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„Gegen Blockbildung“: Tagesspiegel-Leitartikel vom 8. Januar 1946
Zeitungsgründer Erik Reger setzt in der kommenden Demokratie auf die Jugend und warnt vor der Bildung gesellschaftlicher Gruppen, die sich isolieren, vor „verhängnisvoller Zersplitterung“.
Stand:
„Laßt ihn doch Mensch sein, ehe er Kaiser wird!“ sagte Marc Aurel, als ein paar in Staatsraison und Heldenidealen hartgesottene Römer seinem Sohne Vorwürfe machten, weil er über den Tod seines Lehrers weinte. Heute, da unserem Volke Begriffe wie Nationalismus und Militarismus erklärt werden müssen, gibt es kaum Einprägsameres und Ueberzeugenderes als die Feststellung, daß Nationalismus und Militarismus die Tendenz verfolgen, den Menschen aus dem Menschen auszutreiben und ihn statt dessen Kaiser werden zu lassen. Kein Nationalist, der nicht auch Militarist, kein Militarist, der nicht auch Nationalist wäre. In dem System, das daraus entsteht und das im Nationalsozialismus endlich die unverhüllte und diabolisch zugespitzte Form gefunden hat, die im Sinne der Allmacht Geschichte zu einem gigantischen Abschreckungsmittel werden soll, trägt jeder „den Marschallstab im Tornister“. Diese Napoleon zugeschriebene Floskel hat in der Wirklichkeit des Systems nie bedeutet, daß der Tüchtige auf ehrliche Weise an den Platz gelangen müsse, der ihm nach Fähigkeiten und Charakter gebührt. Im Gegenteil, der Charakter war nur ein Hindernis, und die notwendigen Fähigkeiten bestanden in dem Maß an Bereitwilligkeit, mit der sich der Anwärter das Herz aus dem Leibe reißen und alles seelische Gefühl, das Bewußtsein des Menschentums (und den Stolz der Menschenwürde, durch ein mechanisches Instrument, eine Art Korsett, ersetzen ließ. Mit der Devise „Wer befehlen will, muß gehorchen lernen“, die zu jenen plausiblen Lebensregeln gehört, denen die Unwahrhaftigkeit leider nicht an der Stirn geschrieben steht, weil mehr als Massenverstand aufgeboten werden muß, um die Frage zu stellen, ob es denn keine „andere Teilung der Menschheit gebe als die, daß die einen zu befehlen, die anderen zu gehorchen haben — mit dieser machiavellistischen Parole wurde der Gehorsam nicht einmal erzwungen, sondern höchstens erschlichen. Der Schein sprach für die Richtigkeit: konnte denn in diesem System nicht jeder wie ein kleiner Kaiser in seinem kleinen Reiche herrschen? Der Blockwart, der Kompaniefeldwebel, der Bannführer, der Unteroffizier vom Dienst und wie sie alle hießen, diese kleinen Caracallas, Neros und Caligulas, waren sie nicht ein Abbild der großen? „Die Großen mit ihren langen Armen schaden oft weniger als ihre Kammerdiener mit den kurzen“, hat Lichtenberg gesagt; wir möchten, ein wenig anders, sagen: daß die „Großen“ solchen Schaden anrichten konnten, hat die Armee der „Kammerdiener“, auf die sie sich stützten, ermöglicht.
