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Thema

G8

Wegen der anhaltenden Finanzkrise in Argentinien hat der Präsident des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, seine Teilnahme am G-8-Gipfel in Genua abgesagt. Er habe alle geplanten Treffen mit Bankenvertretern und EU-Beamten gestrichen und sei am Montag nach Washington zurückgekehrt, teilte die Weltbank mit.

Es war ein schwarzer Frauenslip, der den italienischen Ministerpräsidenten, Silvio Berlusconi, bei einem seiner Kontrollbesuche in Genua besonders störte. Die Angewohnheit der Genuesen, ihre Wäsche auf zwischen den engen Häusern gespannten Leinen zum Trocknen aufzuhängen, war nicht nach dem Geschmack des Hausherrn, der vor dem Eintreffen seiner Gäste noch mal schnell nach dem Rechten sehen wollte.

Drei Tage vor dem G 8-Gipfel in Genua eskaliert der Nervenkrieg zwischen den Organisatoren des Wirtschaftstreffens und den Globalisierungsgegnern. An der Grenze zwischen der Schweiz und Italien kam es zu ersten Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Gipfelgegnern.

Von Rainer Ruthe

Wenn sich die führenden Industrieländer und Russland (G 8) in der kommenden Woche zum Weltwirtschaftsgipfel in Genua versammeln, steht das Thema Armutsbekämpfung in der Dritten Welt abermals ganz oben auf der Agenda. Die Regierungschefs werden in Genua auf die üblichen Kritiker und Krawallmacher treffen, denen zufolge Globalisierung die Armen ärmer und die Reichen reicher macht.

Wenige Tage vor der Welt-Klimaschutzkonferenz in Bonn hat sich Bundeskanzler Schröder in die Bemühungen zur Rettung des Klimaprotokolls von Kyoto eingeschaltet. In einem Telefonat mit Japans Regierungschef Koizumi bat er seinen Kollegen eindringlich darum, an einem Kompromiss mitzuarbeiten.

Die große Mobilmachung vollzieht sich lautlos. "Lasst den Gipfel platzen" ist das Motto der Stunde, und die Globalisierungsgegner verbreiten es per e-Mail oder per Kurzmitteilung.

Von Kurt Sagatz

Vor mittlerweile sechs Jahren hat der Münchner Siemens-Konzern seine nie in Betrieb gegangene Hanauer Plutonium-Fabrik eingemottet. Was hier zu Lande unerwünscht ist, würde die russische Regierung gerne ins eigene Land holen, um damit bombentaugliches Atommaterial aus eigenen Arsenalen in zivile und damit ungefährlichere Produkte zu verwandeln.

Schachprofi Garry Kasparow steht in seinem achten Weltmeisterschaftsfinale kurz vor einer Niederlage. Der 37-jährige Russe verlor gegen seinen Landsmann Wladimir Kramnik nach nur 25 Zügen die zehnte Partie in den Londoner Riverside Studios.

Die sieben führenden Industrienationen und Russland haben sich eine ehrgeizige Agenda für das neue Jahrhundert gesetzt. Zum Abschluss ihres Gipfeltreffens im südjapanischen Nago vereinbarten die Staats- und Regierungschefs der G-8-Gruppe am Sonntag unter anderem Initiativen für rascheren Schuldenabbau, eine weltweite Verbreitung des Internet sowie gegen Krankheiten, Konflikte und Terror.

Russland und die USA wollen trotz ihrer großen Gegensätze in der Frage einer Nationalen US-Raketenabwehr (NMD) weiter eng abrüstungspolitisch zusammenarbeiten. Dazu gehören "neue Wege" gegen die Verbreitung von Raketen und Raketentechnologie.

Deutschland will Russland bei der Rückzahlung von Schulden erheblich entlasten. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) betonte am Rande des G-8-Gipfels auf Okinawa, es gehe nicht um einen Schuldenerlass, sondern um eine Umschuldung.

Bei den Nahost-Verhandlungen in Camp David hat sich Israel offenbar zu Zugeständnissen in der Jerusalem-Frage durchgerungen. Nach israelischen Angaben akzeptierte Regierungschef Ehud Barak einen Kompromissvorschlag der USA, wonach Teile Ostjerusalems unter die "gemeinsame Souveränität" von Israeli und Palästinensern gestellt werden sollen.

