Abhängig vom Smartphone : „Wem schreibst du denn? Wir sind doch alle hier“

Die Eltern regen sich auf, die Uni erfordert Konzentration – doch niemand kann es zur Seite legen. Ein Generationen-Gespräch über Tücken des Smartphones.

Kim Jüditz
Ins Handy vertieft – und ins Gespräch: Claudia Seiring (links) und Kim Jüditz.
Ins Handy vertieft – und ins Gespräch: Claudia Seiring (links) und Kim Jüditz.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Am Anfang war das Gespräch: Redakteurin Claudia Seiring und Praktikantin Kim Jüditz unterhielten sich über ihre Smartphones – und darüber, wie sehr sie ihnen verfallen sind. Dabei stellte sich heraus, dass beide eine gewisse Abhängigkeit zu dem Gerät fühlen – auf unterschiedliche Art und Weise. Außerdem wurde klar, dass es in beiden Familien immer wieder – auch genervte – Diskussionen über die „angemessene“ Handynutzung gibt.

Kim ist 20, die beiden Söhne von Claudia sind 21 und 18 Jahre alt. Kims Mutter ist derselbe Jahrgang wie Claudia. Nach dieser Erkenntnis beschlossen beide, über das Thema „Smartphone“ ausführlicher zu diskutieren. Während des Dialogs wurde immer deutlicher, wie vielschichtig das Thema ist und wie vielfältig es sie betrifft. Das „Gespräch“ führten die beiden schriftlich. Also recht altmodisch.

Claudia: Liebe Kim, das freut mich, dass Du Lust hast, mit mir über das leidige Thema „Handy“ zu sprechen. Ich bin manchmal so genervt, wenn meine Kinder da rein starren. Und dann stelle ich fest, dass ich selber durch das Ding total abgelenkt bin. Wir haben in unserer Familie eigentlich die Regel: Kein Handy in der Küche. Und: Immer nur ein Medium im Raum ... also nicht Fernseher und Handy gleichzeitig. Wie ist es bei Euch?

Kim: Liebe Claudia, ich freue mich auch darauf, die Möglichkeit zu haben, einmal meine Perspektive zu dem Thema schildern zu können. Meine Eltern sind seit meinem vierten Lebensjahr getrennt, beide sind seit einigen Jahren wieder glücklich verheiratet. Ich verstehe mich gut mit den neuen Partnern und kann mit allen offen sprechen, es kann über jegliche Themen diskutiert werden.

Wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin – egal welchen –, kommt das Thema „Handy“ ziemlich oft auf den Tisch. Sie merken, wie oft ich doch an dem Teil hänge und meine Aufmerksamkeit manchmal sogar davon unterbrochen wird, wenn wir uns unterhalten. Ich selbst verstehe den Ärger, mich nervt allerdings die ständige Konfrontation und die Einstellung, es sei alles „schlecht“. Auch bei uns haben wir die Regel: Kein Handy am Esstisch. Da sich meine Eltern aber teilweise selbst nicht dran halten, hat das wiederum Auswirkungen darauf, wie ernst ich es nehme. Klappt das mit dem Einhalten der Regeln bei euch besser? Was nervt dich besonders?

Die Eltern stellen die Regeln auf – und bilden die Ausnahmen

Claudia: Als ich las, dass Deine Eltern sich selbst nicht an die Regeln halten, wollte ich spontan (und selbstgefällig) antworten: Ich nutze das Handy in der Küche nie! Dann fiel mir ein: Doch. Zum Beispiel wenn ich „nur schnell“ etwas nachgucken will ... Oder wenn ich den anderen einen lustigen Film/Text zeigen will ... Und dann noch, wenn noch jemand anrufen wollte ... Ich bin also genauso wie Deine Eltern.

Das wird übrigens von meinen Kindern auch total kritisiert: dass wir Eltern Regeln aufstellen und dann selber die Ausnahmen bilden. Mir war das gar nicht so klar, dass das sehr genau beobachtet wird. Dabei muss ich sagen: Ich bin für die Ablenkung durch das Smartphone viel anfälliger als mein Mann. Der ist in unserer Gegenwart kaum am Handy. Wenn er es länger nutzt, zieht er sich dafür in einen anderen Raum zurück. Das schaffe ich so nicht.