Damit halten wir wieder bei dem Problem, das nach der Erklärung des großhessischen Ministerpräsidenten Geiler in der Bevölkerung „eine gewisse Unruhe“ verursacht. Es führt den Namen „Entnazifizierung“, der scheußlich, aber trotzdem prägnanter ist als die amtlich vorgeschlagene Ueberschrift „Befreiung von Faschismus und Militarismus“. Unser eigener Standpunkt ist hier zu wiederholten Malen dargelegt worden. Wir betrachten Herrn Hitler nicht als einen Usurpator, der sich und seine Lehre dem deutschen Volke oktroyierte, nicht als eine Gottesgeißel, die dem deutschen Volke nach einem unerforschlichen Ratschluß geschickt wurde; wir sehen in ihm eine Inkarnation all dessen, was sich im Laufe der Jahrzehnte an schlechten Instinkten nach systematischer Verdrängung der guten angesammelt hat. Wenn er gesiegt hätte, wäre es nicht nur in Deutschland, es wäre in der ganzen Welt mit jeglicher Zivilisation zu Ende gewesen; aber die Mehrheit unseres Volkes hätte sich darüber nicht gegrämt, die ohnehin öfters zu hörende Redensart „ich persönlich habe unter dem Nationalsozialismus ja nicht zu leiden gehabt“, wäre allgemein geworden, und ein kümmerlicher Rest von Anständigen hätte Selbstmord begangen. Daß es anders gekommen ist, dafür ist die Trümmerstätte, die uns verblieb, zwar ein hoher Preis, doch die Sache ist ihn wert. Wenn keine andere, so haben die Militaristen wenigstens die eine Lehre empfangen, daß Deutschland auch mit geradezu grenzenlosen Anstrengungen und Opfern keine Kriege mehr gewinnen kann. Selbst wenn ihnen der sittliche Sinn verschlossen bleibt, ist das tatsächliche Ergebnis auch für sie erschreckend augenfällig. Wenn sie nicht die Ursache der Aussichtslosigkeit zu sehen vermögen, so sehen sie die Aussichtslosigkeit an sich, und wenn ihnen das Ganze als Gesetzmäßigkeit unbegreiflich ist, so werden sie wenigstens begreifen, daß es rein materiell nicht mehr lohnt, einen Krieg zu beginnen. Auch das ist für die Zukunft ein Gewinn.
Wir wollen uns durch nichts darüber täuschen lassen, daß praktische Erwägungen auf dieser Erde zuletzt doch immer eine größere Rolle spielen als ideologische. Der Versailler Vertrag trug den Keim des Zerfalls in sich, weil die Ideologie in ihm fortgesetzt dem Praktischen ins Gehege kam. Der patriotischste Standpunkt für einen Deutschen ist heute der, daß, koste es, was es wolle, eine Wiederholung dessen, was wir erlebt haben, unmöglich gemacht werden muß. Welches politische Statut dem Ruhrgebiet gegeben werden soll, darüber zu befinden ist Sache der Alliierten: wir äußern dabei nur den einen Wunsch, daß dieses politische Statut das denkbar wirksamste sein sollte, um den ferneren Mißbrauch der Bodenschätze zu den verderblichen Zwecken einer „Waffenschmiede“ zu verhindern. Solange wir in Deutschland nicht so weit sind, daß die eigene, gegen militaristische Anfechtungen immune Gesinnung ihn verhindert, solange haben wir kein Recht zu irgendwelchen Argumenten gegen Forderungen, wie sie das geschundene Frankreich erhebt, das in diesem Kriege zweimal hat leiten müssen, einmal durch die deutsche Invasion und Okkupation und das andere Mal durch den zur Befreiung notwendigen harten Feldzug; ein Land, das mit dem historischen Ehrenzeichen der Wiege abendländischer Zivilisation einem Nachbar gegenübersteht, dessen Politik sich zuletzt nur noch in dem einzigen Ziel zusammenballte, diese Zivilisation zu vernichten. Die Verbündeten werden sich mit Frankreich auseinandersetzen; aber diejenigen unter uns, die sich insgeheim schon wieder auf den Ausbruch offener Konflikte freuen, genau so, wie sie täglich Steinchen um Steinchen zu dem törichten Mosaik eines Blockes des Westens gegen einen Block des Ostens zusammentragen, werden ihre verdiente Enttäuschung erleben. Der Mangel an Tatsachensinn, der derartigen Spekulationen außerdem zugrunde liegt, ist nicht weiter verwunderlich. Er hat die deutsche Politik seit 1890 fast pausenlos ausgezeichnet. Wenn unser Volk Geschichte gelernt hätte, würde es gerade jetzt sich an die Bemühungen um Verständigung zwischen Rußland und England erinnern, die nach dem Krimkrieg sich anbahnten Und unter Eduard VII. intensiviert wurden, um durch alle Perioden des Mißtrauens, der Interessengegensätze und Regierungswechsel hindurch nicht mehr abzureißen. Die Mißhelligkeiten und Differenzen des Tages sind heute ein Nichts gegenüber dem Ziel, an dem keine Macht der Welt zu rütteln wagt. Dieses Ziel ist der Frieden. Es bedingt den einzigen Zwang, der unter freien Menschen Geltung behält — den Zwang zur Gemeinsamkeit.
