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Nach dem verheerenden Brand in der Schweiz sind noch viele Fragen offen.

© dpa/Jean-Christophe Bott

Update

Mindestens 22 Verletzte identifiziert: Haben Wunderkerzen die Feuer-Tragödie in Crans-Montana verursacht?

Beim verheerenden Brand in einer Bar im schweizerischen Crans-Montana sind in der Silvesternacht mindestens 40 Menschen getötet und 115 weitere verletzt worden. Ein Foto soll den Moment vor der Katastrophe zeigen.

Stand:

Die 22 Brandopfer aus Crans-Montana, die in einer Schweizer Spezialklinik in Lausanne behandelt werden, sind identifiziert. Das sagte die Direktorin des Universitätsklinikums Waadt (CHUV), Claire Charmet, dem Schweizer Sender RTS.

Viele Familien hatten in sozialen Medien verzweifelte Aufrufe gepostet, weil sie nicht wussten, ob ihre Kinder unter den Verletzten oder Toten waren. In den ersten Stunden nach dem Unglück war aber die höchste Priorität der Kliniken, das Leben der Patienten zu retten, nicht die Identifizierung.

In der Universitätsklinik Lausanne wurden allein etwa 13 erwachsene und acht minderjährige Brandverletzte aufgenommen, „deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist“, wie der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, dem Sender RTS sagte.

Es handle sich um sehr schwere Verletzungen, deren Behandlung sehr lange dauern werde. Hinzu könne kommen, dass die Verletzten auch Rauchgasvergiftungen, Quetschungen sowie Knochenbrüche durch das Gedränge erlitten hätten. 

Insgesamt waren 115 Verletzte auf verschiedene Kliniken verteilt worden, teils auch in Deutschland. Rund 40 größtenteils junge Menschen waren in der Silvesternacht bei dem Brand in einer Bar in dem Ferienort ums Leben gekommen. Die Behörden planten für Freitagnachmittag eine weitere Pressekonferenz.

Prognose für Verletzte: ernst

Alle 22 seien schwerstens verletzt, sagte Charmet: „Die Prognosen sind für jeden dieser Verletzten, die alle schwere Verbrennungen erlitten haben, sehr ernst.“ Viele dürften sehr lange Behandlungen benötigen. Familienangehörige seien teils vor Ort. Die Klinik sei mit Material und Personal ausreichend ausgestattet. Dennoch sollten einige Patientinnen und Patienten verlegt werden, teils auch ins Ausland.

Nach bisherigen Erkenntnissen stammten viele der Opfer aus Frankreich und Italien. Denkbar ist, dass sie in ihre Heimat gebracht werden, um näher bei ihren Familien zu sein. Beide Länder haben selbst Spezialkliniken für Brandverletzungen und der Schweiz Unterstützung angeboten.

Die Behörden dämpften indessen die Hoffnung auf schnelle Aufklärung, wer die toten Opfer des Infernos sind. Die Identifizierung werde Tage dauern, da die schweren Verbrennungen den Einsatz von Zahn- und DNA-Proben erforderten. „Diese ganze Arbeit muss getan werden, denn die Informationen sind so schrecklich und heikel, dass den Familien nichts mitgeteilt werden kann, wenn wir nicht 100-prozentig sicher sind“, sagte der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard.

Das erste Opfer ist mittlerweile identifiziert: der junge italienische Golfer Emanuele Galeppini. In einem Beitrag auf ihrer Website würdigte der italienische Golfverband einen „jungen Sportler, der Leidenschaft und authentische Werte verkörperte“. Hinweise auf mögliche deutsche Opfer gibt es nicht. Die deutsche Botschaft stehe mit den Schweizer Behörden „in engem Kontakt“, teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Freitag mit. 

Wunderkerzen könnten „Flashover“ ausgelöst haben

Während die Ermittler weiter nach der Ursache für das verheerende Feuer im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana suchen, werfen Aufnahmen in sozialen Medien Fragen auf.

Die von der BBC verifizierten Fotos zeigen, wie Menschen in der Silvesternacht in der Kellerbar „Le Constellation“ Champagnerflaschen in ihren Händen halten, in denen Wunderkerzen stecken. Funken sprühen Richtung Decke, die mit Schallschutzpaneelen abgehängt zu sein scheint. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie diese Paneele in Brand geraten.

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„Wie in jedem Fall wird in jede Richtung ermittelt“, sagte ein Schweizer Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ob die Aufnahmen den Ermittlern bekannt seien, könne er nicht bestätigen, doch er gehe davon aus, sagte er am Freitagmorgen.

Handys, die am Unglücksort sichergestellt wurden, würden ausgewertet, hatte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud, am Donnerstagabend in einer Pressekonferenz mitgeteilt.

Auch Augenzeugen berichteten über Wunderkerzen. Der 19-jährige Nathan, der sich nach eigenen Angaben rechtzeitig aus der Bar retten konnte, erzählte der Schweizer Zeitung „Blick“: „Eine Frau saß auf den Schultern einer anderen Dame. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen.“ Sie habe diese so hoch geschwenkt, dass die Kerzen die Decke berührt hätten. Diese habe plötzlich Feuer gefangen, zitierte die Zeitung den jungen Schweizer.

Die Behörden haben sich bislang nicht deutlich zur Ursache des Feuers geäußert. Die Kantonsregierung des Wallis schrieb in einer Mitteilung von einem „Flashover“ in der Bar. Mit dem Ausdruck wird der sekundenschnelle Übergang eines kleinen Feuers zu einem Großbrand bezeichnet.

Unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen und das zu einer Explosion geführt hat.

Beatrice Pilloud, Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis

„Unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen und das zu einer Explosion geführt hat“, sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud. Fast alles andere bleibt offen. Priorität sei, die Todesopfer zu identifizieren, um sie ihren Angehörigen zu übergeben, sagte sie. 

Wie viele Menschen in der Bar waren, für wie viele Besucher sie zugelassen war oder ob die Notausgänge funktionierten – Pilloud machte dazu auch knapp 18 Stunden nach der Tragödie noch keine Angaben. Ob die Barbesitzer verhört werden, blieb ebenfalls offen. Es sei auf jeden Fall niemand festgenommen worden, sagte Pilloud. 

Das Unglück in dem bekannten Touristenort löste bei Anwohnern, Touristen und Politikern Erschütterung aus. „Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Albtraum“, sagte Mathias Reynard.

Der Brand war Informationen der Behörden zufolge um 1.30 Uhr gemeldet worden und am frühen Morgen unter Kontrolle gewesen. Das Gebiet wurde laut offiziellen Angaben vollständig abgesperrt und ein Überflugverbot über Crans-Montana verhängt, damit die Helfer ungehindert agieren können.

Polizei, Feuerwehr sowie zahlreiche Helikopter waren im Einsatz; über eine Notrufnummer können sich Angehörige informieren. Augenzeugen berichten im „Blick“, Rettungshubschrauber seien im „10-Minuten-Takt“ zur Unglücksstelle geflogen. Auf „Flight Radar“ sei zu sehen gewesen, dass so gut wie jeder Schweizer Helikopter im Einsatz war.

Krankenhäuser bitten, „Notfälle zu vermeiden“

Zudem gibt es Unterstützung vom Zivilschutz des Aostatals, einer italienischen Region direkt an der Grenze. Ein Hubschrauber mit Spezialisten der Bergwacht und medizinischem Personal wurde von den Schweizern erbeten und war dort seit 6 Uhr im Einsatz, wie die italienische Bergwacht mitteilte.

Medien aus der ganzen Welt arbeiten vor dem Areal der Bar und Lounge „Le Constellation“.

© dpa/Jean-Christophe Bott

Die Krankenhäuser im Westen der Schweiz sind durch die vielen Brandopfer enorm belastet. In einer Erklärung haben sie deshalb die Bevölkerung gebeten, solidarisch zu sein und „am 1. Januar auf riskante Aktivitäten zu verzichten“, um zusätzliche Notfälle zu vermeiden.

So sieht es in der Bar nach dem Brand aus.

© AFP/-

Der Schweizer Zeitung „Blick“ zufolge berichtet der TV-Sender BFMTV über zwei junge Französinnen, die aus der Bar entkamen. „Es herrschte absolute Panik, alle schrien“, sagten Emma und Albane demnach. Die beiden gaben an, dass der Brand von einer Geburtstagskerze ausgegangen sei, die Kellnerinnen auf Champagnerflaschen gestellt hatten. 

Die Ausgangstür sei für die Menge zu klein gewesen, ein Fenster wurde eingeschlagen, um Menschen zu retten. „Die Flammen waren nur einen Meter von uns entfernt“, werden die Frauen zitiert. Feuerwehr und Polizei seien „innerhalb weniger Minuten“ eingetroffen.

Crans-Montana ist ein beliebter Luxus-Skiort in der Schweiz

Eine Besucherin aus Stuttgart stand unter Schock: „Wir haben mit der Familie in unserer Ferienwohnung Silvester gefeiert“, sagte Christina Lutz der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kinder von Freunden sind gestern Abend in der Bar gewesen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber sie haben offenbar viele Freunde verloren.“

Die Menschen versuchten, die Fenster mit Stühlen und Tischen einzuschlagen.

Eine 18-jährige Augenzeugin

Der 18-jährige Alexis Lagger sah nach eigenen Angaben in der Nacht beim Vorbeigehen Rauch aus der Bar kommen und verständigte die Polizei. Sekunden später seien Flammen aus dem Lokal geschlagen.

„Die Menschen versuchten, die Fenster mit Stühlen und Tischen einzuschlagen“, berichtete er dem Westschweizer Fernsehen. Er habe geholfen, sich um die zu kümmern, die rausgekommen seien.

Ein Leichenwagen fährt vor.

© dpa/Keystone/Jean-Christophe Bott

Der Flughafen von Genf bereitete sich indes auf die Ankunft der Familien ausländischer Opfer vor, wie der Kanton Genf berichtete. Er liegt am nächsten am Unglücksort, aber auf dem Landweg immer noch 180 Kilometer entfernt. Unter den Toten und Verletzten sind nach italienischen Angaben Italiener, andere Staaten hielten sich bedeckt.

Am Neujahrsabend beteten in der Kirche von Crans-Montana 400 Gläubige in einer Messe mit dem Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, für die Opfer. Die meisten dürften Teenager oder Anfang 20-Jährige gewesen sein, heißt es vonseiten der Polizei, womöglich Minderjährige. Die Bar „Le Constellation“ war nach Angaben von Anwohnern bei ihnen besonders angesagt.

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927–2017). Der Ort auf etwa 1500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Am 30. Januar soll hier der Alpine Ski World Cup ausgetragen werden.

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr reisen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland an. Der nächste große Flughafen ist Genf. Auf dem Landweg sind es von dort aus 180 Kilometer. (Tsp, mit Agenturen)

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