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Überfüllte Züge an Pfingsten : Radfahrer müssen draußen bleiben

Auch am Pfingstmontag endeten einige Ausflüge mit der Bahn im Chaos. Vor allem Radfahrer passten nicht mehr in übervolle Züge.

Halt in Fürstenberg / Havel. Diese Radfahrer durften nicht mehr mitfahren in RE4363 nach Berlin.
Halt in Fürstenberg / Havel. Diese Radfahrer durften nicht mehr mitfahren in RE4363 nach Berlin.Foto: Jörn Hasselmann

Die erste Durchsage kam kurz vor dem Halt in Fürstenberg/Havel. Eine Schaffnerin bat die Reisenden im RE5 darum, alle Körbe und Satteltaschen von ihren Fahrrädern abzunehmen, damit mehr Räder in den Waggon passen. Der Zug RE4363 war am Pfingstmontag gegen 14.30 Uhr schon fast voll in Rostock abgefahren.

In Güstrow und Waren stiegen weitere Ausflügler zu, schon jetzt war kein Durchkommen mehr durch die Fahrradabteile des Regionalzugs, auch die Treppen waren voll mit sitzenden Fahrgästen. Wer zur Toilette wollte, musste teilweise springen oder drängeln.

Um kurz nach 16 Uhr fuhr der Regionalzug in Fürstenberg ein – dem Bahnhof, an dem bereits am Sonntag vor Pfingsten 80 Radfahrer nicht mehr mitkamen. Das wiederholte sich am Pfingstmontag: Gut 20 Räder passten nicht mehr in den Zug. "Raus aus dem Türbereich", brüllte die Schaffnerin, dann fuhr der Zug los. In Dannenwalde und Gransee mussten weitere Radfahrer zurückbleiben.

Kein Durchkommen mehr in RE4363 schon kurz hinter Rostock.
Kein Durchkommen mehr in RE4363 schon kurz hinter Rostock.Foto: Jörn Hasselmann

Chaotisch wurde es dann in Oranienburg. Obwohl hier auch die S-Bahn nach Berlin fährt, wollten Dutzende Fahrgäste einsteigen, doch fast niemand kam mehr mit. Hier patrouillierten mehrere Bundespolizisten auf dem Bahnsteig. Sie kennen die Situation von vorherigen Wochenenden mit schönem Wetter.

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Regelmäßig sind die Züge zu voll. Verschärft wurde die Situation am Montag durch den Umstand, dass der Zug keinen richtigen Fahrradwagen hatte, bei dem im unteren Deck auf einer Seite keine Sitze sind. In diese Wagen passen deutlich mehr Fahrräder als in die herkömmlichen Wagen mit kleinem Sonderabteil.

Aus Sicht von Igeb-Sprecher Jens Wieseke ist die Situation in den Ostseezügen auch der "durch die verfehlte Bahnreform verursachte Vermischung von Fern- und Regionalverkehr" geschuldet. Dreistündige "Reisen an die Ostsee sind kein Regionalverkehr", sagte Wieseke. Tatsächlich haben die eingesetzten Waggons kaum Platz für Gepäck. Die Ablagen über den Sitzen sind so schmal, dass eine Aktentasche hineinpasst, aber kein normales Reisegepäck. So versperrten am Montag nicht nur Fahrräder die Fluchtwege, sondern auch viele große Rollkoffer. Auf einen Tweet des Tagesspiegels antwortete die Bahn am Pfingstmontag sofort so: "Aus Sicherheitsgründen können nicht unbegrenzt Fahrräder und Reisende mitgenommen. Ich kann hier im Sinne Ihrer Sicherheit nur um Verständnis bitten." In einer weiteren Antwort hieß es dann: "Im Regionalverkehr verkehren die Züge in dem Umfang, wie der Aufgabenträger es bestellt und bezahlt. Ausnahmen treten nur dann auf, wenn es auf Grund von geplanten Wartungsarbeiten und kurzfristigen Reparaturen zu Engpässen kommt."

Am Sonntag nach Himmelfahrt waren wegen Personalmangels bei der Bahn gerade die zwei Extra-Züge ausgefallen, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg seit kurem erst bestellt hat, um den hohen Andrang zu bewältigen. Diese fahren an Sonntagnachmittag und -abend von der Ostsee bzw. Neustrelitz kommend nach Berlin.

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