Jens Spahn besucht Beratungsstelle : Nachfrage nach HIV-Prophylaxe ist hoch

Die Beratungsstelle Mann-O-Meter bietet Schnelltests und Gesundheitschecks zur HIV-Prophylaxe. Immer wieder muss sie Ratsuchende abweisen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn informiert sich bei der Beratungsstelle für schwule Männer, Mann-O-Meter, in Schöneberg.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn informiert sich bei der Beratungsstelle für schwule Männer, Mann-O-Meter, in Schöneberg.Foto: Sigrid Kneist

Mitten im Schöneberger Regenbogenkiez am Nollendorfplatz ist Mann-O-Meter zu Hause - Berlins schwuler Checkpoint, wie sich die Beratungsstelle selber nennt. Für viele schwule Männer ein Anlaufpunkt in Berlin, wenn es unter anderem um die Verhütung und Erkennung von sexuell übertragbaren Krankheiten geht. Denn Mann-O-Meter hat ein umfangreiches Schnelltestprogramm.

3380 Männer haben sich im vergangenen Jahr dort anonym testen lassen: auf HIV, Syphilis, Gonokokken oder Chlamydien. Auch auf Hepatitis C kann man sich untersuchen lassen; aber bislang seien bei dieser Erkrankung dort sämtliche Tests negativ gewesen, erläuterte Marcus Behrens von Mann-O-Meter am Montag beim Besuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dem Tempelhof-Schöneberger Bundestagsabgeordneten Jan-Marco Luczak (beide CDU).

Die Zahlen sind steigend. In den ersten vier Monaten dieses Jahres haben bereits 1346 Männer Männer an Tests teilgenommen. Das Angebot der Beratungsstelle richtet sich explizit und ausschließlich "an Männer, die Sex mit Männern haben", sagt Behrens. Auch sämtliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche sind schwule Männer.

Nachfrage nach "PrEP-Checks" steigt

Eine immer größere Nachfrage gibt es nach "PrEP-Checks". Das sind Tests für jene Männer, die regelmäßig Arzneimittel einnehmen, um eine HIV-Infektion zu vermeiden. PrEP ist die Abkürzung für Präexpositionsprophylaxe. Dabei ist der regelmäßige Gesundheitscheck wichtig. Denn die Medikamente sollen zwar vor einer HIV-Infektion schützen, nicht aber vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Im März beschloss der Bundestag, dass die Kosten für die PrEP bei Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko von der Krankenkasse übernommen werden sollen. Nachdem die Medikamente anfangs sehr teuer waren, lagen die Kosten zuletzt bei rund 40 Euro im Monat. Die Zahlen bei den PrEP-Checks steigen deswegen auch bei Mann-O-Meter. 470 gab es im gesamten vergangenen Jahr, allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres waren es 316 Checks.

Termine und Kapazitäten reichen nicht aus

An vier Abenden in der Woche werden die Gesundheitstests bei Mann-O-Meter angeboten. Aber die Termine und Kapazitäten reichen nicht mehr aus. Immer wieder müssen die Berater Männer abweisen. Mehr als 100 Ratsuchende mussten in diesem Jahr bereits unverrichteter Dinge wieder gehen.

"Wir bräuchten einen fünften Termin in der Woche", sagt Behrens. Man habe sich auch schon an Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (früher Kolat, SPD) gewandt. Ein Schreiben im vergangenen Jahr sei aber nicht beantwortet worden. Um einen weiteren Beratungstermin anbieten zu können, benötige man rund 24.000 Euro, sagte Behrens. Bundesgesundheitsminister Spahn sieht in diesem Fall die Landesregierung in der Pflicht. „Jeder Mann, der bei Mann-O-Meter abgewiesen wird, ist einer zu viel. Jede unerkannte HIV-Infektion beinhaltet das Risiko weiterer Ansteckungen. Berlin hat sich unter dem rot-rot-grünen Senat mit der „Fast-Track Cities Initiative to End Aids“ zum Ziel gesetzt, die Aids-Epidemie bis 2030 zu beenden. Jetzt hält es die Gesundheitssenatorin aber nicht mal für nötig, sich mit dem Verein zu treffen", sagte der CDU-Bundestagsangeordnete Luczak.

Gesundheitsverwaltung: 2019 gibt es 27.000 Euro mehr

Die Senatsgesundheitsverwaltung weist den Vorwurf zurück: Im vergangenen Jahr habe Mann-O-Meter rund 335.000 Euro über die Gesundheitsverwaltung erhalten. In diesem Jahr gebe es insgesamt 362.000 Euro, das bedeute eine Steigerung von in Höhe von 27.000 Euro. "Mann-O-Meter ist der einzige Träger im Handlungsfeld „HIV/AIDS, sexuell übertragbare Infektionen sowie Hepatitiden“, dem mehr Mittel in 2019 für die Projektarbeit zugestanden wurden. Alle anderen Projekte haben nur zusätzliche Mittel für die Finanzierung der Tarifanpassungen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten", sagte Kalaycis Sprecherin Lena Högemann.

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