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Winterwetter in Berlin: Unfallkrankenhaus meldet „deutlich erhöhte Patientenzahl“ durch Glatteis – Lebensgefahr auf Seen
Erst wurden die Straßen in Berlin nach Schneefall und Regen spiegelglatt. Auf den Gewässern bringt das Tauwetter nach der großen Kälte nun Gefahren.
Stand:
Glatteis durch etwas Schnee und Regen auf dem sehr kalten Untergrund hat in Berlin am Dienstag zu Einschränkungen geführt. Auf den glatten Straßen ging es vielerorts nur langsam voran. Viele Menschen verletzten sich bei Stürzen.
In der Rettungsstelle des Unfallkrankenhauses Berlin habe es in der Nacht zu Dienstag ein „deutlich erhöhtes Patientenaufkommen“ durch Glätteunfälle gegeben, sagte Sprecherin Angela Kijewski auf Nachfrage. Am Morgen habe sich die Lage zwar etwas beruhigt, es erreichten jedoch auch weiterhin vermehrt Rettungswagen das Krankenhaus, sodass die Zahl der Verletzten im Laufe des Tages noch steigen dürfte. Eine konkrete Zahl der Glätteverletzten nannte Kijewski nicht.
Die Situation sei extrem belastend für das Team der Rettungsstelle und auch das sonstige Personal, sagte die Sprecherin. Schon vor den Weihnachtsfeiertagen seien vermehrt Glätteopfer ins Unfallkrankenhaus gekommen, hinzu seien dann die Bölleropfer aus der Silvesternacht sowie nun in den vergangenen Tagen weitere Verletzte durch Glätteunfälle gekommen. Eine höhere Zahl an Influenza-Patienten sowie vermehrte Infektionen der Mitarbeitenden erschwerten die Lage weiter, sagte Kijewski. „Wir sind maximal belastet.“
Die Sprecherin rief die Berlinerinnen und Berliner auf, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben, oder auf geeignete Schuhe zu achten. Kijewskis Tipp: Spikes, die sich unter die Schuhe spannen lassen und vor dem Ausrutschen schützen. Auf das Fahrradfahren sollte man bei glatten Straßen am besten verzichten, „vor allem wenn es dann auch noch ohne Helm ist“, sagte die Sprecherin.
Weniger Blutspenden in Berlin und Brandenburg
Das Winterwetter und die Infektionswelle haben auch zu einem erheblichen Einbruch bei den Blutspenden in Berlin, Brandenburg und Sachsen geführt. „Die Situation spitzt sich zu, die Versorgungslage ist auf sehr niedrigem Niveau“, sagte Kerstin Schweiger vom DRK-Blutspendedienst Nord-Ost. Besonders die Konserven aus Blutplättchen sind demnach nur etwa vier Tage haltbar und müssten durchgehend aufgefüllt werden.
Sie appellierte an alle gesunden Menschen, jetzt Blut zu spenden. „Nun ist ein perfekter Zeitpunkt für Erstspender, sich an der lebensrettenden und solidarischen Aktion zu beteiligen“, betonte Schweiger.
Polizei registriert etwas mehr Verkehrsunfälle
Die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) warnte am Dienstagmorgen auf der Plattform „Bluesky“: „Bitte bewegt euch vorsichtig, besonders auf den Nebenstraßen und Gehwegen ist es spiegelglatt!“
Die Berliner Polizei registrierte nur etwas mehr Verkehrsunfälle, wie ein Polizeisprecher sagte. 125 Meldungen von Unfällen gingen bei der Polizei von der Nacht bis 11 Uhr ein. Im Vergleichszeitraum vor einer Woche waren es 99 Unfallmeldungen.

© dpa/Jens Kalaene
Zudem war der Tiergartentunnel zeitweise gesperrt. Nachdem er seit dem späten Montagabend geschlossen war, musste vor der Freigabe zunächst die Fahrbahn von Eis befreit werden, teilte die VIZ mit. Das gestaltete sich etwas komplizierter, weil die Fahrbahn in den Tunnel bergab führe, hieß es. Nachdem die BSR den Tunnel ein zweites Mal befahren hatte, konnte er am Dienstagmittag freigegeben werden.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte eine amtliche Unwetterwarnung vom späten Montagabend bis zum Dienstagmorgen herausgegeben. Anschließend wurde bis zum Mittag noch vor „markanter Glätte“ gewarnt. Es bestehe erhöhte Glättegefahr durch gefrierende Nässe, hieß es.
