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Protesters gather as vehicles burn, amid evolving anti-government unrest, in Tehran, Iran, in this screen grab obtained from a social media video released on January 9, 2026. Social Media/via REUTERS  THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVES.

VERIFICATION:
- Buildings, business signage and traffic light matched file and satellite imagery
- Date not verified
- Witnesses told Reuters protesters gathered in the streets on Thursday (January 8)

© REUTERS/Social Media

Mullahs schalten Internet ab: Der Sohn des Schahs etabliert sich als Führungsfigur der Massenproteste im Iran

Die Führung in Teheran stellt einen harten Kurs gegen die landesweiten Demonstrationen in Aussicht. Vor der Internetsperre waren diverse Videos an die Weltöffentlichkeit gelangt.

Stand:

Inmitten massiver Proteste gegen die autoritäre Staatsführung ist der Iran fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Nur wenige Informationen dringen nach außen. Die Bevölkerung hat kaum mehr Zugriff auf das Internet. Damit reagiert die Staatsführung auf die bislang heftigsten Demonstrationen seit Beginn der Unruhen Ende Dezember.

Wie bei früheren Protestwellen wächst die Sorge vor brutaler staatlicher Repression. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei stellte einen harten Kurs gegen die Demonstrierenden in Aussicht. Menschenrechtsorganisationen zufolge sind schon jetzt Dutzende Menschen von Sicherheitskräften getötet worden. Auch auf Seite der Staatskräfte soll es Todesopfer geben.

Eskalierende Proteste in Teheran und Maschhad

Am Donnerstag waren die Proteste im Iran eskaliert. Nachdem in den Tagen zuvor vor allem in ländlichen Regionen im Westen des Landes demonstriert worden war, erfassten die Unruhen nun auch die Metropolen. In Teheran und in Maschhad strömten Menschenmassen auf Plätze und Hauptverkehrsadern. Aufgerufen zu dem jüngsten Protest hatte Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, der aus dem Exil eine Führungsrolle in der Opposition für sich beansprucht.

(FILES) Iranian opposition leader and son of the last shah of Iran Mohammad Reza Pahlavi, Reza Pahlavi holds a press conference in Paris on June 23, 2025. The son of the shah of Iran ousted by the 1979 Islamic Revolution, US-based Reza Pahlavi, who had called for major protests on January 8, 2026, meanwhile urged a new show of force in the streets on Januray 9. Iranians staged their biggest protests yet of an almost two week movement sparked by anger over the rising cost of living, chanting slogans including "death to the dictator" and setting fire to official buildings, videos showed. 

. (Photo by JOEL SAGET / AFP)
Mohammad Reza Pahlavi etabliert sich als zentrale Stimme der iranischen Opposition.

© AFP/JOEL SAGET

In Maschhad, dem religiösen Zentrum der Schiiten, gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen Demonstranten vor, wie Einwohner berichteten. Es sei „wie Krieg“, sagten Augenzeugen.

Wegen der Internetsperre war am Freitag zunächst unklar, wie sich die Proteste im Land weiterentwickeln. Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten am Donnerstag einen Einbruch des Web-Traffics um 99,9 Prozent. Ein kleiner Teil der Regierung sowie des Militär- und Machtapparats darf das Internet weiter frei nutzen.

In den vergangenen Tagen waren diverse Videos an die Weltöffentlichkeit gelangt. Diese lassen sich bislang aufgrund der angespannten Lage nicht endgültig verifizieren. Wir geben sie dennoch wieder, um einen möglichst detaillierten Blick auf die aktuellen Ereignisse im Iran zu vermitteln.

Auf einem Video ist eine ältere Frau mit grauen Haaren zu sehen. Blut klebt an ihrem Mund, während sie weiter demonstriert.

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Aus der Stadt Abdanan im kurdischen Westen des Landes kursiert ein Video, in dem sich offenbar Polizisten mit Demonstrierenden solidarisieren. Der konservative britische Parlamentsabgeordnete Tom Tugendhat, der mehrere Jahre den Auswärtigen Ausschuss leitete, erklärte auf X, dass auch unter Sicherheitskräften und Soldaten im Iran hoher Frust herrsche.

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„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Kluft zwischen den Revolutionsgarden, den mafiösen Leibwächtern des islamischen Regimes, und der Armee durch die grassierende Korruption innerhalb der Garde noch größer wird. Die iranische Armee, Marine und Luftwaffe hatten nicht denselben Zugang zu den Gewinnen aus Verbrechen“, schrieb Tugendhat.

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Ein Video aus Teheran soll ein brennendes Regierungsgebäude zeigen. Eine jubelnde Menschenmasse steht davor und skandiert „Lang lebe der Schah“. Auf einem anderen Video ist zu sehen, wie ein Demonstrant eine Überwachungskamera an einer Straße niederreißt.

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Sorge vor gewaltsamer Niederschlagung der Proteste

Die vollständige Internetsperre weckt Erinnerungen an das staatliche Vorgehen vor rund sechs Jahren: Damals protestierten Menschen wegen stark gestiegener Benzinpreise. Der Staat verhängte eine fast einwöchige Internetsperre, während der nach Schätzungen von Menschenrechtlern Hunderte Demonstrierende getötet wurden. In sozialen Medien äußerten viele Iranerinnen und Iraner die Sorge vor einer Wiederholung der Gewalt.

Irans oberster Führer Chamenei verurteilte die Proteste. In einer am Freitag veröffentlichten Rede sprach der 86-Jährige von „Unruhestiftern“ und „dem Land schädlichen“ Menschen. „Es gibt auch Leute, deren Arbeit Zerstörung ist“, sagte er. Sie richteten Zerstörung an, „nur damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut“, sagte das Staatsoberhaupt mit Blick auf Donald Trump. Der US-Präsident hat der iranischen Führung bereits mehrfach mit einem Einschreiten gedroht, sollte die Staatsmacht Demonstranten töten.

Ausgelöst wurden die Demonstrationen Ende Dezember durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet. Schon davor war die Unzufriedenheit in der Bevölkerung angesichts von Dauerkrisen gestiegen. Auch für Freitagabend ha Pahlavi zu weiteren Protesten aufgerufen.

Chamenei soll unterdessen bereits einen Notfallplan für eine Flucht vorbereitet haben. Dies schreibt die britische „Times“ unter Berufung auf einen westlichen Geheimdienstbericht. Darin wird der 86-jährige Khamenei als paranoid und hoch nervös beschrieben. Der kurzzeitige Krieg gegen Israel im Sommer 2025 habe ihn körperlich und mental geschwächt. Im Ernstfall wolle er mit etwa 20 Personen, darunter seinem Sohn und designierten Nachfolger Mojtaba, aus Teheran entkommen. Khameneis Wunschziel soll demnach Moskau sein, nach dem Vorbild des ebenfalls gestürzten syrischen Diktators Bashar al-Assad. (dpa/jmi)

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