Logisch, dass Dich die Konfrontation mit Deinen Eltern nervt: Soll sie ja auch! Sage ich mal etwas provokant. Ich will ja auch, dass meine Kinder sich Gedanken darüber machen, wie sie rüberkommen: ignorant, abwesend, desinteressiert. Wir verbringen ja sowieso nicht mehr viel Zeit miteinander – meine Söhne sind 21 und 18 –, aber die Zeit, die wir gemeinsam haben, will ich dann auch pur.

Das gilt zum Beispiel bei unserem einzigen Fernseh-Ritual. Wenn sie beim „Tatort“ oder „Polizeiruf“ parallel ins Handy starren, bin ich total genervt. Natürlich frage ich mich, warum? Die Antwort: weil es kein gemeinsames Fernseh-Erlebnis mehr ist. Auch wenn wir nicht permanent plappern, während der Krimi läuft, wirft man sich doch mal einen Kommentar zu. Das ist dann vorbei, wenn einer sich ausklingt. Körperlich anwesend und mehr nicht. Schaut ihr zusammen Fernsehen oder Filme? Wie ist es da?

Steckbrief Kim

Alter: 20 Jahre, Jahrgang 1998. Tätigkeit: Studentin an der Hochschule in Lingen im Fach Kommunikationsmanagement; momentan Praktikantin beim Tagesspiegel. Erstes Handy mit 10 Jahren; damals schon oft allein zur Schule gegangen, außerdem sollte das Handy mir die Möglichkeit geben, öfter mit meinem Vater zu telefonieren, von dem ich getrennt lebte. Mein erstes Smartphone hatte ich mit 13. Soziale Netzwerke: Auf Whatsapp und Instagram sehr aktiv, stetiger Begleiter; Facebook und Twitter nur passiv, um auf dem Laufenden zu bleiben; Snapchat gar nicht mehr, Pinterest gelegentlich als Inspiration. Motto: Ich versuche, mein Smartphone bewusster zu nutzen. Das persönliche Gespräch wird mir immer wichtiger.

Immer online: Kim stellt bei sich selbst Suchttendenzen fest.
Immer online: Kim stellt bei sich selbst Suchttendenzen fest.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Kim: Wenn ich mit meiner Familie einen Film schaue, ist das ähnlich. Ich kann total verstehen, dass dich das nervt, wenn deine Kinder mental einfach woanders sind. Mir würde es genauso gehen. Wenn ich mit Freunden einen Film schaue, finde ich es auch blöd, wenn sie sich nebenbei noch mit anderen Leuten über WhatsApp unterhalten oder durch ihren Instagram-Feed scrollen.

Und wenn mich meine Eltern dann mal dabei erwischen, wie ich während des Films nach neuen Nachrichten schaue, fragt mich mein Stiefvater immer allzu gerne: „Wem schreibst du denn? Wir sind doch alle hier“. Ich habe dann sofort ein schlechtes Gewissen und merke, dass ich mein Handy ganz unbewusst in die Hand genommen habe. Die Stelle im Film war gerade nicht so interessant – schon wird die Aufmerksamkeit dem Smartphone geschenkt.

Mutter und Smartphone im Kampf um Aufmerksamkeit

Claudia: Oh ja, das kenne ich genau. So, als dürfte bloß kein Moment der Langeweile aufkommen, als dürfte die Spannung nicht eine Minute abfallen. Manchmal macht mich das richtig wütend. Warum? Weil ich das Gefühl habe, gegen das Smartphone antreten zu müssen. Nach dem Motto: Wer ist unterhaltsamer? Wer ist aufregender? Wer ist interessanter? Dabei ergeben sich doch Gespräche nicht von jetzt auf gleich, sondern müssen sich entwickeln. Aber ich merke auch, dass mein älterer Sohn das teilweise unbewusst macht, der Griff nach dem Handy zum Automatismus geworden ist.

Steckbrief Claudia

Alter: 56 Jahre, Jahrgang 1962. Tätigkeit: Redakteurin im Newsroom des Tagesspiegels. Erstes Handy im Jahr 2000, erstes Smartphone 2011. Soziale Netzwerke: Facebook, Twitter und Instagram vor allem passiv, WhatsApp intensiv, Messenger gelegentlich. Motto:  Der Griff zum Smartphone darf kein Automatismus sein (bleiben).

