MEDIA Lab : Woher kommen Informationen?

Und mit welchen Aussichten können Wahlen manipuliert werden? Unser Autor hinterfragt Wahlergebnisse und Zugeständnisse von Twitter.

Stephan Russ-Mohl
Twitter wird weltweit keine politischen Inhalte mehr als Werbung verbreiten - und stellt sich damit klar gegen den großen Rivalen Facebook.
Twitter wird weltweit keine politischen Inhalte mehr als Werbung verbreiten - und stellt sich damit klar gegen den großen Rivalen...Foto: dpa

Die Zitterpartie der FDP in Thüringen um den Einzug in den Landtag, aber auch die knappen Entscheide bei der US-Wahl von Donald Trump oder beim Brexit haben es uns vor Augen geführt: In Demokratien können wenige Stimmen den Ausschlag geben – und mitunter politische Erdrutsche auslösen. Dies wirft die Frage auf, mit welchen Erfolgsaussichten Wahlen und Wahlentscheidungen manipulierbar sind.

Mit wissenschaftlicher Gewissheit lässt sich das kaum beantworten – aber jene Forscher, die Entwarnung geben, weil sie Manipulationswirkungen bisher nicht „empirisch“ belegen konnten, machen es sich viel zu einfach.

Wir wissen inzwischen dank einer Studie von Propaganda-Forschern der Universität Oxford, dass allein die von Russland gesteuerte Internet Research Agency im US-Wahlkampf massiv manipulierte, - mit Tausenden Fake Accounts, zielgruppengenauem Messaging, 20 eigenen Facebook-Seiten. Insgesamt wurden 39 Millionen Likes, 31 Millionen Shares, 3,4 Millionen Kommentare generiert und allein auf Facebook 126 Millionen Menschen erreicht. Vollkommen wirkungslos wird das wohl kaum geblieben sein.

Social Bots, „Text-Roboter“, mit deren Hilfe bestimmte Interessenvertreter in sozialen Netzwerken Einfluss nehmen, sind außerhalb von Twitter schwer zu identifizieren. Bots kosten wenig Geld, treiben in der digitalen Welt ihr Unwesen und erzeugen ein Meinungsklima, indem sie auf Facebook Botschaften „liken“, vervielfältigen und selbstständig in tausendfachen Varianten in Umlauf bringen.

Ein ständiger Wettlauf zwischen Hase und Igel – denen, die solche Accounts erstellen, und jenen, die sie zu identifizieren suchen. Die Bot-Jäger haben einen schweren Stand. Selbst wenn es ihnen gelingt, valide Daten zu erheben, sind ihre Studien nicht „replizierbar“, auch deshalb, weil Bots kommen und gehen, sich damit das Forschungsfeld ständig verändert.

Dass Twitter nun generell politische Wahlwerbung in seinem Netzwerk unterbinden will, ist ein erster Schritt. Solange wir aber nicht wissen, wie die Algorithmen der sozialen Netzwerke und Suchmaschinen uns Informationen zuteilen, wird sich der Missbrauchsverdacht nicht entkräften lassen.