
© dpa/Alex Brandon
„Nach welchem Recht hat Dänemark die Kontrolle über Grönland?“: Trumps Vize-Stabschef Miller betont US-Anspruch auf Arktisinsel
Auf die wiederholte Frage, ob die USA Grönland notfalls mit Gewalt einnehmen würden, antwortet Trumps Vize-Stabschef ausweichend. Dänemarks Regierungschefin reagiert mit einer drastischen Warnung.
Stand:
Ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses hat den US-Anspruch auf die Kontrolle über das zu Dänemark gehörende Grönland als „offizielle Position der US-Regierung“ beschrieben. Auf die wiederholte Frage eines CNN-Moderators, ob die Regierung einen Militäreinsatz zur Einnahme Grönlands ausschließe, sagte US-Präsident Donald Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller: „Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die Vereinigten Staaten kämpfen. Das macht keinen Sinn.“
Die USA sollten Grönland als Teil der Vereinigten Staaten „haben“, betonte Miller. Der Präsident habe dies seit Beginn seiner Amtszeit vor knapp einem Jahr sehr klargemacht. Es gebe dabei überhaupt keinen Bedarf, über einen Militäreinsatz nachzudenken, sagte Miller CNN weiter. Die USA seien die wichtigste Militärmacht der Nato und bräuchten daher die Kontrolle über Grönland, um die Arktisregion zu sichern und damit die Sicherheit des Verteidigungsbündnisses zu garantieren, argumentierte er.
Hier sehen Sie das Interview mit Miller im Video:
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Miller stellte auch infrage, wieso das autonom verwaltete Grönland überhaupt offiziell zum Nato-Partner Dänemark gehört. „Nach welchem Recht hat Dänemark die Kontrolle über Grönland? Was ist die Grundlage ihres Gebietsanspruchs? Was ist die Grundlage dafür, Grönland als eine Kolonie Dänemarks zu haben?“, fragte er in dem CNN-Interview.

© Steffen Trumpf/dpa
Dänemark: Wenn die USA ein Nato-Land angreifen, hört alles auf
Dänemark, seine skandinavischen Nachbarn, Großbritannien, Deutschland und auch die EU hatten am Montag den von Trump erneut angemeldeten US-Anspruch auf Grönland entschieden zurückgewiesen.
Für die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen herrscht kein Zweifel daran, dass Trump es ernst meint. „Er hat es immer wieder direkt und indirekt gesagt“, sagte Frederiksen in einem Interview des dänischen Rundfunks. „Aber wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf“, warnte sie. Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur.
„Wir sind uns in der Nato einig darin, die Sicherheit im hohen Norden zu verstärken.“ Man könne aber nicht einfach hergehen und einen Teil des Territoriums eines anderen Landes übernehmen, sagte Frederiksen. Auch Grönlands Regierung lehnt den US-Gebietsanspruch ab. Trump hat den Einsatz militärischer Gewalt zur Einverleibung Grönlands durch die USA in der Vergangenheit nicht ausgeschlossen.
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Grönlands Ministerpräsident warnt vor Panik
Der grönländische Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen rief seine Landsleute indes dazu auf, Ruhe zu bewahren. Er verstehe, dass manche Grönländer mit Blick auf die Situation in Venezuela beunruhigt über die jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump seien, sagte Nielsen dem dänischen Rundfunk zufolge bei einer Pressekonferenz in der grönländischen Hauptstadt Nuuk. „Aber Venezuela und Grönland sind nicht vergleichbar.“
Nielsen forderte nun einen direkten Draht nach Washington. Er sei es satt, dass die Kommunikation mit den USA über die Medien stattfinde.
Grönland und die USA hätten in der Vergangenheit immer gut zusammengearbeitet. Eine Annexion Grönlands über Nacht werde nicht passieren. „Wir sind offen für einen Dialog“, sagte Nielsen demnach. „Aber die internationalen Regeln und Gesetze basieren auf Frieden, Zusammenarbeit und getroffenen Vereinbarungen.“
„Diese Zeiten verlangen nach Zusammenhalt“, sagte Nielsen dem Sender DR zufolge weiter. „Wir müssen zeigen, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen, aber wir müssen auch Einigkeit unter den verbündeten Ländern demonstrieren.“
Warum interessieren sich die USA für Grönland?
Grönland ist bedeutend für das Weltklima, aber auch für die militärische Kontrolle der Arktis. Die Insel liegt strategisch zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Aufgrund des Klimawandels wird die Arktis zunehmend für die Schifffahrt interessant. Zudem werden in Grönland auch Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltenen Erden, vermutet.
Das US-Militär betreibt seit langem im abgeschiedenen Pituffik, etwa 1.500 Kilometer nördlich der grönländischen Hauptstadt Nuuk, einen Militärstützpunkt. Dieser unterstützt unter anderem Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen.
Die großteils von Eis bedeckte Insel Grönland ist flächenmäßig etwa sechsmal so groß wie Deutschland. Die größte Insel der Welt gehört zum Königreich Dänemark und hat mehr als 44.000 Kilometer Küste. In Grönland leben aber nur rund 57.000 Menschen. Bereits seit 1979 genießt die Insel weitgehende Autonomie innerhalb Dänemarks.
Die jüngsten diplomatischen Verstimmungen um Grönland schienen nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela zunächst von einem Social-Media-Beitrag ausgelöst worden zu sein. In einem Post auf X von Ex-Regierungsberaterin und Influencerin Katie Miller – der Frau des Vize-Stabschefs – war eine Karte Grönlands in den Farben der US-Flagge zu sehen. Dazu schrieb sie in Großbuchstaben ein einziges Wort: „BALD“. (dpa, Tsp)
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