Kim: Und genau dieses Unbewusste macht mir sogar ein bisschen Angst. Ich muss einfach zugeben, dass ich und mit Sicherheit auch der Großteil meiner Generation, abhängig bin von dieser virtuellen Welt. Sobald ich gerade nichts zu tun habe, werfe ich einen Blick auf mein Handy. Wir sind ständig erreichbar und up-to-date, inszenieren uns täglich auf sozialen Plattformen und wollen immer überall mit dabei sein.

Das macht einerseits Spaß und ist einfach Bestandteil des Alltags, hat jedoch auch seine Schattenseiten. Ich merke immer wieder, dass eine Pause manchmal gar nicht so schlecht ist. Beim Lernen zum Beispiel: In der Klausurenphase sitze ich acht Stunden am Schreibtisch und lege das Handy bewusst weg. Wenn ich das nicht tun würde, wäre ich alle fünf Minuten abgelenkt.

Wie beobachtest du die Handynutzung bei deinen Kindern? Wie ist das bei dir? Ertappst du dich vielleicht auch manchmal dabei, unbewusst am Handy zu hängen?

Der kleine Bruder will nicht in der Instagram-Story auftauchen

Claudia: Ja, ich ertappe mich auch dabei. Und tatsächlich schalte ich morgens oft gleich das Handy an. Nach dem Motto: Hat jemand geschrieben? Ist was passiert? Am Besten ist es, wenn ich das Smartphone nicht im gleichen Raum habe, dann ist der Automatismus unterbrochen.

Wie sehr das Ding mittlerweile meinen Alltag bestimmt, merke ich vor allem im Urlaub. Früher, bis vor zwei, drei Jahren war klar: Handy aus. Ferien von allem, bloß keine Nachrichten, einfach mal abschalten. Heute nutze ich das Handy gerade im Urlaub oft: Um Fotos zu machen aber auch, um Routen zu planen, Verkehrsverbindungen zu checken oder den Flug online zu bestätigen.

Bei meinen Kindern scheint mir die Nutzung so unterschiedlich, wie die beiden sind. Der eine ist Instagramer, hat viele Follower und stellt oft Fotos ins Netz. Er ist viel in Interaktion, jemand, der bevor er im Restaurant den ersten Happen isst, das Essen postet ... Der andere nutzt das Smartphone eher zur Kommunikation mit seinen Freunden, weniger für die unbekannte Öffentlichkeit. Und achtet genau darauf, dass er von seinem Bruder nicht in eine Story eingebunden wird, ohne davon zu wissen. Will also nach seiner Zustimmung gefragt werden – und gibt sie nicht immer.

Das, was Du mit der Klausurenvorbereitung beschreibst, habe ich übrigens auch von meinen Kindern gehört: Um sich wirklich aufs Lernen zu konzentrieren, machen sie das Handy aus. Weil es ihnen sonst zu schwerfällt, nicht zu reagieren wenn es piept, brummt oder ein Foto aufploppt. Glaubst Du eigentlich, dass das schon Suchtcharakter hat?

„Noch schlimmer ist es in der Generation nach mir“

Kim: Definitiv! Ich glaube, dass sich meine Generation heute nur schwer vom Handy trennen könnte. Ich habe mich mittlerweile extrem daran gewöhnt – ich nutze es als Wecker am Morgen und als Ablenkung vom Alltagsstress am Abend, bevor ich schlafe. Das kam aber auch erst in den vergangenen Jahren. Dieses Verhalten möchte ich in Zukunft ändern. Bewusst Pausen einlegen und mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen das Handy zur Seite legen, kann sicher nicht schlecht sein.

Noch schlimmer ist es jedoch in der Generation nach mir, wie ich an meiner kleinen Cousine beobachtet habe. Ich habe sie über die Jahre mehr an einem Handy spielen sehen als draußen in der freien Natur. Das finde ich unglaublich traurig festzustellen. Sie ist mit ihren zwölf Jahren schon ein Profi, was soziale Netzwerke wie Instagram und Snapchat angeht – Facebook hatte sie schon mit zehn Jahren, ein Handy sogar noch früher.

Video
Faltbares Smartphone: Samsung präsentiert das Galaxy Fold
Faltbares Smartphone: Samsung präsentiert das Galaxy Fold

Ich selbst weiß genau, wie einen diese Plattformen beeinflussen können. Denn ich ertappe mich immer noch dabei, wie ich mich stets mit Anderen darauf vergleiche. Man stellt sich dar, wird beurteilt. Unter diesem Einfluss aufzuwachsen, kann doch nicht gesund sein für die psychische Entwicklung. Ich wünsche den Kindern der Zukunft mehr Abstand von der digitalen Welt.

