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Die Deutsche Aidshilfe will mit der Initiative #positivarbeiten zur Entstigmatisierung von Menschen mit HIV beitragen.
© imago images

„Der Staat sollte mit positivem Beispiel vorangehen“: Deutsche Aidshilfe will Stigmatisierung am Arbeitsplatz bekämpfen

Menschen mit HIV erfahren auf der Arbeit Diskriminierung. Eine Deklaration der Aidshilfe will das ändern. Die FDP fordert die Bundesregierung auf mitzuziehen.

Von Inga Hofmann

In Deutschland leben rund 90.000 Menschen mit HIV. Viele von ihnen erleben im Alltag Diskriminierung und sind auch im Arbeitsumfeld Stigmatisierung ausgesetzt. Die Deutsche Aidshilfe hat deshalb #positivarbeiten ins Leben gerufen. Eine Deklaration, die Arbeitnehmer*innen unterzeichnen können, um nach innen und außen zu zeigen: Menschen mit HIV sind willkommen.

„Es geht darum, ein Signal zu setzen und erfahrbar zu machen, dass Menschen mit HIV arbeiten können wie alle andere und dass sie Kolleg*innen sind wie alle anderen“, erklärt Holger Wicht von der Deutschen Aidshilfe. Das sei nötig, weil es immer noch Vorurteile und Missverständnisse über das Leben mit HIV gebe. „Da wird manchmal ein Thema draus gemacht, wo es überhaupt keine Rolle spielen sollte.“

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Nicht wenige hätten beispielsweise immer noch Berührungsängste und würden Menschen mit HIV stigmatisieren. Gängige Vorurteile seien, dass Menschen mit HIV nicht so leistungsfähig seien oder häufiger krank würden. „Wenn die HIV-Infektion auf der Arbeit bekannt wird, kann es dazu führen, dass man anders behandelt wird als Kolleg*innen“, sagt Wicht.

Die Stigmatisierung sei für Betroffene belastend, ebenso wie die Angst, dass Kolleg*innen von der HIV-Infektion erfahren könnten. „Viele erleben es als erzwungene Verheimlichung und leiden unter der Angst, dass es herauskommen könnte.“

Wichtige Perspektiven für Unternehmen

Genau da setzt #positivarbeiten an: Arbeitgeber*innen signalisieren mit der Unterzeichnung, dass Menschen mit HIV auf der Arbeit keine Nachteile haben und verpflichten sich dazu, sie bei Schwierigkeiten zu unterstützen. HIV werde als Teil von Diversity begriffen, sagt Wicht und fügt hinzu: „Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung können Menschen mit HIV heute genauso leben wie alle anderen – in jedem Lebensbereich. Die HIV-Medikamente erhalten die Gesundheit und sorgen dafür, dass HIV nicht mehr übertragbar ist. .“

Diskriminierung und Stigmatisierung könne sich negativ auf die Kreativität und Leistungsfähigkeit auswirken, sagt Wicht. „Im Gegenzug gilt: Menschen, die wissen, dass sie in ihrer ganzen Persönlichkeit respektiert werden, bringen sich auf eine ganz andere Weise ein.“ Ihre Perspektiven könnten auch für Unternehmen und andere Arbeitgeber*innen einen wichtigen Wert haben.

FDP fordert Bundesregierung zur Unterzeichnung au

Bisher haben einige Parteien wie die FDP und Ministerien wie das Gesundheitsministerium und das Verteidigungsministerium die Deklaration unterzeichnet. Aber auch einzelne Politiker*innen wie Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth. „Die Zustimmung geht quer durch die demokratischen Parteien“, sagt Wicht, „eine Grundlage ist also bereits da.“

Nun hat die FDP außerdem die Bundesregierung mit all ihren obersten und nachgeordneten Bundesbehörden dazu aufgefordert, sich der Initiative anzuschließen.

Jens Brandenburg, Antragsteller und LSBTI-politischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion sagt: „Auch am Arbeitsplatz sollen HIV-Positive nicht länger Stigmatisierung erfahren.“ Die Deklaration #positivarbeiten sei eine großartige Arbeitgeberinitiative für ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld. „Der Deutsche Bundestag und die gesamte Bundesregierung haben eine besondere Vorbildfunktion. Mit einer Unterzeichnung sollten sie HIV-positiven Mitarbeitenden ein Signal der Unterstützung senden und einer Diskriminierung am Arbeitsplatz aktiv entgegenwirken.“

„Der Staat sollte mit positivem Beispiel vorangehen“

Parteikollege und Antragsteller Johannes Vogel bekräftigt: „Der Staat sollte mit positivem Beispiel vorangehen und darauf achten, auch HIV-positive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beschäftigen.“ Das wäre ein wichtiges Signal gegen Diskriminierung. HIV-positive Menschen dürften nicht unter Ausgrenzung und Vorurteilen leiden.

Wicht von der Deutschen Aidshilfe begrüßt den Vorstoß der FPD: „Natürlich würden wir uns sehr freuen, wenn der Deutsche Bundestag unterzeichnet. Er steht für unsere Demokratie und unseren Staat.“ Nach außen wäre das „ein besonders schönes Signal" und würde ein Zeichen setzen - für die Selbstverständlichkeit und den Respekt, auf den es ankommt.

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