
© Reuters/Leah Millis
Sein Sinn für Moral, Taiwan – und Marco Rubios Schuhe: Zehn wichtige und absurde Stellen aus Trumps Interview mit der „New York Times“
Grönland, Russland, China und Abnehmspritzen: In einem Interview mit der „New York Times“ spricht US-Präsident Donald Trump über so ziemlich alles. Ein schneller Überblick.
Stand:
Es ist ein Rundumschlag, wie ihn US-Präsident Donald Trump besonders mag, dieses Mal in Form eines Interviews.
Ausführlich hat der 79-Jährige am Mittwoch mit der „New York Times“ über eigentlich alles gesprochen: Grönland, Russland, die Ukraine, Sean „Diddy“ Combs, Völkerrecht und Moral – und Außenminister Marco Rubios Schuhe.
Hier zehn wichtige und absurde Stellen.
1. Außenpolitik: „Mein eigener Sinn für Moral ist das Einzige, was mich stoppen kann“
In der Außenpolitik sieht sich Trump nur seinem eigenen Gewissen verpflichtet. „Ich brauche kein internationales Recht“, sagt er in dem Interview. Er habe aber nicht vor, Leuten zu schaden.
Die Journalisten der Zeitung fragten ihn, ob es Einschränkungen für seine weltweite Macht gebe. Es sei nur eine einzige Sache, erwidert der Präsident. „Mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann.“
Auf die Frage, ob sich die US-Regierung an internationales Recht halten müsse, sagt Trump: „Es hängt davon ab, was die Definition von internationalem Recht ist.“
2. Grönland müsse den USA gehören: „Psychologisch notwendig für den Erfolg“
Nach der Gefangennahme des venezolanischen Staatspräsidenten Nicolás Maduro durch das US-Militär stellen in den USA unter anderem Kongressmitglieder die Rechtmäßigkeit der Aktion infrage.
Zugleich zeigt Trump verstärkt Interesse an dem zum Königreich Dänemark gehörenden Grönland – und das Weiße Haus sorgte für Aufsehen mit der Feststellung, dass Trump als Oberbefehlshaber dabei der Einsatz des US-Militärs „jederzeit als Option“ zur Verfügung stehe.
Nun bekräftigte Trump, dass die USA aus seiner Sicht Grönland besitzen müssten – weil dies „psychologisch notwendig für den Erfolg“ sei. Trump begründet das Interesse an Grönland mit der nationalen Sicherheit der USA sowie den Naturschätzen der Insel.
3. Russland in der Ukraine: „Ich bin fest überzeugt, dass sie nicht erneut einmarschieren würden“
Mit Blick auf die Ukraine bekräftigte Trump, er sei bereit, sich für eine Beteiligung der Vereinigten Staaten an der künftigen Verteidigung einzusetzen – allerdings nur, weil er zuversichtlich sei, dass Russland nicht erneut versuchen werde, das Land anzugreifen.
„Ich bin fest davon überzeugt, dass sie nicht erneut einmarschieren würden, sonst würde ich dem nicht zustimmen“, sagt der US-Präsident.
4. Atom-Abrüstungsvertrag: „Wenn er ausläuft, läuft er aus“
Angesichts des baldigen Auslaufens des Abrüstungsvertrags New Start gibt sich Trump in dem Interview gelassen. „Wenn er ausläuft, läuft er aus“, sagt er.
Der 2010 zwischen den USA und Russland geschlossene Vertrag zur nuklearen Abrüstung endet im Februar. „Wir werden einfach ein besseres Abkommen machen“, sagt er. Laut der Zeitung beharrte Trump in dem Gespräch darauf, dass China in ein künftiges Abkommen einbezogen wird. Peking lehnt dies jedoch strikt ab.
5. Abnehm-Spritze: „Habe ich nicht genommen“
Medikamente für einen schnellen Gewichtsverlust, wie Ozempic, hat Trump nach eigenen Worten noch nicht ausprobiert. Danach gefragt, sagt er: „Nein, habe ich nicht, sollte ich vielleicht.“
6. Sean „Diddy“ Combs: „Er bat mich um Begnadigung“
Der wegen Sexualstraftaten verurteilte US-Rapper Sean „Diddy“ Combs hat Trump offenbar in einem Brief um eine Begnadigung gebeten. Er habe jedoch nicht vor, dieser Bitte nachzukommen, sagt Trump.
Im Oktober war Combs in Zusammenhang mit Prostitution zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und zwei Monaten sowie einer Geldstrafe verurteilt worden. Seine Anwälte haben Berufung eingelegt.
7. Chinas Anspruch auf Taiwan: „Es liegt an Xi Jinping, was er tun wird“
Weiter bezeichnete Trump es als Angelegenheit Chinas, was die Volksrepublik mit Blick auf Taiwan unternehme. Der chinesische Präsident Xi Jinping betrachte Taiwan „als einen Teil Chinas, und es liegt an ihm, was er tun wird“, sagt der US-Präsident im Interview. „Aber ich habe ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass ich sehr unglücklich wäre, wenn er das tun würde, und ich glaube nicht, dass er das tun wird. Ich hoffe, dass er das nicht tut.“
Die kommunistische Führung in Peking betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als Teil ihres Staatsgebiets und schließt eine gewaltsame Wiedervereinigung nicht aus. Die USA gelten bislang als militärisch stärkster Unterstützer Taiwans.
8. Entzug der Staatsbürgerschaft: „Ich würde es ohne zu zögern tun“
Weiter sagt Trump, seine Regierung unternehme Schritte, um einigen eingebürgerten Amerikanern die Staatsbürgerschaft zu entziehen, wobei insbesondere Personen somalischer Herkunft im Fokus stünden.
„Ich würde es ohne zu zögern tun, wenn sie unehrlich wären“, sagt Trump im Interview, das im Oval Office des Weißen Hauses geführt wurde. „Ich glaube, dass viele der Menschen, die aus Somalia gekommen sind, unser Land hassen“, behauptet er.
9. Trump über Vize JD Vance und Außenminister Rubio: „Kinder“
Mehrfach nennt Trump einige seiner Mitarbeiter und Berater „Kinder“. Dazu gehörten auch zwei der mächtigsten Persönlichkeiten seiner Regierung: Vizepräsident JD Vance, 41, und Außenminister Marco Rubio, 54.
Vance und Rubio, die bei dem Interview anwesend sind, sagen beide, sie hätten je vier Paar Schuhe von Trump bekommen. Vance hebt sein Bein, um dem Präsidenten das Paar zu zeigen, das er trägt.
10 Anruf von „Fox News“: „Ich habe tatsächlich einem Interview mit der ,New York Times‘ zugestimmt – können Sie das glauben?“
Während des Gesprächs erhält Trump mehrere Anrufe. Er spricht vor den Reportern der „New York Times“ mit Kolumbiens Präsident Gustaiv Petro (den er kurz zuvor noch als „kranken Mann, der gerne Kokain herstellt“ bezeichnet hatte) und auch mit dem „Fox News“-Moderator Bret Baier.
„Ich habe tatsächlich einem Interview mit der ,New York Times‘ zugestimmt“, sagt Trump am Telefon zu Baier. „Können Sie das glauben?“ Trump verspricht Baier, ihn bald zurückzurufen.
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