Wann haben deine Kinder ihr erstes Smartphone bekommen? Wie beurteilst du die Nutzung deiner Kinder, generell meiner Generation, von Social Media? Bist du selber auf sozialen Netzwerken unterwegs?

„Falls das Kind sein erstes Wort spricht, würden sie es nicht hören“

Claudia: Das ist für mich wirklich alarmierend: dass Deine Generation, die der 20-Jährigen, auf die Euch doch so nahen 12-Jährigen mit Sorge und Irritation schaut. Dass also die Nutzung von Smartphones und digitalen Angeboten „noch schlimmer“ wird, noch mehr Raum und vor allem Lebenszeit einnimmt und immer früher beginnt. Ich verstehe das nicht: Einerseits kauft die halbe Welt Bücher, in denen mit Bäumen gesprochen wird, Waldkindergärten können sich vor Anmeldungen nicht retten und dann kriegen Kinder unter zehn ein Smartphone zum Geburtstag. Oft mit dem Argument der Erreichbarkeit ... aber das ist eine Ausrede.

Meine Kinder, 1998 und 2000 geboren, sind gerade noch so durchgerutscht, bevor das Handy für Kinder ein Trend/Muss wurde. Meine Söhne hatten ihre ersten Handys am Ende der Grundschule – aber das waren noch richtige Knochen, keine Smartphones. Die haben sich dann beide selber gekauft, der Ältere war 16. Aber im Vergleich zu deren Kindheit ist jetzt vieles wie auf den Kopf gestellt. Da, wo ich wohne, joggen Väter mit den Kinderwagen, schauen dabei in ihr Smartphone und haben meist noch Kopfhörer auf. Falls das Kind sein erstes Wort spricht, würden sie es gar nicht hören.

Ich selber bin vor allem auf Instagram unterwegs, viel, viel seltener auf Facebook. Beides passiv. Auf Instagram folge ich vielen Leuten, die ich interessant finde, und schaue mir an, was sie posten. Mich interessieren vor allem Impulse, also Hinweise auf Themen oder unterhaltsame Posts. Was mich mehr und mehr nervt ist die Selbstinszenierung vieler. Das finde ich langweilig und manchmal richtig unangenehm.

Was mich interessiert: Ist das ein Trend, bei Deinen Freunden und Dir, achtsamer mit dem Handy umzugehen? Also sich selbst Regeln aufzustellen? Es nicht andauernd in der Hand zu halten? Vielleicht sogar mal einen handyfreien Tag einzulegen?

„Ich hab' echt Angst, etwas zu verpassen“

Kim: Ich habe mal meine Kommilitonen gefragt, da ich das allein nicht beurteilen kann. Und ich bin von den zahlreichen Antworten echt überrascht! Viele haben sich meiner Wahrnehmung angeschlossen. Sie möchten bewusster mit dem Smartphone umgehen, vor allem, wenn man mit Freunden oder der Familie unterwegs ist, um den Moment wieder wirklich genießen zu können. (Schon schade, dass man das so feststellen muss, wie ich finde.)

Einige haben das Handy in der letzten Zeit tatsächlich für ein paar Tage weggelegt, um „mal davon wegzukommen“. Es mache einen auf Dauer nicht glücklich, damit so viel Zeit zu verbringen und die Produktivität dadurch automatisch leiden zu lassen. Mir wurde außerdem erzählt, dass ich nicht die Einzige in Klausurenphasen bin, die ihr Handy weglegt, um voranzukommen.

Video
Aibo, der Roboterwachhund
Aibo, der Roboterwachhund

Ich habe auch gehört, dass der Konsum und die Abhängigkeit anscheinend trotzdem zunehmen. Das Handy wird für „jede Kleinigkeit“ im Alltag gebraucht, man kommt nicht davon los. Das belastet in gewisser Art und Weise. „Ich hab' echt Angst, etwas zu verpassen.“ Mit diesem Satz kann ich mich leider auch ein wenig identifizieren. Besonders bezogen auf die sozialen Medien. Außerdem sei das Bedürfnis groß, sich ständig mitzuteilen. Leute in meinem Alter entwickeln heutzutage immer mehr ein Bewusstsein dafür, wie und wann sie ihr Handy nutzen. Das ist ein guter Anfang zurück in die richtige Richtung.