Im Vorfeld des Weltwirtschaftsgipfels auf Okinawa haben die USA im Rahmen der andauernden Verhandlungen mit Japan über Deregulierung und Marktöffnung von Tokio weitere Konzessionen zur Verbesserung der Geschäftsmöglichkeiten amerikanischer Unternehmen erreicht. Wichtigster Einzelpunkt ist die Zusage Tokios, die bei einem mehrfachen des internationalen Niveaus liegenden Preise für die Nutzung des lokalen und regionalen Festleitungsnetzes des Telekomkonzerns NTT für konkurrierende Fernmeldegesellschaften maßgeblich zu senken.

Wladimir Putins erster G-8-Gipfel soll gleich für Russland den Durchbruch bringen: Der neue russische Präsident muss eine der bösen Erbschaften des Amtes als Ballast abwerfen können - sein Land von dem Problem befreien, von internationalen Finanzorganisationen wie dem Internationalen Währungsfond (IWF) oder der Weltbank derzeit keine neuen Kredite zu bekommen. Dabei gehe es laut Putins Wirtschaftsberater und Gipfel-Sherpa Andrej Illarionow nicht in erster Linie um frische Gelder.

Auf dem Gipfeltreffen der Europäischen Union (EU) und Japan im Vorfeld des Weltwirtschaftsgipfels haben Brüssel und Tokio eine Initiative für eine neue Welthandelsrunde noch in diesem Jahr gestartet. Beiden Seiten gelang es jedoch nicht, die angestrebten Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Tests und Zertifizierungen sowie über eine Zusammenarbeit im Bereich der Wettbewerbspolitik zu unterzeichnen.

Was auf dem europäischen Gipfel in Lissabon unter dem Kürzel "E-Europe" debattiert wurde, wird auch Gegenstand der Tagesordnung auf dem Gipfeltreffen der acht führenden Wirtschaftsnationen (G 8) am kommenden Wochenende in Japan sein. Freilich spricht man hier von "IT".

Die Nahost-Friedensverhandlungen sind in ihre dramatische Schlussphase eingetreten. Mit der Drohung, die Verhandlungen abzubrechen und nach Israel zurückzukehren, hat der israelische Ministerpräsident Ehud Barak am Mittwoch für eine Zuspitzung der Gespräche gesorgt.

Von Robert von Rimscha

Japan will den bevorstehenden G 8-Gipfel am Wochenende auf Okinawa nutzen, um einen Durchbruch für eine neue Welthandelsrunde noch in diesem Jahr zu erzielen. Tokio wolle einen neuen Anlauf für die neue Welthandelsrunde unternehmen, sagte Japans Vize- Außenminister und Gipfel-Sherpa, Yoshiji Nogami, vor der Presse in Tokio.

Die Außenminister der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) werden sich verstärkt für die Verhütung und Bewältigung von Konflikten und die weltweite Abrüstung einsetzen. So wollen die G-8-Staaten Initiativen gegen die unkontrollierte Verbreitung von Kleinwaffen und gegen den illegalen Diamantenhandel unterstützen, sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer zum Abschluss des G-8-Außenministertreffens am Donnerstag im japanischen Miyazaki.

Die weltweite Aids-Epidemie übersteigt nach US-Angaben die schlimmsten Befürchtungen. Die Seuche breite sich schneller und weiter aus, als selbst in den pessimistischsten Prognosen erwartet worden sei, teilte das Statistische Amt der USA am Montag auf der Internationalen Aids-Konferenz in Südafrika mit.

Ursprünglich hatte der neue IWF-Chef Horst Köhler seine Vorstellungen zur Neuordnung des Internationalen Währungsfonds erst im September vorlegen wollen - doch so viel Zeit geben ihm die führenden Industrienationen nicht: Schon beim G-8-Gipfel am 21. Juli in Japan soll über die Zukunft des IWF gesprochen werden.

Die russische Zeitung "Iswestija" hat gestern die Gerüchte bestätigt, wonach die Anlage zur Verarbeitung von Waffenplutonium zu Brennstäben für Atomkraftwerke aus Hanau an Rußland verkauft werden soll. Die Ausrüstung aus Deutschland solle in der "geschlossenen" sibirischen Stadt Schelesnogorsk wieder aufgebaut werden, der einzigen, wo es Fachleute für den Mischbrennstoff aus Uran und Plutonium gibt, heißt es.

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