Halbzeit im Dauertalk-Rekordversuch : Falsche Challenge

In kaum einem TV-Genre außer beim Krimi gibt es schon jetzt ein so großes Angebot wie bei Talkshows. Wozu braucht es da einen Rekordversuch. Ein Kommentar.

Halbzeit beim Dauertalk-Weltrekordversuch: Um 5 Uhr 30 morgens waren die ersten 36 Stunden geschafft.
Halbzeit beim Dauertalk-Weltrekordversuch: Um 5 Uhr 30 morgens waren die ersten 36 Stunden geschafft. Ariane Alter hat sich...Screenshot: sag

Seit Dienstagnachmittag sind zwei Moderatoren des ARD-ZDF-Jugendangebots „funk“ auf Dauersendung. Ihr Ziel ist es, mit dem Youtube-Format „Du schaffst das nie!“ den bestehenden Guinness-Rekord für die längste Talksendung zu brechen. 70 Stunden haben vor fünf Jahren zwei Moderatoren des syrischen Staatsfernsehens durchgehalten. Um zwei Stunden wollen die deutschen Herausforderer Ariane Alter und Sebastian Meinberg diesen Rekord toppen.

Wenn es eine Gewissheit im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm in Deutschland gibt, dann diese: Es herrscht kein Mangel an Talksendungen. Weniger statt mehr wäre die eigentliche Herausforderung für die Programmmacher von ARD und ZDF.

Eine Herausforderung für die Moderatoren

Für Ari und Meini – wie die Fans die beiden nennen – ist es sicherlich eine bemerkenswerte Herausforderung, drei Tage nicht nur wach, sondern zugleich auf Sendung zu sein – und dabei keinem Gast zweimal die gleiche Frage zu stellen.

Doch das ändert nichts an der Frage: Wer braucht diesen Rekord – außer das Jugendangebot „funk“ selbst, um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und um zu beweisen, wir können auch 24-Stunden-Nonstop-Fernsehen – wenn auch nur drei Tage am Stück.

Für einen Guinness-Rekord, das hat gleich der erste Gast deutlich gemacht, braucht es entweder eine gute Idee oder jemanden, dessen gute Idee man übertreffen kann. Er selbst hat bereits 78 Einträge im Guinnessbuch. Das Youtube-Format „Das schaffst du nie!“, in dem Ari und Meini immer neue Aufgaben lösen müssen, erinnert an Joko und Klaas. Bloß dass die Challenges in der öffentlich-rechtlichen Variante nicht ganz so fies sind wie im Privatfernsehen.

Gebührengeld für Traffic bei Youtube & Co.?

Und dann gibt es noch ein anderes Problem: Warum sollen mit öffentlich-rechtlichen Gebührengeldern TV-Formate für Youtube, Instagram und Facebook produziert werden, die dort für Traffic sorgen?

Der Rekordversuch findet übrigens im Rahmen der ARD-Themenwoche Bildung statt. Einiges Lehrreiches war bereits dabei: Ein veganes Omelett mit Kichererbsenpesto, wie es Influencerin „Tasty K“ den beiden Rekordaspiranten nach der ersten Nacht ohne Schlaf zubereiten wollte, neigt dazu anzubrennen. Hoffentlich ist das kein Menetekel.

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