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Der "Neue" bei der Vorstellung bei der BVG. Bald soll er auf der 100er-Linie fahren. 

© Jörn Hasselmann

Appell an die BVG: Verdi will keine türkischen Doppeldecker in Berlin

Verdi sorgt sich um die Qualität der Berliner Doppeldecker-Busse – weil die angeblich in der Türkei gebaut werden sollen. Stimmt nicht, versichert die BVG.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat sich mit einem Appell an die Berliner Verkehrsbetriebe gewandt. Nach Informationen der Gewerkschaft sollen bereits die ersten 28 der 200 bestellten Busse in der Türkei gefertigt werden. Mit dieser "Produktionsverlagerung in ein nicht-europäisches Land ist der von der BVG selbst auferlegte Qualitätsstandard nicht gewährleistet", teilte Verdi mit. Die Gewerkschaft forderte die BVG auf, sich beim Hersteller für eine Produktion in England einzusetzen.

Die BVG hat, wie berichtet, den Großauftrag für neue Doppeldecker an die britische Firma Alexander Dennis (ADL) erteilt. Vor drei Wochen hatte die BVG die ersten beiden Prototypen vorgestellt. Im kommenden Jahr sollen 25 Fahrzeuge geliefert werden, der große Rest von 173 Bussen erst 2022.

Verdi teilte nun mit, dass eines der britischen ADL-Werke, nämlich das für die Chassis, am Freitag geschlossen worden sei. Im Mai 2019 wurde die Firma ADL von dem kanadischen Unternehmen New Flyer aufgekauft. "Es wurde umgehend mit einer Umstrukturierung begonnen, wozu die Ausgründung der BVG-Doppeldeckerproduktion in die Türkei gehört", schrieb Verdi und berief sich auf Informationen der britischen Gewerkschaft "Unite".

Schon bei der Übergabe der ersten beiden Doppeldecker an die BVG im Oktober hatte es entsprechende Gerüchte gegeben. ADL-Sprecher Stefan Baguette hatte dazu lediglich gesagt: „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen."

BVG: Fertigung in der EU vertraglich vereinbart

BVG-Sprecherin Petra Nelken versicherte dem Tagesspiegel am Sonnabend, dass die Busse nicht in der Türkei gebaut werden. Es sei Bestandteil des Kaufvertrages, dass die Fahrzeuge "in einem Mitgliedsstaat der EU" gefertigt werden. Die ersten 28 Busse werden nach Angaben der BVG, anders als von Verdi behauptet, sogar noch in England gebaut.

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Der Vorstand der BVG hatte im Oktober 2018 beschlossen, die Abnahme von 198 Fahrzeugen zuzusagen, wenn sich die beiden Prototypen bewähren. Möglich ist laut Rahmenvertrag von 2018 die Abnahme von bis zu 430 Bussen, diese Zahl war zuletzt von der BVG aber nicht mehr genannt worden.

Diesel-Doppeldecker als Notlösung dringend benötigt

Ein Grund dürfte sein, dass die ADL-Doppeldecker mit Dieselmotor geliefert werden. Zwar kauft die BVG seit einiger Zeit Eindecker und Gelenkbusse nur noch mit Elektroantrieb, diese Technik ist bei den schweren Doppeldeckern aber weltweit noch nicht serienreif. Die BVG ist dringend auf neue Fahrzeuge angewiesen, da viele Jahre keine neuen bestellt wurden. Von einst vorhandenen 400 Doppeldeckern der deutschen Firma MAN fahren nur noch 200, der Rest ist abgestellt oder schon auf dem Schrottplatz gelandet.

"Ich bin ein Berliner" - so war der 1. Doppeldecker bei der Vorstellung geschmückt.

© Jörn Hasselmann

Seit Jahren gab es Gerüchte, dass Alexander Dennis wegen des nahenden Brexits versucht, die Produktion zu verlagern. Die Firma liefert weltweit Fahrzeuge in großer Stückzahl. In der Türkei dürfe aber nicht für Berlin produziert werden, forderte Verdi. Dort seien "Grundwerte wie gute Arbeitsbedingungen, Arbeitnehmerrechte und Meinungsfreiheit seit Jahren rückläufig", sagte Andrea Kühnemann, die stellvertretende Landesbezirksleiterin.

Sie warf ADL "intransparente Informationen" vor. Verdi sei "solidarisch an der Seite von 2000 Beschäftigten in Großbritannien, deren Existenz und Zukunft an der Produktion von bis zu 430 Doppeldecker Omnibussen hängt", erklärte Kühnemann. Wieso diese Solidarität nicht für türkische Arbeiter gilt, teilte Verdi nicht mit.

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