Vereinzelt Verspätungen bei der BVG
„Bitte seid vorsichtig und informiert euch vor Fahrtantritt über mögliche Verkehrseinschränkungen“, riet auch die BVG ihren Fahrgästen am Morgen. Im Nachtverkehr habe es zunächst nur geringe Einschränkungen gegeben. „Durch zunehmende Glätte ging es am Morgen auf den Straßen vielerorts nur langsam voran“, teilte die BVG mit. Davon seien auch die BVG-Busse betroffen gewesen. Es hätten aber nur vereinzelt Streckenabschnitte wegen Eisglätte vorübergehend gesperrt werden müssen.
Verspätungen gab es am Dienstagmorgen nach BVG-Angaben auch auf einigen Straßenbahnlinien durch vereiste Oberleitungen. Auch auf oberirdischen Abschnitten der U2 und U3 kam es demnach zeitweise zu Verspätungen durch Eis auf den Stromschienen. Ein Spezialzug der BVG war im Einsatz, um die Eisschicht zu beseitigen.
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Seit 9 Uhr rolle der Verkehr auf den BVG-Linien ohne witterungsbedingte Einschränkungen, teilte die BVG am Mittag mit. Lediglich der Fährverkehr sei wegen Eis auf den Gewässern noch eingestellt. Das Unternehmen dankte der BSR, die mit allen Kräften im Einsatz gewesen sei.
Bei der S-Bahn kam es am Dienstagmorgen laut Angaben auf der Webseite nicht zu wetterbedingten Störungen. Am Montag hatten witterungsbedingte Reparaturen an mehreren Weichen in der Stadt zu Verspätungen geführt.
Berliner Polizei warnt vor Betreten von Seen
Folgen für den Schulbetrieb hatte das Glatteis – anders als in Brandenburg – nicht. Der Unterricht finde regulär statt, teilte die Bildungsverwaltung mit. Die sogenannte Präsenzpflicht in der Schule wurde also nicht aufgehoben.
Allerdings kommt auf Berlin nun noch eine weitere Gefahr zu: Angesichts des Tauwetters warnt die Polizei vor Lebensgefahr auf zugefrorenen Seen. „Betreten Sie keine Eisflächen“, schrieb die Behörde. Die gefrorenen Gewässer verlören mit den steigenden Temperaturen rasch ihre Tragfähigkeit. „Was gestern noch sicher wirkte, kann heute schon tückisch und dünn sein.“
Besonders im Uferbereich und an Stellen mit Strömungen werde es zuerst kritisch. Kinder sollte man nicht ohne Aufsicht an Gewässern spielen lassen und auch andere Menschen warnen. „Ein Schritt aufs Eis kann einer zu viel sein.“
Der Dienstag verläuft in der Region laut DWD neblig-trüb mit vereinzelten Regenfällen. Die Temperaturen erreichen null bis vier Grad. Eis und Schnee schmelzen laut Wetterdienst nur zögerlich ab, da die Böden weiter gefroren sind.
Trüb und bedeckt geht es in der Nacht zum Mittwoch weiter, vereinzelt fällt Regen. Dadurch kann es örtlich wieder zu gefrierender Nässe kommen, was für Glätte sorgt. Es kühlt ab auf zwei bis null Grad. Der Mittwoch wird bedeckt und regnerisch mit Höchstwerten zwischen vier Grad in der Uckermark und sieben Grad in der Elbe-Elster-Niederung.
In der Nacht zum Donnerstag stehen dichte Wolken am Himmel, zeitweise fällt leichter Regen, dazu kann es neblig werden. Die Temperaturen sinken auf zwei bis minus ein Grad. Sonne gibt es am Donnerstag nur vorübergehend, ansonsten sind Wolken und gebietsweise Hochnebel angekündigt. Die Temperaturen steigen auf zwei bis sechs Grad. (mit dpa)
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