Heiße Kandidaten : Die fünf besten Burger in Berlin

Gegrilltes Rindfleisch, knuspriges Brötchen, gereifter Käse, kein Chichi: Hier gibt es die perfekte Nervennahrung für eine lange Wahlnacht.

Botschafter zwischen zwei Brötchenhälften: Der Hamburger.ist Amerikas Geschenk an die Welt.
Botschafter zwischen zwei Brötchenhälften: Der Hamburger.ist Amerikas Geschenk an die Welt.Foto: Getty Images/iStockphoto

Die USA schenkten ihn der Welt, soviel ist sicher. Sie grillten gehacktes Rindfleisch, nannten es „Patty“, packten es zwischen zwei Brötchenhälften und gaben ihm den Namen einer deutschen Stadt. Wieso sie das taten und wer zuerst auf die Idee kam, darüber gibt es unterschiedliche Theorien. Fakt ist, der Hamburger ebnete ab den 50er Jahren den Weg zum globalen Erfolg der ersten Franchisekette der Welt.
1971 eröffnete die erste McDonald’s-Filiale in München, weitere Standorte folgten und prägten die Vorstellung der Deutschen, wie ein Hamburger-Laden auszusehen hat: Selbstbedienung, Schnellabfertigung, helles, aufgeräumtes Imbiss-Ambiente. Dass es auch anders geht, zeigte Walther Wehofer in der Pariser Straße mit Deutschlands erstem amerikanischen Diner. Er kopierte erfolgreich, setzte auf Sixties-Lifestyle, wurde mit sechs weiteren Restaurants so etwas wie der Platzhirsch in Wilmersdorf. Die Burger in „Jimmy’s Diner“ und im „Okeh“ waren gut, wurden auf dem Teller serviert, man durfte sie selbst zusammenbauen, die Ketchup-Flaschen standen auf dem Tisch.

Revolution am Grill: Das Fleisch wird nicht durchgebraten

Aber erst mit amerikanischen Expats kam die „Burgerbewegung“ ins Rollen. Im „The Bird“ und im „White Trash“ wurden die Pattys nicht mehr durchgebraten und man erfuhr nun auch, woher das Fleisch dazu stammte: Zunächst noch aus den USA, nach und nach aber von kleinbäuerlichen Erzeugern aus der Region. Die transatlantische Brücke war geschlagen, der Qualitätsburger in Berlin angekommen. Im Wochenrhythmus eröffneten neue Läden, die das Thema Craft Bier mit ins Spiel brachten. Das Einfache in gut war das Gebot der Stunde. Die neue Spezies der Hipster und Foodies traf sich auf Streetfood-Märkten und Burger-Contests und erhob die Suche nach immer neuen Snackvarianten zur Populärkultur.
Ab 2010 begann die Zeit der Experimente: Die Asia-Burger kamen mit einem Bun aus gedämpftem Reismehl oder in gewölbten Platten aus frittierten Ramen-Nudeln, der Fleischklops wurde durch Bulgogi, also koreanisch marinierte Fleischstücke, Thunfisch oder knusprige Garnelen ersetzt. Vegetarische und vegane Varianten boomten. Aus kleinen Craft-Burger-Läden wurden Ketten, Lieferdienste wurden immer wichtiger. Und die Lebensmittelindustrie entwickelt bis heute immer neue pflanzliche Alternativen zu Fleisch, die in Form von Burgern leichter Akzeptanz finden sollen.

Im Namen des Burgers scheint alles erlaubt

Es gibt sie noch immer, die Burger-Versteher, die mit ihrer Vorstellung von Qualität und Tradition das Rad weiterdrehen. Aber der Hamburger hat längst seine Identität verloren. Anders als Pizza, deren neapolitanische Gralshüter die reine Lehre pflegen, ist er schutzlos jedem Experiment ausgesetzt. Pattys aus Erbsenprotein oder Insekten – im Namen des Burgers scheint alles erlaubt. Was bleibt, ist die Silhouette: oben rund, unten flach, dazwischen eine Füllung ohne verbindlichen Inhalt. Wahrscheinlich kann man nur so die Welt erobern.

Diese Lieblingsburger gibt's auch im Lockdown light

Björn Swanson, Spitzenkoch (Faelt) mit Faible für Fast Food:
„The Doctor Zian“ im „The Bird
250 Gramm Fleisch aus der Region (niemals „well done“ gebraten bestellen, sie hassen das und lassen es einen spüren. Anmerkung der Red.) im „English Muffin“ serviert, die Toppings aus Pickles, Tomate, Zwiebel und Salat liegen apart auf dem Teller. Der „The Doctor Zian“ kommt noch mit Bacon und Stilton-Käse – ein Must try! Für mich ist „The Bird“ der einzig Wahre und beste Burger-Laden der Stadt. Er strahlt einfach vor Authentizität. Dort kochen Amerikaner für „Exil-Amerikaner“, und das macht einfach den Charme des Restaurants aus. Ich glaube, ich habe dort noch nie ein deutsches Wort gehört.
Am Falkplatz 4, Prenzlauer Berg, thebirdinberlin.com, take away möglich