Die Mehrzahl der Deutschen zählt sich heute nicht zu den freien Menschen. Vielmehr zählte sie sich dazu, als man unfrei war, unter Hitler. Sie behauptet, nicht frei zu sein, weil Deutschland besetzt ist und über seine Geschicke nicht selber entscheiden kann. Ihr klarzumachen, warum dieses Recht verwirkt ist, ist lange nicht so einfach, wie es einem halbwegs vernünftigen Menschen erscheinen mag. Daß die äußere Freiheit verloren sei, damit wir die innere gewinnen, ist ein mehr oder weniger wirkungsvoller Predigttext, aber in einem Volke, das dem Bibelwort „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die halbe Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele“ mit Uebermut begegnet ist, bedarf es einer langwierigen und beschwerlichen Arbeit, um das stumpfe Gewissen wieder zu schärfen und das an protzenden Lärm gewöhnte Gehör für die feineren Töne der Menschlichkeit empfänglich zu machen. Seit 1848 der demokratische Gedanke mit Militärstiefeln niedergetreten werden konnte, hat sich der Glaube an die Stärke und Bedeutung der rohen Gewalt zu sehr eingenistet, als daß sich ein besserer Glaube aus sich selbst heraus durchzusetzen vermöchte. Daher ist die Demokratie in Deutschland, wo sie einen neuen Anlauf nahm, nicht eine Folge innerer Entwicklung, sondern äußerer Niederlagen gewesen. Sie erhob sich nicht, weil sie kräftig , sondern weil ihr Gegner schwach geworden war. So war es nach 1918, so ist es auch jetzt. Wir möchten sagen: es ist jetzt noch mehr als 1918 der Fall. Damals hatte sich, wie an dieser Stelle schon ausgeführt wurde, bis zur Unterbrechung durch den Krieg doch schon etwas wie eine hoffnungsvolle demokratische Opposition gebildet, und einiges davon war sogar über den Krieg hinübergerettet worden; jetzt liegt jede, auch diese, Tradition ferner, als 1914 die von 1848 gelegen hatte. Beide Male, 1918 wie heute, steht die Geburtsstunde der Demokratie, wenn wir uns euphemistisch so ausdrücken wollen, unter keinem günstigen Stern. Für den, der nicht denken kann (und wie viele können es?), heißt Demokratie infolge der Umstände: Entbehrung. Und außerdem: Verlust der Souveränität. Dagegen anzukämpfen ist schwer. Nach 1918 verlegte man sich aufs Leugnen. Man versuchte mit sinnlosen Lohnerhöhungen bei gleichzeitiger inflationistischer Hemmungslosigkeit dem Volke das Gefühl der Not und mit einer chauvinistischen Politik der Proteste und Ränke das Gefühl der Unselbständigkeit auszureden. Davon ist heute wahrscheinlich nur deshalb nicht die Rede, weil einfach nicht die Rede davon sein kann. Wir aber sind der Ueberzeugung, daß die Aufgabe allein durch die unbarmherzigste Ehrlichkeit zu erleichtern ist.
