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Thema

G8

Bei der Razzia der italienischen Polizei im Zentrum der Globalisierungsgegner in Genua ist in der Nacht zum Sonntag ein 21-jähriger Berliner sehr schwer verletzt worden. Wie dem Tagesspiegel aus zuverlässiger Quelle bestätigt wurde, lag der Mann zumindest noch am Montag im Koma.

Von Christian Tretbar

Nach dem Ende des G 8-Gipfels von Genua befanden sich auch am Montag noch etliche Berliner Teilnehmer der Gegenveranstaltungen in den Händen der italienischen Polizei. "Ungefähr 50 Deutsche werden noch festgehalten, darunter etwa 20 Leute aus Berlin", sagte Beate Beckmann, Sprecherin des "Ermittlungsausschusses" (EA) am Montag.

Von Lars von Törne

Aids, Malaria, Tuberkulose - die G-8-Staaten wollen die Vereinten Nationen im Kampf gegen diese Krankheiten nicht allein lassen. 1,3 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) werden die USA, Kanada, Japan, Italien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Russland an einen UN-Fonds überweisen, hieß es in der Abschlusserklärung der Gipfelkonferenz.

Den Namen Kananaskis wird man sich merken müssen. In dem Urlaubsrevier in der Abgeschiedenheit der kanadischen Rocky Mountains, mit dem Rest der Welt nur über eine Straße verbunden, soll 2002 der nächste G-8-Gipfel stattfinden.

Von Robert Birnbaum

Small is beautiful: Nach dem pompösen G-8-Gipfel von Genua soll Schluss sein mit den Riesen-Delegationen einzelner Teilnehmerstaaten. Beim nächsten Treffen im kanadischen Kananaskis darf jede Delegation noch höchstens 30 bis 35 Teilnehmer zählen, sagte Kanadas Ministerpräsident Chrétien.

Bundeskanzler Gerhard Schröder stellt sich für die Zukunft kleinere G-8-Gipfel vor und würde es daher begrüßen, "wenn wir das Format wieder etwas herunterziehen könnten". Sowohl die Zahl der Mitglieder in den Gipfel-Delegationen als auch die Zahl der Themen sollten "sehr stark beschränkt" werden, hieß es in Genua in Kreisen der Bundesregierung.

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle hält angesichts der militanten Proteste eine Reform der G-8-Gipfel für notwendig. "Die heutigen Gipfel sind inhaltlich wie personell überfrachtet.

Die letzte Pressekonferenz des G-8-Gipfels unter Regie des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wurde direkt vom zweiten staatlichen Fernsehen RAI 2 übertragen. Doch auf die Gretchenfrage wusste niemand im Pressezentrum von Genua eine Antwort: Inwieweit trifft die Medien eine Mitverantwortung für die gewalttätigen Ausschreitungen beim Gipfel, bei denen ein 23-jähriger Demonstrant am Freitagabend ums Leben gekommen war?

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber kommentierte die Krawalle am Rande des G-8-Treffens in Genua mit den Worten: "Dieser Gipfel in Genua muss das letzte Treffen in dieser Form gewesen sein." Es sei unwürdig, "wie sich die Staatsmänner förmlich verkriechen müssen vor der Gewalt und die inhaltlichen Themen dabei völlig überschattet werden".

Mit einem Kompromissvorschlag hat der Präsident der UN-Klima-Konferenz, Pronk, am Sonntag versucht, den Gipfel doch noch zu einem Erfolg zu bringen. Der Vorschlag, der Japans Forderungen sehr weit entgegenkommt, sei so anzunehmen oder abzulehnen, zitierte Umweltminister Trittin Pronks Haltung, die einem Ultimatum gleichkam.

Von Dagmar Dehmer

Da sind sie wieder, vermummt und bewaffnet, die Touristen der Gewalt, reisende Kriminelle. Sie bringen Terror - über die friedlichen Bürger der Hafenstadt Genua, aber auch über die friedlichen Globalisierungskritiker.

Von Bayern aus betrachtet ist manchmal alles ganz einfach. "Dieser Gipfel in Genua muss das letzte Treffen in dieser Form gewesen sein", fordert Edmund Stoiber in der "Welt am Sonntag" und schiebt gleich die Begründung nach: Unwürdig sei es, wie sich die Staatsmänner der acht führenden Nationen "förmlich verkriechen müssen vor der Gewalt".

