Stattdessen heißt es jetzt aus der Senatsbildungsverwaltung, dass in der Woche vom 4. bis zum 10. Januar „präsenzfreie Unterrichtstage“ stattfinden sollen.

Lehrkräfte sollen den Schülern „Lernangebote“ machen, ihnen also Aufgaben zur Verfügung stellen oder digitalen Unterricht durchführen.

Die Lehrerinnen und Lehrer seien in der Zeit im Dienst, sagte ein Sprecher der Senatsbildungsverwaltung. Für den Kitabereich gebe es bisher keine Pläne für Schließungen. Nach dem 10. Januar soll an den Schulen wieder der Corona-Stufenplan greifen.

Ab einer gesamtstädtischen Inzidenz von 200 Neuinfektionen pro Woche könnten weiterführende Schulen mit nicht abschlussrelevanten Klassen freiwillig in den Hybridunterricht wechseln.

Schulen, die im Stufenplan als „rot“ eingestuft werden, wechseln mit allen Jahrgängen in den Hybridunterricht. Das bedeutet in der Regel, dass Klassen geteilt werden, und die Gruppen im Wechsel zu Hause und in der Schule unterrichtet werden.

Die Maßnahmen stehen noch unter dem Vorbehalt, dass sie nächsten Dienstag vom Senat beschlossen werden, doch das gilt als ziemlich sicher.

Eltern und Schulleiter forderten „Lockdown plus Bildung“

Für Grundschüler soll eine Notbetreuung angeboten werden, für die, „die einen dringenden Bedarf“ haben, wie der Sprecher der Bildungsverwaltung sagte. Ob es eine Einschränkung auf Eltern mit systemrelevanten Berufen gibt wie in der ersten Phase des Lockdowns im Frühjahr, steht offenbar noch nicht fest.

Vertreter von Schulleiterverbänden und der Landeselternausschuss (LEA) begrüßten, dass es in der Lockdown-Woche Lernangebote geben soll. Das Bündnis Corona Bildungspakt, dem neben LEA auch die GEW und Schulleiterverbände angehören, hatte schon am Dienstag für den Fall von Schulschließungen einen „Lockdown plus Bildung“ gefordert.

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Der einhellige Tenor bei den befragten Schulleitern: Gerade die Erfahrung nach den Herbstferien, als die Infektionszahlen an den Schulen stiegen, habe gezeigt, dass ein Puffer nach den Ferien sinnvoll sei.

Sven Zimmerschied, Leiter der Friedensburg-Schule in Charlottenburg und stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung der Berliner Sekundarschulleiter, sagte, dass an seiner Schule Online-Unterricht weitgehend nach Stundenplan stattfinden solle. Die Erfahrung aus dem ersten Lockdown habe gezeigt, dass es wichtig sei, den Schülern eine Tagesstruktur zu geben.

Auch Ralf Treptow, Vorsitzender der Berliner Vereinigung der Oberstudiendirektoren, hält die Entscheidung, die Schulen eine Woche weitgehend zu schließen, für sinnvoll. Er hoffe, dass danach wieder Präsenzunterricht möglich sei, da alles andere weniger effektiv sei, und Schulen auch als sozialer Ort eine wichtige Funktion hätten.

Kinder mit familiären Problemen können in Neukölln zur Schule kommen

Astrid-Sabine Busse, Leiterin der Grundschule in der Köllnischen Heide in Neukölln und Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen, sagte, dass Lehrkräfte, Erzieher und Sozialarbeiter in der Schule arbeiten und die Kinder online, telefonisch und durch direkte Einzelkontakte begleiten werden.

Neben einer Notbetreuung will sie ermöglichen, dass Kindern in die Schule kommen können, die es – etwa wegen familiärer Probleme – nötig hätten. „Und wir werden den Kindern Pakete mit Aufgaben geben, in denen sie auch Überraschungen finden, zum Beispiel etwas zum Basteln oder ein Rezept. Wir wollen schöne Momente schaffen.“

Auch wenn der Senat bisher keine Kitaschließungen plant, gibt es Appelle, dass Eltern, die nicht zwingend auf die Kita angewiesen sind, ihre Kinder zu Hause lassen. „So würden Eltern das System entlasten, das momentan durch Personalengpässe angespannt ist“, sagt Babette Sperle vom Dachverband der Kinder- und Schülerläden.

Kitas bleiben weiterhin offen

Falls es doch zu Kita-Schließungen kommt, sieht Corinna Balkow vom Landeselternausschuss Kita die Arbeitgeber in der Pflicht. „Betriebsferien wären durchaus angesagt“, sagt Balkow. Denn Eltern mit betreuungspflichtigen Kindern hätten in den vergangenen Monaten einen Karriereknick erlebt.

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Arbeitnehmer ohne Betreuungsaufgaben hingegen hätten „durchstarten“ können: sie seien auf Online-Konferenzen gewesen, hätten Zeit gehabt für Weiterbildungen – im Gegensatz zu Eltern mit Pflegeaufgaben. „Es liegt an den Unternehmen dafür jetzt einen Ausgleich zu schaffen.“

Eine Umfrage des Landeselternausschusses ergab, dass sich die Hälfte der 660 befragten Eltern im Falle von Kitaschließungen eine flexible Corona-Elternzeit und eine Kindergeld-Erhöhung auf 1000 Euro pro Monat wünscht. Ein solches einkommensunabhängiges Kindergeld hatte die Initiative Kitakrise bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr gefordert.

Rund 23 Prozent der befragten Eltern geben an, eine zusätzliche im besten Fall durch das Jugendamt finanzierte Tagespflege zu brauchen, sollten Kitas nach Weihnachten schließen.

Nicht nur der Beruf der Eltern dürfe eine Rolle spielen

„Wenn der Berliner Senat entscheidet, dass die Kitas in der Hauptstadt erneut in den Notbetrieb gehen müssen, werden wir auf die Erfahrungen und Abläufe aus dem Frühjahr zurückgreifen. Als Träger haben wir eine Verantwortung dafür, dass sich die Pandemie nicht weiter ausbreitet aber auch ine Verantwortung für die von uns betreuten Kinder", sagte Stefan Spieker, Geschäftsführer FRÖBEL Bildung und Erziehung gGmbH.

"Wir appellieren an den Berliner Senat und alle anderen Landesregierungen, noch einmal genau zu prüfen, welche Kinder im Lockdown in die Kita dürfen. Nicht nur der Beruf der Eltern, sondern auch das Kindeswohl muss hier eine Rolle spielen", sagte Spieker weiter.

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Martin Hoyer, stellvertretender Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, rechnet nicht mit einer vollständigen Schließung. „Aber wenn das Ziel des Lockdowns ist, die Stadt herunterzufahren, müssen auch Kontakte in den Kitas reduziert werden“, sagt er.

Er könnte sich für die Zeit zwischen den Jahren sowie bis zum 10. Januar eine Art Hybridbetrieb vorstellen: Die Kinder, die nicht zu Hause betreut werden können – etwa, weil die Eltern im Gesundheitssystem tätig sind – sollen auch weiterhin in Kitas betreut werden können. Möglichst viele Kinder sollen jedoch zu Hause bleiben. Ein konkretes Konzept will der Paritätische Wohlfahrtsverband in den kommenden Tagen ausarbeiten.

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