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Horst Amann will die Wahrheit über den BER „schonungslos“ auf den Tisch bringen.
© dpa

Flughafen-Desaster: Technikchef klagt über "fast grauenhafte Probleme" beim BER

Technik-Chef Horst Amann ist der starke Mann auf der Airport-Baustelle. Er findet klare Worte, eckt gerne an, teilt gerne aus. Doch nun bröckelt auch sein Image.

Über die BER-Baustelle hat der Mann klare Worte gefunden. Doch hinsichtlich eines Zeitplanes für die Flughafeneröffnung will sich der für den Bau zuständige Geschäftsführer Horst Amann ganz und gar nicht festlegen. „Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig. Und zwar so gravierend, fast grauenhaft, dass die Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, notwendig waren“, sagte Amann am Dienstagmorgen seinem ehemaligen Heimatradiosender, dem Hessischen Rundfunk. Auf Nachfrage in Berlin wollte sich der 59-Jährige nicht äußern.

Der Zeitplan könne nicht eingehalten werden, weil die Mängel im Verborgenen lägen, „und wir beispielsweise nicht mehrere hunderttausend Quadratmeter Decken aufreißen konnten“, sagte Amann. Keiner könne ihn zwingen, sich jetzt auf einen neuen Eröffnungstermin einzulassen. Erst müsse die Wahrheit „schonungslos“ auf den Tisch. Danach müsse man in Abstimmung mit den Behörden sehen, was „planerisch und baulich“ notwendig sei. Dies dauere ungefähr ein halbes Jahr.

Wie viel Zeit Amann haben wird, kann sich am nächsten Mittwoch entscheiden. Wenn, wie erwartet, der bisherige Sprecher der Geschäftsführung, Rainer Schwarz, vom Aufsichtsrat entlassen wird, müsste Amann auch diesen Job übernehmen, falls das Gremium nicht noch einen anderen Kandidaten präsentiert. Gespräche gibt es nach Tagesspiegel-Informationen immerhin. So soll auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, der Betreibergesellschaft des Flughafens in Frankfurt am Main, Wilhelm Bender, im Rennen sein. Auch eine Frau oder ein Mann fürs Finanzielle wird gesucht. Wird man fündig, könnte auch der Finanzer die Sprecherrolle übernehmen und Amann entlasten.

Kaum vorstellbar ist, dass die strauchelnde Flughafengesellschaft über einen längeren Zeitraum allein von Amann geführt werden könnte. Es gab Zeiten, da waren es drei Geschäftsführer. Doch der Bund hat bereits den Antrag eingebracht, Schwarz auf der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats am 16. Januar abzulösen. Die Vertreter Brandenburgs, die bisher im Gremium wie die Berliner dagegen waren, wollen nach Tagesspiegel-Informationen zustimmen, und auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat inzwischen zu erkennen gegeben, dass Schwarz nicht mehr zu halten ist. Um Schwarz abzulösen, reicht eine einfache Mehrheit im Aufsichtsrat.

Dabei nimmt man auch in Kauf, dass Schwarz eine hohe Abfindung erhalten wird, denn sein Vertrag läuft noch bis 2016. Angesichts der mindestens 1,2 Milliarden Euro Mehrkosten, die es bis jetzt gibt, sei dies zu verschmerzen, heißt es bei den Verantwortlichen. Schwarz sei jedenfalls nicht mehr zu halten, auch wenn er versucht habe, die Verantwortung fürs Desaster stets auf andere abzuwälzen.

Schlussphase "aus dem Ruder gelaufen"

In der Verantwortung steht jetzt auch Amann. Er war es, der am Freitag die Briefe mit der Botschaft, dass der Eröffnungstermin im Oktober nicht mehr zu schaffen ist, an die Gesellschafter geschickt hatte. Im Mai, als nicht mehr zu verheimlichen war, dass der damalige Eröffnungstermin im Juni 2012 platzen würde, rief Schwarz noch direkt bei Wowereit an. Amann war noch in Frankfurt.

Der Flughafen braucht nach einer Ablösung von Schwarz aber auch schnell einen weiteren Geschäftsführer, weil zweifelhaft ist, ob Amann der richtige Mann für den Chefposten ist. Als Machertyp, aber auch redegewandt und humorvoll, wenn es die Situation erlaubt, erschien Amann zunächst auf der Berliner Bühne – gekommen vom Flughafen in Frankfurt am Main. Dort war er unter anderem für den Bau der vierten Landebahn zuständig. Und zuvor war er bei der Bahn verantwortlich für den Bau der Schnellfahrstrecke Frankfurt–Köln. Eine kaufmännische Erfahrung fehlt dem Tiefbauer.

Und inzwischen bröckelt auch sein Image. Nicht nur, weil er in Schönefeld vielleicht doch etwas zu forsch gestartet war und sich auf den Oktober 2013 als Eröffnungstermin eingelassen hatte, ohne die Probleme voll erkannt zu haben. Das Bauvorhaben sei in der entscheidenden Schlussphase „etwas aus dem Ruder gelaufen“, sagte er noch im September. Kabeltrassen müssten neu sortiert, die Entrauchungsanlage teils umgebaut werden, aber das sei alles beherrschbar. Wirkliche Probleme bereite nur die Programmierung der Brandschutztechnik, dies aber sei Sache der Firmen.

Im November geriet Amann erstmals in die Defensive. Das für die Brandschutzplanung zuständige Ingenieurbüro hhp schrieb, der Eröffnungstermin sei „kritisch“. Nötige Umbauten und die Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde im Landkreis würden mehr Zeit als geplant beanspruchen. Amann sei von dieser Einschätzung „überrascht“ worden, hieß es. Trotzalledem bedauert Amann nicht, dass er den Job übernommen hat. Der BER werde ein „toller Flughafen“, sagt er am Dienstag. Er wolle weiter alles tun, damit der Airport nun schnellstens fertig werde.

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