Als Charfes Louis Napoleon, der vielleicht eheliche, vielleicht uneheliche Sohn des Königs von Holland, 1836 über einer Verschwörung gefaßt wurde, schickte ihn Louis-Philippe nach Amerika, um „keinen Märtyrer zu machen“. Nach vier Jahren kam Louis Napoleon wieder, mit einem zahmen Adler im Gepäck, der in Vorwegnahme Hitlerischer Effekte dazu bestimmt war, zu passender Zeit aus der Höhe auf das napoleonische Haupt herabzuschweben, um die Phantasie des Volkes zu entflammen. Der Adler blieb, für dieseesmal, im Käfig, und sein menschliches Ebenbild wanderte ins Gefängnis. Vor Gericht sprach Louis Napoleon die klassischen Worte: „Ich vertrete von Ihnen ein Prinzip, die Souveränität des Volkes; eine Sache, das Kaisertum; eine Niederlage, Waterloo. Das Prinzip haben Sie erkannt, der Sache haben Sie gedient, die Niederlage wollen Sie rächen. „Man verurteilte ihn zu einer milden Haft, die lebenslänglich sein sollte und nach sechs Jahren durch seine Flucht beendet wurde. Als Maurergeselle verkleidet war er entkommen, als ehrenwerter Abgeordneter kehrte er 1848 zurück. Der symbolische Adler lebte nicht mehr, aber nach weiteren vier Jahren schwebte die unsterbliche und erhabene Raubvogelseele über der Zeremonie, mit der Louis Napoleon zum Kaiser der Franzosen gekrönt wurde. Eine lehrreiche Parabel. Der Adler und die Krone schweben, gleichnishaft unsichtbar, auch um jene Deutschen, die, so lasen wir neulich in der „Schwäbischen Landeszeitung“, „mit gesenktem Haupt und scheuem Blick durch die Gassen schleichen und Politik auf ihre Art treiben“. Schlechtes Gewissen oder noch anhaftende Willenlosigkeit? fragt das zitierte Blatt. Gerüchteträger, meint es, auf jeden Fall. Wir gehen einen Schritt weiter: es ist der Block der Pgs und Vgs. Was wir mit „Vgs“ meinen, wurde neulich hier erklärt. Es wurde auch erklärt, daß der richtige Augenblick zu einer radikalen Generalreinigung versäumt wurde. Jetzt heißt es, der drohenden Gefahr mit ebensolcher Schnelligkeit wie Klugheit Herr zu werden.
Die Klugheit besteht nicht in Mäßigung, sondern in Aussonderung. Unlängst haben der bayerische Ministerpräsident Hoegner und sein „Entnazifizierungsminister“ Schmitt Maßnahmen in Aussicht gestellt, die verhüten sollen, daß durch gleichmäßige Behandlung der „Aktivisten“ und der Mitläufer alle ehemaligen Pgs zu einem Block der Ausgestoßenen zusammengeschweißt werden. Diese Seite des Problems ist so wichtig, daß wir uns in der nächsten Zeit noch eingehender damit zu befassen haben werden. Es scheint uns aber, daß wir über den Pgs andere Gruppe nicht übersehen sollten, die ebenfalls zur Blockbildung neigen. Das sind einmal die heimgekehrten und heimkehrenden Soldaten; es sind ferner die Jugendlichen, die durch HJ und BDM gegangen sind; und es werden vielleicht eines Tages auch die Emigranten wie die in Deutschland verbliebenen und über die Marter hinweggekommenen Juden sein. Den Soldaten ist es meistens ergangen wie Balzacs Major Genestas, der von sich sagt: ,,Da ich nie zum Befehlen gelangt, sondern immer in der Front gewesen bin, um Säbelhiebe auszuteilen oder zu empfangen, habe ich es gemacht wie die anderen auch: ich bin dahingegangen, wohin Napoleon uns geführt hat... Da gibt es stets die gleichen Dinge zu tun; sich um sein Pferd kümmern, manchmal Hunger und Durst leiden, sich schlagen, wenn es nötig ist, das ist das Leben des Soldaten.“ Wir haben einiges dazu zu bemerken, aber das wollen wir in Ruhe tun und vor allem in dem Bewußtsein, daß die erste Stufe zur Entwicklung einer deutschen Demokratie die gründliche und geduldige Gewissensforschung und die Vorbereitung des Gesinnungswandels ist. Deshalb lassen wir in unseren Spalten auch die Jugend in aller Ausführlichkeit sprechen. Es macht uns nichts aus, wenn sie dabei Dinge sagt, die wir nicht unterschreiben; je ausführlicher wir ihre Gedanken kennenlerrfen, desto besser, Wir sind noch lange nicht am Schluß der Diskussion und lassen uns dabei nicht durch keifendes Gezeter derer stören, die aus durchsichtigen Gründen Erstarrung der Bewegtheit vorziehen und ihre eigene Unaufrichtigkeit überschreien, indem sie die Aufrichtigkeit anderer als Charaktermangel bezeichnen. Wir wissen, was wir tun; nicht alle scheinen es zu wissen. Wer allerdings die Demokratie aus der Taufe heben will, bevor sie überhaupt geboren ist, mit dem können wir nicht rechten.
