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Nicht-Europäer müssen im Louvre künftig mehr Eintritt zahlen.

© AFP/MARTIN LELIEVRE

Preissteigerung von 45 Prozent: Nicht-Europäer müssen im Louvre ab Mittwoch mehr Eintritt zahlen

Das Louvre und fünf weitere französische Museen ziehen die Preise für Nicht-Europäer an. Ab Mittwoch kostet für sie ein Ticket 32 statt 22 Euro.

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Nicht-Europäer müssen ab Mittwoch mehr Eintritt zahlen, um sich die Mona Lisa und andere weltberühmte Kunstwerke im Pariser Louvre anzusehen. Der Eintrittspreis steigt um 45 Prozent und wird künftig 32 Euro kosten.

Im Louvre und in fünf weiteren bedeutenden französischen Museen wird damit ein Zwei-Klassen-System für die Besuchenden eingeführt, das im internationalen Vergleich unüblich ist. Die französische Regierung will die Mehreinnahmen vor allem in die kostspielige Renovierung des Louvre stecken.

Für Besucherinnen und Besucher aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, also der EU sowie Norwegen, Island und Liechtenstein, bleiben die Louvre-Ticketpreise gleich. Die vielen Besuchenden aus Ländern wie den USA, Japan oder China müssen ab Mittwoch hingegen statt bisher 22 nun 32 Euro zahlen, um sich das meistbesuchte Museum der Welt von innen anzuschauen.

Im Schloss Chambord, einem prächtigen Renaissance-Bau im Loiretal, steigt der Eintrittspreis für die Nicht-Europäer um 10 auf 31 Euro und im Schloss Versailles wird es für sie immerhin drei Euro teurer. Das Zwei-Klassen-Ticketsystem wird außerdem in den prunkvollen Pariser Bauten Conciergerie, Sainte-Chapelle und Opéra Garnier eingeführt.

„Ich möchte, dass die Besucher von außerhalb der EU mehr für ihre Eintrittskarten zahlen und dass diese Mehreinnahmen die Renovierung des nationalen Kulturerbes finanzieren“, hatte die französische Kulturministerin Rachida Dati bereits Ende 2024 geworben. Zugleich räumte sie ein, dass dies einen „echten Bruch in der Preispolitik“ der französischen Museen bedeute.

Keine vergleichbare Preispolitik in Europa

Tatsächlich gibt es in Europa oder den USA keine vergleichbare Zwei-Klassen-Preispolitik in großen Museen. Im British Museum in London ist der Eintritt für alle frei, in der Alten Nationalgalerie in Berlin, im Amsterdamer Rijksmuseum und im Prado in Madrid zahlen alle Besucher dasselbe – egal woher sie kommen.

Zu den wenigen und zudem begrenzten Ausnahmen gehört das Metropolitan Museum of Art in New York. Hier können Bewohner des Bundesstaates New York selbst bestimmen, wie viel sie für ihren Eintritt zahlen. Die Einwohner von Venedig kommen kostenlos in den Dogenpalast rein und bei der Akropolis in Athen und dem Kolosseum in Rom gilt für Europäer unter 25 Jahren freier Eintritt.

Frankreich führt die ungewöhnliche Preisstruktur ein, um pro Jahr zusätzliche 20 bis 30 Millionen Euro für die Erhaltung seines Kulturerbes einzunehmen. Das Geld wird insbesondere für die Renovierung des Louvre benötigt, die sich Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wünscht und die mehr als eine Milliarde Euro verschlingen dürfte.

Die Erhöhung der Ticketpreise für Nicht-Europäer sei „eines der Mittel“ zur Finanzierung der Bauarbeiten, erläuterte Macron im Januar vergangenen Jahres, als er die Renovierungspläne unter dem glanzvollen Titel „Louvre - neue Wiedergeburt“ präsentierte. Zudem sei mit einer Zunahme der Besucherzahl im Louvre von derzeit rund neun auf knapp zwölf Millionen pro Jahr zu rechnen.

Von den Gewerkschaften der Louvre-Beschäftigten bekommt die Strategie Gegenwind. Seit Mitte Dezember läuft der längste Streik in der Geschichte des Museums, am Montag blieb der Louvre zum zweiten Mal seit dem Streikbeginn am 15. Dezember komplett geschlossen.

Im Forderungskatalog der Gewerkschaften steht auch „der Verzicht auf die doppelte Bepreisung, die unsere republikanische Geschichte und den zu Grunde liegenden Universalismus des Louvre-Museums mit Füßen tritt“, wie es in einer Anfang Dezember von den Gewerkschaften vorgelegten Erklärung hieß. Die Gewerkschaft CFDT nannte das Zwei-Klassen-Preissystem bereits bei der Louvre-Verwaltungsratssitzung Ende November „schockierend“.

Museen wie der Louvre haben laut Statut die Pflicht, einer größtmöglichen Zahl an Menschen Zugang zu ihren Ausstellungen zu ermöglichen. Gleichzeitig sind sie angehalten, so viel einzunehmen, dass ihr Betrieb gesichert ist.

Die Museen stünden also „unter Druck“, erklärte ein Ausschuss des Internationalen Museumsrats Icom kurz nach der Louvre-Entscheidung für höhere Eintrittspreise für Nicht-Europäer. Die beiden Vorgaben Zugang und Rentabilität seien nun einmal „nicht immer einfach“ zu vereinbaren. (AFP)

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