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Langwierige Identifizierung der Opfer erwartet: 40 Tote und 115 Verletzte nach Feuer in Schweizer Bar in Crans Montana
In dem Nobel-Skiort ist es zu einem Brand gekommen. Dutzende Besucher einer Silvesterparty wurden getötet. Die Behörden schließen einen Anschlag aus. Waren Wunderkerzen schuld?
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Im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana endet eine Silvesterparty im Inferno: Bei einem Feuer in einer Bar sind nach offiziellen Angaben ungefähr 40 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 115 weitere Menschen seien verletzt worden, die meisten schwer, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler.
Die Behörden erwarten eine langwierige Identifizierung der Opfer. „Die Identifizierung der Körper, auch der Verletzten, kann leider noch etwas Zeit brauchen. Wir haben vollstes Vertrauen in die Teams, die sich um die Identifizierung kümmern“, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard. „Wir haben viele Schwerverletzte, viele stark Verbrannte.“
Die Ermittler gehen von einer Explosion aus, die von einem zuvor ausgebrochenen Feuer ausgelöst wurde. „Es gibt mehrere Hypothesen, unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen hat, und das zu einer Explosion geführt hat“, sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud.
Es seien Untersuchungen zur Ermittlung der Brandursache eingeleitet worden. Dazu würden auch am Brandort gefundene Telefone ausgewertet. Zu Mutmaßungen, dass in Champagner-Flaschen gesteckte Kerzen oder Böller den Brand ausgelöst haben könnten, wollte Pilloud nichts sagen. „Die Untersuchung läuft, die Gründe werden wir zu einem späteren Zeitpunkt nennen.“
Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Albtraum.
Mathias Reynard, Präsident der Regierung im Kanton Wallis
Das Unglück in dem bekannten Touristenort löste bei Anwohnern, Touristen und Politikern Erschütterung aus. „Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Albtraum“, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard.
Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, der sein Amt erst Stunden vorher angetreten hatte, zeigte sich ebenfalls bestürzt: „Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat“, schrieb er auf X.
Über die Identität der Todesopfer und Verletzten ist bislang nichts bekannt. Auch ob Deutsche von dem Feuer betroffen waren, ist offen. Da Crans-Montana Gäste aus aller Welt habe, seien „wahrscheinlich“ Ausländer unter den Opfern, sagte Polizeichef Gisler.
Der Brand war Informationen der Behörden zufolge um 1.30 Uhr gemeldet worden und am frühen Morgen unter Kontrolle gewesen. Das Gebiet wurde laut offiziellen Angaben vollständig abgesperrt und ein Überflugverbot über Crans-Montana verhängt, damit die Helfer ungehindert agieren können.
Polizei, Feuerwehr sowie zahlreiche Helikopter waren im Einsatz; über eine Notrufnummer können sich Angehörige informieren. Augenzeugen berichten im „Blick“, Rettungshubschrauber seien im „10-Minuten-Takt“ zur Unglücksstelle geflogen. Auf „Flight Radar“ sei zu sehen gewesen, dass so gut wie jeder Schweizer Helikopter im Einsatz war.
Krankenhäuser bitten, „Notfälle zu vermeiden“
Zudem gibt es Unterstützung vom Zivilschutz des Aostatals, einer italienischen Region direkt an der Grenze. Ein Hubschrauber mit Spezialisten der Bergwacht und medizinischem Personal wurde von den Schweizern erbeten und war dort seit 6 Uhr im Einsatz, wie die italienische Bergwacht mitteilte.

© dpa/Alessandro Della Valle
Die Krankenhäuser im Westen der Schweiz sind durch die vielen Brandopfer enorm belastet. In einer Erklärung haben sie deshalb die Bevölkerung gebeten, solidarisch zu sein und „am 1. Januar auf riskante Aktivitäten zu verzichten“, um zusätzliche Notfälle zu vermeiden.
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Der Schweizer Zeitung „Blick“ zufolge berichtet der TV-Sender BFMTV über zwei junge Französinnen, die aus der Bar entkamen. „Es herrschte absolute Panik, alle schrien“, sagten Emma und Albane demnach. Die beiden gaben an, dass der Brand von einer Geburtstagskerze ausgegangen sei, die Kellnerinnen auf Champagnerflaschen gestellt hatten.
Die Ausgangstür sei für die Menge zu klein gewesen, ein Fenster wurde eingeschlagen, um Menschen zu retten. „Die Flammen waren nur einen Meter von uns entfernt“, werden die Frauen zitiert. Feuerwehr und Polizei seien „innerhalb weniger Minuten“ eingetroffen.
Crans-Montana ist ein beliebter Luxus-Skiort in der Schweiz
Victoria, eine weitere Französin vor Ort, schilderte die Brandursache demnach folgendermassen: Eine Wunderkerze auf einer Champagnerflasche habe die Decke entzündet, als eine Frau, die auf den Schultern einer anderen getragen worden sei, die Flasche zu hoch hielt. Die Flammen hätten sich „rasend schnell“ ausgebreitet. Eine Bestätigung für diese Angaben zur Brandursache gibt es bislang nicht.
Eine Besucherin aus Stuttgart steht unter Schock: „Wir haben mit der Familie in unserer Ferienwohnung Silvester gefeiert“, sagte Christina Lutz der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kinder von Freunden sind gestern Abend in der Bar gewesen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber sie haben offenbar viele Freunde verloren.“

© dpa/Keystone/Jean-Christophe Bott
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. „Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht“, schrieb er auf X.
Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927–2017). Der Ort auf etwa 1500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Am 30. Januar soll hier der Alpine Ski World Cup ausgetragen werden.
Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr reisen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland an. Der nächste große Flughafen ist Genf. Auf dem Landweg sind es von dort aus 180 Kilometer. (mit Agenturen)
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