Ohne Wehen und Wachstumsschmerzen geht es nicht ab. Was der Jugend heute vor allem mangelt, ist Wissen; was sie im Ueberfluß hat, ist Selbstbewußtsein. Wir sind so frei zu behaupten, daß daran nicht allein Hitler schuld ist. Konzentriert die Jugend heute vor allem auf Lernen, auf Studieren, und ihr werdet mehr gewinnen als durch doktrinäre „Schulung“. Politik ist nicht „Schulung“, sondern Erziehung zu Selbständigkeit und eigenem, begründetem Urteil. Nicht nur die Jugend, auch die Erwachsenen, die der Jugend Mitbestimmungsrechte geben, bevor sie gelernt hat, worüber zu bestimmen ist, sollten bescheidener sein, und genau wie die Jugend, wie die Soldaten, wie die Pgs, wie die Parteiführer, wie die Juden und alle Antifaschisten, überhaupt wie wir Deutschen alle, werden die Emigranten, wenn sie heimkehren, vieles zu lernen haben, nämlich keine Ersatzansprüche zu stellen, „das Erlittene als ein Teil Erdenschicksal auf sich zu nehmen und ein Gesetz der Verjährung anzuerkennen, das nicht bloß nach Jahren, sondern nach der Größe des Risses seine Entscheidung fällt“. Das sind Worte Jakob Burckhardts. Sie legen den Grund zu einem Gemeinschaftsgefühl nicht innerhalb von Gruppen, von „Blocks“, wo es gefährlich und reaktionär ist, sondern innerhalb einer umfassenden organischen Demokratie, wo es gesund und fortschrittlich ist und auf der Erkenntnis beruht, daß Gleichheit als politisch wirkender Faktor nur gerade den erträglichsten Grad von Ungleichheit darstellt. Wer die Folgen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP tragen muß, vergegenwärtige sich, daß auch diejenigen Deutschen die Folgen des Krieges mittragen müssen, die Hitlers Gegner gewesen sind. Als solche haben viele so Furchtbares erlitten; daß das Los eines Pg heute, selbst wenn er sich in übertriebener Selbstbemitleidung als Paria fühlt, dagegen eine Annehmlichkeit ist. „Blocks“ aber erzeugen notwendig „Gegenblocks“. Dadurch erst entsteht die wirklich verhängnisvolle Zersplitterung, die, während man sich dem durch die Ueberschätzung des Organisatorischen bedingten Trugschluß hingibt, mit „Einheitsparteien“ eine feste Front geschaffen zu haben zuletzt den Kampf aller gegen alle und damit die eigentlichen Staatsfeinde begünstigt. Wir haben einen weiten Weg vor uns, aber wir werden ihn unbeirrt und mit wachsenden Kräften gehen, bis wir dort sind, wo schon vor hundert Jahren jener französische Bürger war, der, befragt, warum er keine Kokarde als Abzeichen der Freiheit trage, antwortete: „Eben darum nicht, weil ich ein freier Bürger bin.“

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