Im The Bird wird das Fleisch für die Burger jeden Tag frisch gewolft.
Im The Bird wird das Fleisch für die Burger jeden Tag frisch gewolft.Foto: Promo

Fritz Lloyd Blomeyer, Käsespezialist und bekennender Burgerliebhaber:
„The Full Monty“ von „Pound & Pence
Die Burgervarianten des Marktimbisses wechseln regelmäßig. Chef James Doppler kommt eigentlich aus der anspruchsvollen Gastronomie, was er vor allem bei seinen ausgefeilten vegetarischen Burgern unter Beweis stellt. Der „The Full Monty“ kommt in einem nach Butter duftenden Brioche-Bun, in dem sich medium rare gegrilltes Dry aged Beef, Zwiebelmarmelade, knuspriger Bacon vom Wurstspezialisten „The Sausageman never sleeps“ und 18 Monate höhlengereifter Cheddar zu einem Pentagon geschmacklicher Brillanz zusammenfügen. Das ist für mich der beste klassische Burger, der mir je serviert wurde.
Arminiusmarkthalle, Arminiusstr. 2-4, Moabit, ab 4.11. take away möglich

Felix Denk, wird bei Hipster-Burgern schwach:
Dry Aged Burger“ von „Kumpel & Keule
Als Kind habe ich mal zwölf Cheeseburger hintereinander gegessen. Das war auf einem Konzert der Big Band der US-Army in München, und McDonald’s hatte das Catering übernommen. Die Musik hat mich jetzt nicht so interessiert, die kostenlosen Burger in der Pause um so mehr. Rekordverdächtig gut schmeckt mir heute der Burger von „Kumpel & Keule“. Einfach, weil der das perfekte Patty hat: aus Dry Aged Beef gewolft, saftig medium-rare gegrillt und in einem Bun von „Sironi“ serviert. Man kann ihn mit knusprigem Bacon oder Pancetta upgraden – find ich aber gar nicht nötig. Von dem hab ich immerhin schon mal zwei am Stück gegessen.
Markthalle Neun, Eisenbahnstr. 42-43, Kreuzberg, take away möglich

In den Burger von Kumpel & Keule kommt trockengereiftes Rindfleisch.
In den Burger von Kumpel & Keule kommt trockengereiftes Rindfleisch.Foto: Promo

Susanne Leimstoll, Big Mac-Fan aus Gewohnheit:
„Don Carlos“ im „Schiller Burger
Während meines Studiums habe ich in München bei McDonald’s am Deutschen Museum gejobt. Harte Bräuche, damals. Von der Milchshake-Station musste ich mich hocharbeiten zur Kasse. Am Grill standen nur Jungs – einer briet mir immer mein Mittagessen (statt Blumen). Es entstand eine Liebe – zum Big Mac. Sie hielt, bis ich den großen „Wallenstein“ von „Schiller Burger“ kennenlernte, ein scharfer Typ mit Jalapeños, aber erträglich. Neulich nahm ich „Don Carlos“, jetzt bin ich frisch verliebt, allein schon in sein rauchiges BBQ-Aroma. Und ins Patty aus deutschem Rind, dick, fluffig, unfettig, perfekt gegrillt mit rosa Herz. Und ins knackige Salatdrumherum, das Karamell der roten Zwiebeln auf der knusprigem Bacon. Die Honig-Senf-Sauce mischen sie, wie auch die BBQ-Sauce, selber. Das Bun kommt vom hauseigenen Bäcker, die handgeschnittenen Süßkartoffel-Pommes sind eine Wucht. Im Schillerkiez hatte das Ganze begonnen, jetzt sitzen die Filialen in Weißensee, Pankow, Prenzlauer Berg und F-hain.
U.a. Wühlischstr. 42, Friedrichshain, schillerburger.com, take away oder bestellen über Lieferando

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Bernd Matthies, Gourmetkritiker und Gelegenheits-Burger:
„Andy Warhol“ von „Burger Art
In den Szenebezirken gibt es Burger an jeder Ecke, während man in Steglitz lange suchen muss – und dann einen Favoriten findet. „Burger Art“ am Hermann-Ehlers-Platz, nach Umzug ein richtiges Restaurant, gibt sich kunstsinnig, aber keine Angst: Selbst der Burger „Jackson Pollock“ wahrt die Form, ist mit hausgemachter Habanero-Sauce aber schmackig scharf. Mein Favorit heißt „Andy Warhol“: Das Simmenthaler-Patty ist dick und saftig, die Salsa sanft, die getrockneten Tomaten aromatisch. Und die Jalapeño-Schärfe umgeht die Zunge und kribbelt grad so unter der Kopfhaut. Großartig! Ständig saisonale Angebote (z.B. Pfifferling BBQ), Burger mit Fisch und Veggie.
Albrechtstr. 131, Steglitz, burgerart.com, take away oder bestellen über Lieferando

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