Ein Smartphone-Zombie von Zombies umgeben

Claudia: Ja, das finde ich auch. Und nehme es mir auch für mich vor. Ich möchte weg vom automatischen Griff danach, möchte U-Bahn-Fahren und aus dem Fenster schauen, die Gedanken schweifen lassen, nicht die nächste Nachricht beantworten, sondern einfach mal sein. Dieser Gedankenaustausch mit Dir hat mir auch klar gemacht, wie sehr meine regelmäßige Nutzung eigentlich schon auf Sucht hindeutet. Und es entgeht mir ja auch so viel. Wer in sein Handy starrt, nimmt die Menschen, die Dinge um sich ja weniger wahr ..... Wie ist das eigentlich? Kennst Du noch so etwas wie einen Flirt in der Bahn? Oder ist das auch Geschichte? Weil keiner sich mehr ins Gesicht schaut?

Kim: Einen Flirt in der Bahn habe ich wahrscheinlich noch nie erlebt – unangenehme Anmachsprüche außen vor gelassen. Wenn ich mal das Glück habe, mit einem attraktiven jungen Mann im gleichen Wagen zu sitzen – wohlmöglich noch gegenüber –, ist dieser entweder nur in der virtuellen Welt seines Handys oder in seine Musik vertieft. Da gibt es quasi keinen Blickkontakt, geschweige denn Möglichkeiten, zu „flirten“ – es sei denn, ich bin sehr mutig und quatsche ihn trotzdem an. Aber wer macht das schon ...

Seitdem wir uns so intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, achte ich tatsächlich mehr auf mein Nutzungsverhalten. Wenn ich abends im Bett liege, greife ich nun eher zum Buch, anstatt nochmal meine Nachrichten zu checken. Wenn ich in der Bahn sitze, schaue ich bewusst aus dem Fenster und beobachte die Smartphone-Zombies, die mich umgeben (von denen ich ja wohlgemerkt auch immer noch einer bin). Ich bin gespannt, ob ich schnell wieder in meine alten Verhaltensmuster verfalle oder die kleinen Pausen wertzuschätzen lerne.

Wenn die Leser bis hierhin durchgehalten haben, hoffe ich, dass dieses Projekt sie genauso nachdenklich gemacht hat wie uns. Vielleicht überlegen sie beim nächsten Griff zum Handy, ob es gerade nötig ist, die Zeit damit zu verbringen oder dies nur dem Automatismus geschuldet ist.

Klausuren, Beziehungen, Stress: Stimmen der Generation Y

Kim hat sich für dieses Gespräch mit Studienkollegen über die Handynutzung ihrer Generation unterhalten. Vielen geht es wie ihr: Sie wollen das Smartphone bewusster nutzen und vielleicht mal die ein oder andere Pause einlegen. Hier ein paar ausgewählte Antworten.

„Ich bin manchmal richtig genervt von meinem Handy. In der Klausurenphase hab' ich es irgendwann einfach ausgeschaltet und in eine Schublade geworfen, bis ich ins Bett gegangen bin.“ (Gesa, 21)

„Jetzt im normalen Studienalltag kann ich mir nicht vorstellen, das Handy einfach mal nicht dabei zu haben, um eine Pause einzulegen. Ich habe es immer am Mann oder es liegt griffbereit neben mir. Traurig, aber wahr.“ (Lea, 23)

„Ich möchte auf jeden Fall bewusster mit dem Handy umgehen. Weil ich merke, dass es mich nicht glücklich macht, daran viel Zeit zu verbringen. Bei meiner kleinen Schwester (13) habe ich das Gefühl, dass Instagram und Co. sehr wichtig, aber auch oft eine Quelle von Ärger sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass das bei vielen Kindern die Hauptbeschäftigung ist, wenn sie gerade nichts zu tun haben. Mobbing geschieht jetzt auch einfacher, würde ich einschätzen.“ (Merle)

„Das iPhone zeigt neuerdings auch, wieviel Zeit man im Durchschnitt daran verbringt. Das Ergebnis hat mich ganz schön erschreckt.“ (Antonia, 21)

„Man merkt, dass andere erwarten, einen immer erreichen zu können.“ (Rieke, 22)

Mehr zum Thema

"Ich versuche, meinen Handykonsum zu reduzieren. Vor allem, weil mir in meiner Beziehung aufgefallen ist, dass wir viel Zeit am Handy verbringen, wenn wir beieinander sind." (Lena, 21)