Von Robert Birnbaum

Bei vielen Berliner Polizisten wecken die Bilder aus Genua böse Erinnerungen an eigene Erfahrungen. Ein Einsatzwagen steckt eingeklemmt zwischen militanten Demonstranten, Gegenstände werden auf die Beamten geworfen, die Dienstpistole wird gezogen: "Solche Situationen haben unsere Kollegen schon oft erlebt", sagt Polizeihauptkommissar Uwe Hundt, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats der Berliner Polizei und stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.

Von Lars von Törne

Die erbitterten Kontrahenten diesseits und jenseits der Hochsicherheitszäune des G8-Gipfels in Genua haben eines gemeinsam: Sie denken alle strikt global. Unsere politische und soziale Gegenwart ist von zahllosen internationalen Strukturen und Institutionen durchzogen.

Bei Protesten gegen den G-8-Gipfel in Genua ist ein junger Mann offensichtlich durch einen Schuss der Polizei getötet worden. Italienische Medien berichteten zudem am Freitag von mehr als 100 Verletzten.

Das Phänomen hat Tradition. Über einen frisch gewählten amerikanischen Präsidenten sind viele Europäer zunächst fassungslos, manche gar entsetzt.

Von Malte Lehming

Kurz nach 12 Uhr mittags: Bundeskanzler Schröder betritt gerade den G-8-Tagungsort. Draußen ziehen die Sicherheitskräfte in Genua erstmals ihre Tränengasmasken auf.

Einen Tag vor der Eröffnung des Gipfels hat sich das Klima in Genua weiter verschärft. In der Altstadt, in der 30 000 Menschen wie in einem Käfig eingesperrt sind, patrouillieren Panzerfahrzeuge der Polizei.

Wladimir Putin und George Bush - Russlands Staatschef und der US-Präsident sind die entscheidenden Kontrahenten in der Frage, ob es zur Verwirklichung der amerikanischen Raketenabwehrpläne (MD) kommt. In Genua haben die beiden eine weitere Möglichkeit zum Austausch.

Von
  • Elke Windisch
  • Malte Lehming

Der tschetschenische Präsident Aslan Maschadow hat die Staatschefs der G-7-Länder aufgerufen, Russland notfalls auch mit Sanktionen zu Friedensverhandlungen zu zwingen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Appell fordert Maschadow die führenden Repräsentanten der größten Industrienationen auf, "kollektive Schritte zur Wiederaufnahme von Friedensgesprächen und zu einer umgehenden Waffenruhe zu unternehmen".

Drei der vier Berlinerinnen, die im Vorfeld des G-8-Gipfeltreffens in Genua am Dienstag festgenommen wurden, sind der hiesigen Polizei bekannt. Nach Auskunft der Sprecherin der Innenverwaltung, Svenja Schröder-Lomb, hatten die vorliegenden Erkenntnisse allerdings nicht ausgereicht, um gegen die Frauen melderechtliche Auflagen auszusprechen.

Die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung hat die Bundesregierung aufgefordert, sich für die Freilassung der vier noch inhaftierten Teilnehmer der Berliner Konferenz einzusetzen. Eine Reise von Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Teheran solle an diese Bedingung geknüpft werden, sagte Vorstandsmitglied Ralf Fücks bei der Vorstellung des Buches "Eine Konferenz und ihre Folgen.

Alles wie immer, mochten sich viele Staats- und Regierungschefs gedacht haben, als sie vor Wochen den G 8-Wirtschaftsgipfel in Genua planten: Armutsbekämpfung, eine neue Welthandelsrunde, Gespräche über die Lage der Weltwirtschaft setzten sie auf die Agenda. So weit, so gewöhnlich.

Zwei Tage vor Beginn des G-8-Gipfels in Genua ist in Italien erneut eine Briefbombe explodiert. Bei der Detonation in einem Fernsehsender von Regierungschef Silvio Berlusconi in Mailand erlitt eine Mitarbeiterin am Mittwoch Brandwunden, wie der Sender berichtete.

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